Mülheims Ehrenbürger Jacques Marx ist tot. Im Alter von 89 Jahren ist Marx am 22. Oktober infolge eines schweren Sturzes verstorben. Er hinterlässt seine Frau Danielle, zwei Kinder und vier Enkel.

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1936 in Paris geboren, versteckte er sich mit seinen Eltern in den Jahren 1942 bis 1944 in südfranzösischen Wäldern und überlebte so den Holocaust. Sein 20 Jahre älterer Bruder Claude kämpfte in der Resistance gegen die deutsche Besatzung.

Zunächst angestellter Apotheker in Gelsenkirchen, dann selbstständig in Mülheim

Nach dem Krieg machte Jacques Marx in Paris Abitur. Anschließend begann er in Straßburg sein Studium der Pharmazie. Nachdem er aufgrund seines politischen Engagements in einer linken Studentengruppe exmatrikuliert worden war, ging er zum Militär und wurde als französischer Soldat in Freiburg stationiert, das damals zur französischen Besatzungszone in Deutschland gehörte. Marx arbeitete beim Militär als Fahrer und Sekretär des Militärrabbiners und schloss später sein Pharmaziestudium an der Universität Freiburg ab.

Jacques Marx stand der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen fast 40 Jahre lang vor. 
Jacques Marx stand der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen fast 40 Jahre lang vor. © FUNKE Foto Services | Michael Dahlke

Von dort aus führte ihn sein beruflicher Lebensweg als angestellter Apotheker nach Gelsenkirchen, von wo aus er 1967 mit seiner Frau nach Mülheim zog. Hier machte er sich als Apotheker selbständig und übernahm zunächst die Einhorn-Apotheke, ehe er 1976 an der Schloßstraße die Schloss-Apotheke eröffnete.

Jacques Marx gehörte dem Direktorium des Zentralrates der Juden in Deutschland an

Seit 1968 engagierte sich Marx als Mitglied des jüdischen Gemeinderates für Mülheim, Duisburg und Oberhausen. Als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde gehörte er ab 1973 auch dem Landesvorstand der Jüdischen Gemeinden und dem Direktorium des Zentralrates der Juden in Deutschland an.

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Gleichzeitig engagierte er sich als Gründungsmitglied in der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Unter seiner Führung integrierte die Jüdische Gemeinde nach 1990 zahlreiche Neu-Mitglieder aus der ehemaligen Sowjetunion und konnte 1999 im Duisburger Innenhafen ein neues Gemeindezentrum einweihen, das der von 80 auf 3000 angestiegenen Gemeindemitgliederzahl gerecht werden konnte.

Durch ihn wurde Mülheims Synagogenplatz benannt

Außerdem setzte sich Jacques Marx für die Wiederherstellung des 1725 angelegten Jüdischen Friedhofs an der Gracht und für die Umbenennung des Viktoriaplatzes in Synagogenplatz ein, da hier von 1907 bis zur Reichspogromnacht im November 1938 Mülheims Synagoge gestanden hatte.

Jacques Marx wurde 2020 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Mülheim verliehen.
Jacques Marx wurde 2020 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Mülheim verliehen.© FUNKE Foto Services | Michael Dahlke

Nach dem Ende seiner 37-jährigen Amtszeit als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Mülheim-Duisburg-Oberhausen wurde sein Lebenswerk im Dienst des jüdischen Lebens und der Versöhnung mit dem Ehrenring (2010) und der Ehrenbürgerschaft der Stadt Mülheim an der Ruhr (2020) sowie 2011 mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen gewürdigt.

„Mein Vater war ein positiv denkender Mensch, der immer wieder nach vorne geschaut hat, der verzeihen konnte und der immer das Verbindende zwischen den Menschen gesucht hat“, sagt sein Sohn Patrick im Gespräch mit der Lokalredaktion.