Auf den ersten Blick läuft der Betrieb an der Dechenstraße in Gladbeck-Zweckel, als wäre nichts geschehen. Am Tor an der Arenbergstraße parkt ein Tanklastzug, auf dem Werksgelände rangieren Lkw, zwei Mitarbeiter radeln über das weitläufige Gelände. Ein ganz normaler Tag bei Ineos Phenol in Gladbeck, sollte man meinen. Wäre da nicht die Schocknachricht, die die Konzernspitze vor wenigen Tagen öffentlich gemacht hat: Ende 2027 soll der Standort Gladbeck für immer geschlossen werden.
Lehmann: Standortentscheidung für Antwerpen und gegen Gladbeck nicht nachvollziehbar
Auf die Absicht des Chemiekonzerns reagiert auch die Gladbecker Lokalpolitik. Nach der SPD melden sich jetzt auch die Grünen zu Wort. Das Aus für das Werk in Gladbeck-Zweckel, so Fraktionsvorsitzender Bernd Lehmann, gefährde nicht nur 279 Arbeitsplätze, „sondern stellt auch einen erheblichen Einschnitt für die industrielle Struktur der gesamten Emscher-Lippe-Region dar“.
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„Die Standortentscheidung für Antwerpen und gegen Gladbeck ist für uns nicht nachvollziehbar, insbesondere angesichts der Investitionen, die zuletzt in den Standort geflossen sind“, so Lehmann weiter. Seine Forderung: Stadt und Land müssten gemeinsam auf Ineos zugehen und alle Möglichkeiten prüfen, wie diese Entscheidung noch revidiert werden kann.
Interessen der Beschäftigten von Ineos Phenol müssen oberste Priorität haben
Darüber hinaus wünschten sich die Gladbecker Grünen von Ineos einen transparenten Dialog mit allen Beteiligten und die Offenlegung der Entscheidungsgründe. Klar sei aber auch, dass „die Interessen der Beschäftigten und ihrer Familien in dieser schwierigen Situation oberste Priorität haben“ müssen.
Wir stehen solidarisch an der Seite der Beschäftigten und unterstützen den Betriebsrat in seiner Forderung nach einer Überprüfung der Standortentscheidung
Jan Matzoll, Landtagsabgeordneter der Grünen
Die Grünen sehen in der angekündigten Schließung zudem auch ein strukturelles Problem. „Die Zukunft des Phenol-Standortes in Gladbeck und die Zukunft der Chemie-Kompetenz der Emscher-Lippe-Region werden wir auch auf Landesebene thematisieren“, betont Jan Matzoll, Landtagsabgeordneter der Grünen und Sprecher im Landtagsausschuss für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie.
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Abhängigkeit von Importen reduzieren
Die aktuelle Situation mache erneut sehr deutlich, dass heimische Standorte gesichert werden müssen, auch um Abhängigkeiten von Importen zu reduzieren. Matzoll: „Dafür setzen wir uns ein. Wir stehen solidarisch an der Seite der Beschäftigten und unterstützen den Betriebsrat in seiner Forderung nach einer Überprüfung der Standortentscheidung.“



