Der Betrag von 2,55 Euro für Diesel leuchtet Besuchern der Shell-Tankstelle an der Römerstraße um 13.30 Uhr am Montagnachmittag entgegen, der Liter Super E10 kostet 2,40 Euro. Durch die anhaltenden Unsicherheiten im Nahen Osten sind die Spritpreise erneut nach oben geschossen. Was bedeutet das konkret für den Alltag? Unsere Redaktion hat sich auf der Steinstraße in Moers umgehört.

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Harald aus Moers spürt den Preisanstieg merklich im Portemonnaie und fährt mittlerweile öfter mit dem Rad als früher. „Oder man läuft, wenn es möglich ist.“ Doch das geht nicht immer: „Teilweise kann man auf das Auto nicht verzichten“, sagt Annabelle aus Orsoy frustriert. Innerorts fahre sie schon zwischendurch Fahrrad, zur Arbeit sei es allerdings schwierig. „Da muss auch erstmal das Wetter mitspielen.“
Pendler kritisieren ÖPNV: Öffentlicher Nahverkehr zu schlecht ausgebaut
Freundin Hannah wohnt in Neukirchen-Vluyn und pendelt für die Arbeit nach Duisburg. Ein Umstieg auf den ÖPNV komme dafür nicht infrage. „Wir haben ja nicht mal einen Bahnhof“, sagt die 32‑Jährige. Der Nahverkehr sei insgesamt nicht pendlerfreundlich und müsse ausgebaut werden. „Ich wäre von meiner Haustür bis zu meiner Arbeit eineinhalb Stunden unterwegs“, überlegt Hannah. „Pro Strecke.“ Baustellen und entsprechende Umleitungen des öffentlichen Nahverkehrs trügen ihr Übliches zur suboptimalen Situation bei. „Nicht positiv“, ist ihr Fazit zu der Spritpreisentwicklung. „Man wird gezwungen, mehr zu zahlen.“
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Karl-Heinz Zimmermann ist aus Essen zu Besuch und sieht sich selbst als nicht allzu betroffen von den horrenden Preisen. „Seit ich Rentner bin, tanke ich alle sechs bis acht Wochen mal voll. Das reicht.“ Auch Ingeborg Corvino schiebt ihr Fahrrad entspannt über die Einkaufsstraße und sieht die Situation rund um die Spritpreise vergleichsweise gelassen. „Ich fahre sowieso sehr selten Auto“, erzählt die Moerserin, die meist zu Fuß oder auf dem Rad unterwegs ist. Was ihr hingegen Sorgen bereite, sei die Heizkostenabrechnung im nächsten Jahr. „Das wird richtig lustig“, sagt sie im ironischen Tonfall und schiebt ihr Rad weiter in Richtung Königlicher Hof.
Spritpreise werden als ungerechtfertigt empfunden: „Viel zu viele Abgaben an den Staat“
Auch die in Alpen wohnhafte Jenny ist auf ihr Auto angewiesen. „Um zur Arbeit zu kommen, muss ich Auto fahren“, erzählt die alleinerziehende Mutter. Alpen sei ländlich, die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht. Knapp 80 Kilometer betrage ihr Arbeitsweg insgesamt. Mittlerweile übe sie aufgrund der insgesamt gestiegenen Preise neben ihrem regulären Vollzeitjob einen Zweitjob aus. Die Spritpreise treffen sie dabei besonders hart. „Mittlerweile zahle ich 300 Euro im Monat – nur für Sprit.“
Christian aus Krefeld hat keinen Führerschein. Dennoch stimmt er seinem Arbeitskollegen Marco vollkommen zu, dass es „viel zu viele Abgaben an den Staat“ gebe. Beide sind im Energiesektor tätig. Studien würden belegen, dass das Verhältnis von Ein- und Verkauf in Deutschland nicht stimme. Ein kurzer Blick nach Osten sei aufschlussreich, erklärt Marco. Mit 1,30 Euro sei der Literpreis für Diesel hinter der polnischen Grenze einen knappen Euro günstiger als in Deutschland – trotz eines ähnlichen Beschaffungspreises. Er selbst sei kein Vielfahrer, überlege sich mittlerweile dennoch zweimal, ob er für Wege nicht doch auf das Auto verzichten könne. „Seitdem die Spritpreise so gestiegen sind, fahre ich viel weniger.“ Im Jahr sei er früher rund 15.000 bis 17.000 Kilometer gefahren – in diesem Jahr seien es bisher 8.000.
E-Autos und Hybridautos: Alternativen für Verbrenner?
Das Thema E-Autos sehen beide kritisch. Insbesondere für Lkws gebe es zu wenig öffentliche Ladesäulen und insgesamt müsse man sich fragen, wo der Strom herkomme. „Bei uns wurden die Atomkraftwerke abgestellt, nur um Kernkraft aus Frankreich einzukaufen.“
Firat fährt einen Hybridwagen und ist damit zufrieden. „Da wechsel ich dann immer“, erzählt der 24-jährige Moerser. Auf der Autobahn schalte er auf Sprit, innerorts fahre er elektrisch. „Ich achte da jetzt schon mehr drauf als früher.“ Lilia und Daniel aus Neukirchen-Vluyn merken die erhöhten Spritpreise vorwiegend beim Volltanken. „Am Ende des Monats ist es okay“, resümiert Daniel. Während Anwohner erzählen, wie sich die Spritpreise auf das eigene Leben auswirken, läuft ein Passant vorbei und ruft „katastrophal“. Das Thema Spritpreise sei einfach nur schlimm, fügt er hinzu und läuft weiter.
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Die 31-jährige Isabelle läuft ohnehin zur Arbeit. Kleine Einkäufe erledigt sie mittlerweile allerdings auch mal zu Fuß auf dem Rückweg von der Arbeit, um das Auto nicht extra anzuschmeißen. „Großeinkäufe mache ich aber mit dem Auto.“ Isabelles Arbeitskollegin Betty fährt aufgrund der erhöhten Preise mehr Fahrrad. „Und ich plane meine Strecken klüger.“ Der Umgang mit den erhöhten Preisen ist bei allen unterschiedlich. Dass diese zu hoch sind und dringend eine Lösung gefunden werden muss, darin sind sich aber alle einig.




