Derzeit lässt sich am Abtskücher Teich wieder ein interessantes Naturschauspiel beobachten: Zahlreiche Raupen der Gespinstmotte haben mehrere Frühe Traubenkirschen besiedelt und nahezu vollständig entlaubt, so wird es auf der Homepage der Stadt Heiligenhaus mitgeteilt. Nach dem Laubfraß wandern die Raupen zur Verpuppung weiter. Aus ihnen entwickeln sich später kleine, auffällig gezeichnete Falter, die auch als Harlekinmotten bekannt sind. Die verschiedenen Arten der Gespinstmotten sind meist auf bestimmte Pflanzen spezialisiert. In diesem Fall waren ausschließlich frühe Traubenkirschen betroffen, andere Baumarten blieben unbeeinträchtigt.

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Für Menschen und Tiere sind die Raupen ungefährlich. In Jahren mit günstigen Bedingungen treten sie verstärkt auf und gehören zum natürlichen Ökosystem. Die späteren Falter dienen unter anderem Fledermäusen als wichtige Nahrungsquelle.
Gespinstmotten breiten sich erneut am Stauteich aus
Schon im vergangenen Jahr berichteten wir über die Gespinstmotten am Heiligenhauser Stauteich, aus aktuellem Anlass veröffentlichen wird den Artikel, der zuerst am 23. Mai 2025, erschienen ist, erneut.

Es ist ruhig am Abtskücher Teich. Nebel löst sich über dem Gewässer auf und verfängt sich in den dichten Spinnenweben an den Bäumen. Es wirkt ein wenig wie das Szenario eines Gruselfilms. Doch es steigt kein fauchendes Seemonster aus dem Teich, ebenso wenig lauert eine Horde Zombies oder blutrünstiger Vampire hinter den Bäumen. Und genauso wenig verstecken sich in den dichten Gespinsten an den Bäumen Eichenprozessionsspinner.
Gruselkulisse an Heiligenhauser Stauteich
Vor einem Besuch an der Abtsküche wurde eben genau wegen dieser Tiere vor einigen Tagen in den sozialen Medien gewarnt. Dort hieß es, die Eichenprozessionsspinner hätten alle Bäume befallen. Und ja, gerade an dem gepflasterten Teil des Rundweges um den Stauteich, hängen überall gruselig wirkende Gespinste in den Büschen und Bäumen. Um Nester des Eichenprozessionsspinners, durch den durchaus eine Gefahr für den Menschen ausgeht, handelt es sich aber nicht.
Und doch sind es Raupen, die sich in den gruselig anmutenden Gespinsten verbergen. Allerdings handelt es sich um Gespinstmotten. Silke Thus, die Stadtbeauftragte des NABU Heiligenhaus weiß: „Die sind jedes Jahr dort“, und sie beruhigt ebenfalls: „Von ihnen geht keine Gefahr aus“. Sie selbst „stand vor Jahren auch davor und habe dann unseren Förster Hannes Johannsen gefragt, was es damit auf sich hat“. Er erklärte ihr, dass es sich um Gespinstmotten handele.
Ideale Voraussetzungen für die Entwicklung der Gespinstmotten gibt es auch in diesem Jahr. Ein milder Winter, ein warmes und trockenes Frühjahr. Die Raupen überwintern mit einer Größe von etwa einem Millimeter an den Zweigen. Sobald die Bäume oder Sträuche ihre Blätter entfalten, bauen die Larven der Gespinstmotte ihre Nester und fressen die darunter liegenden Blätter. Bis Ende Mai oder Anfang Juni sind dann befallene Pflanzen teilweise komplett mit den Gespinsten überzogen und sorgen eben für den gruseligen Anblick wie derzeit einige Bäume und Sträucher am Abtskücher Stauteich. Im Juni verpuppen sich die Raupen und im Juli schlüpfen dann die Falter. Unter anderem befallen sie eben auch Weiden, wie sie am Heiligenhauser Teich zu finden sind. Zu erkennen sind die ausgewachsenen Gespinstmottenraupen an einer hellgelben bis graubraunen Färbung mit dunklen Punkten und einem schwarzen Kopf. Besonders aber haben sie, im Gegensatz zu den Eichenprozessionsspinnern, keine Brennhaare, die für den Menschen gefährlich sein können.
Stadt Heiligenhaus nimmt jede Meldung ernst
Silke Thun rät dennoch: „Wer sich unsicher ist, ob es sich um die Gespinstmotte oder den Eichenprozessionsspinner handelt, der ruft am besten beim Ordnungsamt an“, denn das ist dafür verantwortlich, Bereiche, die der Eichenprozessionsspinner befallen hat, abzusperren. Ab dem dritten Larvenstadium, das kann je nach Wetterlage bereits ab Ende April/Anfang Mai geschehen, bilden die Raupen die für einige Menschen gesundheitsgefährdenden Brennhaare. So erkennt man die Larven: Anfänglich sind sie braun-gelblich, in späteren Stadien haben sie außerdem einen breiten dunklen Streifen auf dem Rücken.

„Es häufen sich wieder Meldungen“
Der Stadtförster weiß, „es häufen sich jetzt bei uns wieder die Meldungen“, und „in den allermeisten Fällen handelt es sich um die Gespinstmotte und nicht den Eichenprozessionsspinner“. Der im Übrigen, so erklärt er „auch nur für 0,02 Prozent der Menschen wirklich gesundheitsschädlich ist, wenn sie eben allergisch sind“.
Und da die Raupe ihrem Namen alle Ehre macht, ist sie tatsächlich nur an Eichen zu finden, von denen es am Abtskücher Teich recht wenige gibt. Dass es dort eine Plage gäbe, ist ihm nicht bekannt. „Und wenn sitzen sie mit ihren dreieinhalb Nestern weit oben in den Kronen“, da würden sie niemandem gefährlich werden. Zu erkennen sind die Nester der gefürchteten Raupe daran, dass sie lediglich handtellergroß seien.
Eine besondere Motte
Konkret treibt am Teich gerade die Traubenkirchengespenst-Motte ihr Unwesen und „ja, sieht aus wie im Dracula-Film, ist aber nicht gefährlich“, fasst Hannes Johannsen zusammen. Dass der Eichenprozessionsspinner ein riesiges Thema ist, erfährt der Förster seit einigen Jahren. „Früher war es der böse Wolf. Die Menschen zogen in die Stadt und entfremdeten sich von der Natur“, erläutert er. Etwas, das nun wieder zu beobachten sei, „die Menschen haben Angst, weil sie sich nicht auskennen, der Eichenprozessionsspinner ist quasi der Wolf in modern“.
Dennoch nimmt die Stadt jede Meldung von Bürgern ernst. „Im Wald kümmere ich mich drum, in der Stadt meine Kollegen“, erläutert der Heiligenhauser Förster. Doch das Aufkommen der Eichenprozessionsspinner in Heiligenhaus sei gering. „Auf Schulhöfen und Wegen zu Schulen und Kitas haben wir die Bäume vorbehandelt“, damit die Spinner nicht zur Gefahr werden können.





