Im vergangenen Jahr wollten über 200 Neugierige an einem Sonntag den Garten von Martina Tromsdorf und Klaus Hücklekemkes an der Bertastraße in Kamp-Lintfort sehen. „Das war wirklich toll, aber auch anstrengend - abends waren wir echt platt“, erinnert sich Martina Tromsdorf und lacht. Weil das Paar es trotzdem als bereichernd empfindet, sich mit interessierten Hobbygärtnern auszutauschen, sind die beiden Kamp-Lintforter auch in diesem Jahr wieder dabei, wenn sich am 13. und 14. Juni verteilt über das gesamte Stadtgebiet 14 überwiegend private Gärten für Besucher öffnen.

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Eines vorweg: Ein Besuch in dem 936 Quadratmeter großen Garten in der Beamtensiedlung ist auch in diesem Jahr unbedingt zu empfehlen. Auf der Terrasse vor dem einem englischen Pub nachempfundenen Outdoor-Wohnzimmer inmitten des Grüns ist eine Sitzgruppe platziert. Von hier aus hat man nicht nur die über 100 Jahre alte mächtige Chilenische Andentanne im Blick, sondern auch die Boulebahn, den kleinen Bachlauf und das Blühbeet mit Hummelhaus und Maulbeerbaum.

Kamp-Lintforter Gärten 2026: Harte Arbeit und Liebe zum Detail

Grüne Überraschungen gibt es auch neben und hinter dem Gartenhaus: Hier stehen Hochbeete mit Mangold, Fenchel, Kohlrabi und mehr, im kleinen Gewächshaus finden sich zum Beispiel Tomaten und Salat. Weiter vorne säumen Erdbeeren den in einen Kübel gepflanzten Olivenbaum. Kaum zu glauben, dass dieser Garten noch vor sechs Jahren von moosigem Grün, Hecken und der großen Andentanne dominiert war. „Hier war eine grüne Wüste“, bekräftigt Martina Tromsdorf.

Ein Ort der Kommunikation im Garten: Die Boulebahn.
Ein Ort der Kommunikation im Garten: Die Boulebahn. © FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Dass die grüne Wüste erst so spät erblühte, hat ganz wesentlich damit zu tun, dass die gebürtige Rheinländerin aus beruflichen Gründen erst viele Jahre in London und dann in Zürich gelebt hat. „Wir haben zwölf Jahre lang eine Fernbeziehung geführt. In der Pandemie bin ich dann hier mit meinem Home Office gestrandet“, erzählt die 61-Jährige. Gemeinsam nutzten sie die Coronazeit, um den Garten völlig neu zu gestalten.

„Ich hatte die Ideen, mein Mann hat sie umgesetzt“, so Martina Tromsdorf zur Rollenverteilung im Garten. „Hier steckt viel harte Arbeit und viel Liebe zum Detail drin. Ich bin geprägt vom Stil englischer Gärten - aufgeräumt, aber chaotisch. Es muss bunt sein, aber geordnet.“ Die Boulebahn war für Klaus Hücklekemkes ein Muss im Garten. Der ehemalige Verfahrensingenieur bei Solvay hat früher in der Nordrhein-Westfalenliga gespielt und betreut heute unter anderem eine Boule-Gruppe beim Lintforter Turnverein.

Offene Gärten in Kamp-Lintfort: Ohne Chemie und Kunstdünger

Wichtig ist den beiden, ausschließlich naturnah zu gärtnern - ohne Chemie und künstliche Dünger. Das wissen offensichtlich auch die tierischen Gartenbewohner zu schätzen. Neben einer Vielzahl an Insekten haben hier auch Eichhörnchen, Fledermäuse und Frösche ein Zuhause. Zusätzlich kümmern sich die beiden um die Aufzucht von Igeln und arbeiten mit dem Igelnest Niederrhein zusammen. „Wir füttern die Igel und wildern sie dann aus“, erläutert Martina Tromsdorf.

