Der Schock nach dem verheerenden Brand sitzt noch immer tief. Täglich denkt Familie Aygün an die Nacht zum 18. Juni, als ein Feuer von einem Sperrmüllhaufen auf ihre Hausfassade an der Lotharstraße in Moers übergriff und große Schäden in der Stadtschänke hinterließ (wir berichteten). Wie die Kultkneipe im Erdgeschoss sind auch zwei Wohnungen darüber einen guten Monat später noch nicht nutzbar. Klar ist: Die bahnhofsnahe Gaststätte, der man die Folgen von Flammen und Rauch im Inneren deutlich ansieht, muss kernsaniert werden. Und Termine bei Fachfirmen sind ein rares Gut. Doch Familie Aygün zeigt sich kämpferisch: „Wir machen auf jeden Fall weiter. So schnell wie möglich!“ Ende August wolle man erste Gäste wieder bewirten, auch wenn die Arbeiten bis dahin wohl längst nicht abgeschlossen sein werden.
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Seit rund 30 Jahren ist die Kneipe in Familienbesitz. Fast genauso lange ist sie ein Pilgerort für die hiesige Darts-Szene. Bis zuletzt nannten 14 Mannschaften die Stadtschänke ihre Heimspielstätte. Sogar noch zwei Stunden vor dem Brand flogen bei einer Trainingssession die Pfeile. An diesem Mittwochabend im Juni trat auch Benjamin Borgards ans Oche. „Wir haben sogar noch über den Sperrmüll am Haus geredet und gesagt, das ist unverantwortlich“, erinnert sich der 25-Jährige.
Sportler zeigen Solidarität und bieten Hilfe nach Feuer in Moerser Stadtschänke an
Als am nächsten Morgen die Nachricht über das Feuer kursiert, macht sich Fassungslosigkeit in der WhatsApp-Gruppe seiner Mannschaft „Crazy Beer Bears“ breit. Schließlich hängen die Sportler an ihrer Stammkneipe. Sie schätzen das Familiäre, selbst für Auswärtsspieler sei das Lokal über die Jahre zu einer Wohlfühl-Adresse geworden. „Wir haben sofort gesagt, dass wir helfen wollen, wo wir können.“

Gesagt, getan. Gemeinsam mit der Mannschaft „Team Pillepop“ und dem „DC Knapp Daneben“ haben Borgards und seine „Crazy Beer Bears“ ein Benefizturnier organisiert. Am Freitag, 17. Juli, sollen ab 18 Uhr möglichst viele Spenden für den Wiederaufbau gesammelt werden. Gespielt wird vor allem für den Spaß, die Teilnahme (pro Spieler: 10 Euro) ist für alle Interessierten möglich. Neben den Startgeldern sollen alle Umsätze durch den Verkauf der Speisen vom Grill sowie ein Teil der Getränkeeinnahmen gespendet werden. „Wir wollen keinen Cent daran verdienen“, stellt der Kamp-Lintforter klar. „Wir wollen einfach nur so schnell wie möglich wieder zu Hause spielen können.“
Anmeldung zum Benefizturnier
Wer an dem Benefizturnier im New Collosseum in Wesel (17. Juli, ab 18 Uhr) teilnehmen möchte, kann sich online unter www.2k-dart-software.com als Spielerin oder Spieler anmelden. Wer die Stadtschänke unterstützen möchte, ohne selbst Pfeile zu werfen, ist auch als Zuschauer vor Ort willkommen. Und wer es nicht bis nach Wesel schafft, kann die Betreiber der vom Brand beschädigten Gaststätte über die Plattform GoFundMe unter dem Link www.gofund.me/00367a717 finanziell unterstützen. „Jeder Euro hilft dabei, die finanziellen Folgen der Schließung abzufedern und den Weg zurück zur Wiedereröffnung zu erleichtern“, heißt es in dem Spendenaufruf.
Nach Kneipenbrand in Moers: Betreiber kämpferisch – „Wir werden es schaffen“
Austragungsort des Dartsturniers für den guten Zweck ist das New Collosseum am Südring 1 in Wesel, das einige der Spielerinnen und Spieler aus Moers, Kamp-Lintfort, Neukirchen-Vluyn oder Duisburg für die kommende Saison aufnimmt. Eine Ausweichheimspielstätte zu finden, sei übrigens gar nicht so einfach gewesen. Als klar wurde, dass die Stadtschänke bis zum Meldebeginn für den Ligabetrieb nicht fertig sein würde, standen die Teams vor unsicherer Zukunft. „Gaststätten sind hier sowieso rar oder sie sind schon voll“, berichtet Benjamin Bongards. Dass seine Mannschaft in Wesel eine Übergangsheimat findet, sei trotz der Fahrerei ein Glücksfall.
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Und auch Familie Aygün zeigt sich dankbar gegenüber allen Kollegen, die ihre Dartsteams für die kommende Ligasaison beherbergen. Ebenso groß ist ihr Dank für die Ausrichtung des Turniers. Mit Blick auf das Maß der Zerstörung, das sich nach dem Feuer an der Ecke Lotharstraße/Kirschenallee zeigt, sei jede Unterstützung willkommen. Die Schadenshöhe beläuft sich nach eigenen Angaben auf bis zu 350.000 Euro. Die Wohnungen über der Kneipe sind zurzeit unbewohnbar, deren Mieter seien vorübergehend in einem für die Unterbringung von Asylbewerbern vorgesehenen Container untergekommen, berichtet der Vater des Wirts. Auch für sie wünscht sich die Familie, dass nach der Sanierung schnell wieder Leben in das Objekt einziehen kann: „Es wird viel Arbeit. Aber wir werden es schaffen.“



