• Die Kinderärztin Dr. Ulrike Breckling aus Mülheim engagiert sich im Frühjahr 2026 in Ghana, leistet medizinische Hilfe in Armenvierteln.
  • Die Universal Wonderful Street Academy, gegründet von Louis Wonder Doe, bietet in dem westafrikanischen Land Bildung und Unterstützung für bedürftige Kinder.
  • Für die Untersuchungsaktion werden noch freiwillige Helfer gesucht sowie Spender von Medikamenten, Hilfsmitteln und Geld.

Etliche Kinder in Mülheim wachsen in Armut auf. Das ist hart, keine Frage, doch zumindest werden die allermeisten von ihnen regelmäßig medizinisch versorgt, unter anderem von Kinderärztin Dr. Ulrike Breckling. In anderen Teilen der Welt ist eine solche Versorgung keine Selbstverständlichkeit. Viele Jungen und Mädchen sehen niemals einen Arzt oder eine Ärztin. So auch in weiten Teilen Westafrikas. Um Kindern in Armenvierteln Ghanas zur Seite zu stehen, tauscht die 56-Jährige im kommenden Frühjahr für zwei Wochen ihre Praxisräume in der Innenstadt mit einfach eingerichteten Untersuchungsstationen in Accra und Old Ningo.

Über zwei ihrer kleinen Patienten, Benjamin und Moses, hat Breckling den Kontakt zur „Universal Wonderful Street Academy“ erhalten, einer Nichtregierungsorganisation in Ghana, die zwei Schulen für besonders Bedürftige betreibt, die Kindern zu Bildung, warmen Mahlzeiten, Kleidung und einem Dach über dem Kopf verhilft. Der Vater dieser beiden Jungen heißt Louis Wonder Doe und hat das ghanaische Hilfswerk 2011 gegründet. Er selbst wuchs unter extrem schwierigen Umständen auf, entkam der Armut aber schließlich durch seinen Erfolg als Musiker und Trommelbauer. Eines Tages kreuzte eine Mülheimerin seinen Weg, die Krankenschwester Judith Vetter. 2018 heiratete das Paar - bald darauf kamen Benjamin und Moses zur Welt.

Mülheimer Ärztin: „Für mich war sofort klar: Da mache ich mit“

Breckling untersucht die Brüder regelmäßig. Sobald die Familie auf Heimatbesuch in Mülheim ist, kommen sie in der Praxis an der Delle vorbei. An Weihnachten 2024 entspann sich dort ein längeres Gespräch mit Mutter Judith: Die Ärztin erfuhr von der Academy, von der täglichen Arbeit vor Ort. Und von der Untersuchungsaktion mit medizinischen Helfern aus Deutschland, die an Ostern 2026 bereits zum fünften Mal durchgeführt wird. „Für mich war sofort klar: Da mache ich mit“, sagt Breckling. Ein Einsatz für die Ärmsten der Armen sei in vielerlei Hinsicht sinnvoll, „auch um das eigene Leben mal zu überdenken und eigene Ansprüche in Relation zu setzen“. Die Hilfe, so ist die Medizinerin sicher, kommt dort an, wo sie wirklich gebraucht wird.

Mülheimer Kinderärztin Dr. Ulrike Breckling
Die Untersuchungsaktion in Ghana wird initiiert von der „Universal Wonderful Street Academy“. Die Mülheimer Kinderärztin Ulrike Breckling - hier mit Infomaterial der Hilfsorganisation - wird erstmals dabei sein und hofft noch auf Spenden.© FUNKE Foto Services | Michael Dahlke

Ein Team aus medizinischen Experten, darunter auch Physiotherapeutin Britta Kremer aus Mülheim, macht bei der je dreitägigen Untersuchungsaktion in Ghanas Hauptstadt Accra sowie dem Örtchen Old Ningo mit. „Jede Hand ist willkommen, wir suchen auch weiterhin noch nach freiwilligen Helfern“, sagt Breckling. Allein in Accra werden 130 Schulkinder aus der Academy behandelt, zudem Familienangehörige und andere Menschen aus dem stark benachteiligen Stadtteil, in dem die Schule liegt. „Es wird anstrengend“, ahnt die Medizinerin. Und so gebe es nach dem ersten Einsatz eine dreitägige Pause, „um sich zu erholen und um die Krankenstation in Old Ningo aufzubauen“. Dort werden dann weitere 200 Kinder und etliche Dorfbewohner untersucht.

Viele medizinische Besonderheiten: „Ich bilde mich gerade intensiv weiter“

Tropenkrankheiten, Unterernährung, Parasiten, chronische Entzündungen unbekannten Ursprungs: Die Mülheimerin wird an der westafrikanischen Küste mit Diagnosen konfrontiert sein, die sie aus dem Alltag nicht kennt, und anders als sonst auch Erwachsene behandeln. Ein Dolmetscher wird helfen - „viele Patienten sprechen kaum Englisch“ - und doch bleibe es eine Herausforderung. „Ich bilde mich deshalb gerade intensiv weiter.“ Manche Medikamente, die in Deutschland helfen, würden in Afrika nicht wirken. Man nehme zwar Arznei mit, müsse deshalb aber auch vor Ort Medizin einkaufen. „Gerade Antibiotika sind wichtig.“

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Breckling hofft nun auf Unterstützung von möglichst vielen Menschen in Mülheim und Umgebung, setzt auch auf milde Gaben von Kliniken, Apotheken, Sanitätshäusern. Um bestmöglich helfen zu können, brauche man „sicher noch 10.000 Euro sowie Hilfsmittel aller Art“: nicht mehr benötigte Medikamente aus Privatbesitz, Brillen, Rollstühle, Orthesen, Hygieneartikel und anderes. Per Schiffscontainer schicke man diese Artikel im Winter nach Ghana. „Den Flug und die Unterkunft vor Ort zahlt natürlich jeder von uns selbst.“ Für Breckling ist all das ohne Zweifel eine lohnenswerte Sache: „Ich kann endlich etwas zurückzugeben von dem Glück, das mir in meinem Leben widerfahren ist.“

Weitere Information über das Hilfsprojekt von Louis Wonder Doe und Judith Doe gibt es auf fuwsa.de. Spenden sind möglich über den Förderverein der UWSA, IBAN DE66 8306 5408 0004 0466 68, BIC GENODEF1SLR. Wer Sachspenden leisten möchte, erhält bei Astrid Eßer unter 0151-55587590 weitere Informationen.