Hochbetrieb im Olymp-Grill auf der Bahnhofstraße um 11 Uhr morgens? Wenn die einen ihr Frühstück beendet haben, es aber noch ein bisschen früh für Pommes, Currywurst oder Gyros ist? Die Lösung: Die vielen Gäste waren nicht in erster Linie am Imbiss interessiert, sondern an einer Ausbildung. Agentur für Arbeit und Jobcenter hatten unter der Überschrift „Pommes und Perspektiven“ zum Azubi-Speeddating geladen.

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Die Ausbildungsbilanzen in Herne waren in den vergangenen Jahren durchaus positiv: Im vergangenen Jahr war die Stadt so etwas wie der „Azubi-Hotspot“. Entgegen dem Landestrend war 2025 die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen um 14,1 Prozent gestiegen, bereits 2023 und 2024 hatten Unternehmen eine steigende Zahl an Lehrstellen angeboten. „Keine andere Stadt hat derart hohe Steigerungsraten wie Herne“, kommentierte die Arbeitsagentur vor Jahresfrist die Entwicklung. Doch die hat durch die allgemeine wirtschaftliche Flaute eine sichtbare Delle bekommen. Im August meldete die Agentur, dass Herner Firmen bis zu diesem Zeitpunkt 779 Ausbildungsstellen gemeldet hätten - 307 weniger als im Jahr zuvor. Parallel drückt das Problem der Jugendarbeitslosigkeit. Im September waren laut Statistik in Herne 1094 Menschen unter 25 Jahren ohne Beschäftigung.

Am Montag bekamen etwa ein halbes Dutzend Unternehmen und rund 120 junge Menschen die Gelegenheit, beim Azubi-Speeddating zueinander zu finden - Pommes-Gutschein inklusive. Die Idee des ungewöhnlichen Veranstaltungsortes wurde bereits vor einiger Zeit entwickelt.

Kennenlernen auf Augenhöhe: Imbiss statt Dienststelle

Ziel sei es, gerade die Jugendlichen an einem Ort zu erreichen, der nahbar und typisch Ruhrgebiet ist, so Christopher Meier, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit. So sei „Pommes und Perspektiven“ entstanden. „Wir wollten etwas machen, mit dem keiner rechnet und was bei den Jugendlichen für Aufmerksamkeit sorgt. Wir wollten keine Dienststelle, sondern einen Ort auf Augenhöhe“, so Meier. Das Speeddating richte sich auch an jene Bewerber, die angesichts ihrer Zeugnisse für Arbeitgeber auf den ersten Blick nicht interessant seien - aber vielleicht auf den zweiten. „In jedem Jugendlichen steckt Potenzial. Es gibt die Praxisperlen“, so Meier.

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Prof. Birgit Apitzsch vom Lehrstuhl für Arbeit, Wirtschaft und Wohlfahrt an der Ruhr-Universität Bochum unterfütterte den Ansatz der Agentur aus wissenschaftlicher Sicht und verdeutlichte die Notwendigkeit von Ausbildung: Es müsse neue Formate geben, um junge Menschen und Unternehmen zusammenzubringen. Wenn Ausbildungsplätze unbesetzt blieben, sei das folgenreich für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt, denn ein Ausbildungsplatz als Eintritt in den Arbeitsmarkt sei ganz entscheidend für die späteren Einkommenschancen.

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In Herne gehen bis 2033 rund 10.000 Arbeitskräfte in den Ruhestand

Die wirtschaftliche Krise spiegele sich im Ausbildungsmarkt wider, doch der Fachkräftemangel, den es in einigen Branchen bereits gebe, werde sich in den kommenden Jahren noch verschärfen. Immer mehr Babyboomer würden in den Ruhestand treten - diese Stellen müssten neu besetzt werden. Nach zurückhaltenden Schätzungen würden bis 2029 rund 500.000 Fachkräfte bundesweit fehlen. Bis 2033 würden sich in Herne rund 10.000 Arbeitskräfte in den Ruhestand verabschieden.

Zwar verändere sich der Arbeitsmarkt - Stichwort: Künstliche Intelligenz -, doch Schätzungen gingen davon aus, dass der Fachkräftemangel nicht verschwinden werde. „Der Mechatroniker wird auch in Zukunft gebraucht.“ Es gebe zahlreiche Mangelberufe auch in den kommenden Jahren.

Agentur-Chef Christopher Meier ist fest überzeugt: „Wir brauchen jeden einzelnen Jugendlichen.“