Im Rosengarten plätschert ein Springbrunnen.
Im Rosengarten plätschert ein Springbrunnen. © FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Für das Orga-Team um Angelika Sturmeit und Sylvia und Armin Joos vom Förderverein Landesgartenschau ist es mittlerweile die elfte Auflage der Kamp-Lintforter Gärten, so der offizielle Titel des Events. Immer wieder gelingt es ihnen seitdem, neue Gartenbesitzer zu finden, die bereit sind, ihre grünen Oasen für interessierte Gartenliebhaber zu öffnen.

So ist es zum Beispiel in diesem Jahr möglich, einen Blick in den 1.200 Quadratmeter großen ländlichen Wohngarten der Landschaftsarchitekten Johannes Reinders und Henrike Scriverius auf der Mühlenstraße zu werfen. Andrea und Eckhard Niederprüm zeigen in ihrem 100 Quadratmeter großen Garten auf der Franzstraße, wie man einen Garten gänzlich ohne Rasen gestalten kann.

Vom Kräutergarten Kloster Kamp bis zum Bergmannsgarten

Zu besichtigen sind aber auch der Kräutergarten Kloster Kamp, der Weinberg am Kloster Kamp oder der historische Bergmannsgarten der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition in der Altsiedlung. Genauso wie der wohl größte Kamp-Lintforter Garten - den 17.000 Quadratmeter großen Klimagarten von Sylvia und Armin Joos an der Dorfstraße in Hoerstgen. Alle Gärten mit den jeweiligen Besichtigungstagen - nicht alle sind an beiden Tagen geöffnet - findet man auf einem Flyer, der online über die Homepage des Fördervereins Landesgartenschau 2020 abrufbar ist und in den üblichen öffentlichen Einrichtungen der Stadt Kamp-Lintfort ausliegt.

So sind die Gärten zu finden

Die Kamp-Lintforter Gärten 2026 öffnen am 13. und 14. Juni von 11 bis 17 Uhr. Manche der Gärten sind an beiden Tagen geöffnet, andere nur samstags und sonntags. Deshalb ist ein Blick in den Flyer dringend erforderlich, der online unter www.foerderverein-laga2020.de zu finden ist. Hier findet man alle Gärten mit Adressen und Öffnungszeiten ebenso wie eine Übersichtskarte.

In Arbeit ist aktuell auch noch eine Fahrradroute, auf der man die 14 über das Stadtgebiet verteilten Gärten abfahren kann. In diesem Jahr werden die Kamp-Lintforter Gärten zusammen mit der IGA 2027 unter dem Motto „Offene Gartenpforte Ruhrgebiet“ geöffnet sein. Die Zusammenarbeit mit der IGA wird sich auch im nächsten Jahr fortsetzen.

Was den Erfolg der offenen Gärten in Kamp-Lintfort ausmacht? „Das ist reiner Voyeurismus“, sagt Angelika Sturmeit und lacht, „ich bin genauso.“ Interessant sei für viele aber sicher auch, wie unterschiedlich Gärten als Wohlfühloasen sein können. Und natürlich, wissen Martina Tromsdorf und Klaus Hücklekemkes aus dem vergangenen Jahr, schätzen viele Besucher auch den Austausch und die Gärtnertipps.

Ihr Garten sei für sie Rückzugsort und Ruheoase, sagt Martina Tromsdorf. „Für mich bedeutet er Erholung, aber gleichzeitig auch Kommunikation“, ergänzt Klaus Hücklekemkes und deutet auf die Boulebahn. Nicht nur die lässt regelmäßig Menschen in dem Garten an der Franzstraße zusammenkommen: „Wir freuen uns auch schon auf die WM. Dann machen wir hier wieder Public Viewing mit Freunden.“ Viel geredet wird wohl auch wieder am Sonntag, 14. Juni, von 11 bis 17 Uhr, wenn die beiden Kamp-Lintforter ihren Garten für Besucher öffnen.