Zusammenfassung
- Um Beißvorfälle zu verhindern, fordert PETA die Landesregierung von NRW dazu auf, Hundehalter mehr in die Pflicht zu nhemen.
- Hundetrainerinnen und Tierschutzexperten unterstützen die Forderung.
- In anderen Bundesländern wie Niedersachsen und Bremen gibt es bereits verpflichtende Hundeführerscheine, die nachweislich zu weniger Vorfällen geführt haben, so PETA.
Der Beißvorfall im Nordpark in Gladbeck vor wenigen Tagen hat jetzt auch die Tierrechtsorganisation PETA auf den Plan gerufen. Zur Erinnerung: Im Nordpark ist ein Yorkshire Terrier von einem nicht angeleinten Schäferhund gebissen worden.
PETA zu Vorfall in Gladbeck: Meist liegt das Problem nicht bei den Hunden
PETA nimmt diese Beißattacke nun zum Anlass, von der NRW-Landesregierung die Einführung eines Hundeführerscheins zu fordern. Von zwei Hundetrainerinnen aus Gladbeck gibt es dafür schon einmal große Zustimmung.
Viele Menschen haben Schwierigkeiten, das Verhalten, die Signale und die Körpersprache der Vierbeiner richtig zu verstehen und zu interpretieren
Björn Thun, PETA
„Meist liegt das Problem nicht bei den Hunden selbst, sondern bei ihren Halterinnen und Haltern. Viele von ihnen haben Schwierigkeiten, das Verhalten, die Signale und die Körpersprache der Vierbeiner richtig zu verstehen und zu interpretieren“, erklärt Björn Thun, Fachreferent bei PETA. Die eigentliche Ursache von Beißvorfällen sei somit in der Unwissenheit der Menschen zu suchen, nicht beim Tier.
Auch interessant
PETA: Jeder falsch gehaltene Hund kann potenziell für Mensch und Tier gefährlich werden
Unabhängig von der Hunderasse oder dem Mix gelte: Jeder Hund, der falsch gehalten, missverstanden oder schlecht behandelt werde, könne potenziell für Mensch und Tier gefährlich werden, so der Vertreter der Tierrechtsorganisation.
Und so stellt sich PETA den Hundeführerschein vor:
- Künftige Halterinnen und Halter sollen, noch bevor sie sich einen Hund zulegen, einen Theoriekurs absolvieren, „in dem sie das notwendige Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und Aspekte wie Kommunikation und Bedürfnisse von Hunden erwerben“.
- Ist der Hund dann da, soll sich noch ein obligatorisches Praxisseminar für Zwei- und Vierbeiner anschließen. „Ein solcher Nachweis kann sicherstellen, dass Menschen, die Hunde halten, fachkundig mit dem Tier umgehen und die Signale des Vierbeiners richtig deuten. Eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter ist unerlässlich, um Beißvorfälle zu verhindern“, argumentiert PETA.
Ein verpflichtender Hundeführerschein hat nach Ansicht der Tierschützer einen weiteren Vorteil: Er kann Menschen, die sich noch nicht ausführlich mit der Hundehaltung auseinandergesetzt haben, von einem eventuellen Impulskauf abhalten. PETA: „Jedes Jahr landen 80.000 Hunde in deutschen Tierheimen, darunter sehr viele Tiere, die unüberlegt angeschafft wurden.“
Gladbecker Hundetrainerin Patrizia Wahl begrüßt den Hundeführerschein
Diese Hoffnung verknüpft auch Hundetrainerin Patrizia Wahl aus Gladbeck mit der Einführung des Hundeführerscheins. „Er bringt hoffentlich Menschen dazu sich, bevor sie sich einen Hund anschaffen, intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen.“
- Hundehaufen, Wildpinkeln und Co.: Das kosten Vergehen in Gladbeck
- Stellwerk Gladbeck-Zweckel: Denkmalgeschützte Technik blockiert neue Nutzung
- Robbie, Gürkchen & Fleckchen: Drei Katzenkinder auf der Suche nach ihren Menschen
- Salvatore Mancuso legt in Gladbeck auf: Er bringt einen bekannten Support DJ mit
Und das könne sich wiederum positiv darauf auswirken, dass weniger Hunde wegen Überforderung wieder abgegeben werden – und dann im Tierheim landen. Außerdem sei es wichtig, dass Halter die Körpersprache eines Hundes richtig verstehen. Wahl nennt ein einfaches Beispiel: „Wenn ein Hund mit dem Schwanz wedelt, ist das nicht immer und ausschließlich ein freundliches Signal!“
Auch interessant
Die Hundetrainerin, die auf Problemhunde spezialisiert ist, begrüßt also die Forderung nach einem Hundeführerschein in NRW. Sie bezweifelt allerdings, ob das auch wirklich lückenlos kontrolliert werden kann. Nicht alle Hunde werden bei einem Züchter gekauft. „Es gibt mittlerweile so viele Kleinanzeigen mit Tieren zum Verkauf. Und da wird es dann schwierig mit der Überprüfung.“
Hundetrainerin Tanja Zimmer: Einführung ist längst überfällig
„So ein Hundeführerschein ist schon lange überfällig“, sagt Tanja Zimmer. Die Gladbeckerin ist Vorsitzendes des Tierschutzvereins in der Stadt und außerdem als Tierpsychologin spezialisiert auf das Verhaltenstraining von Hund und Mensch. Und sie begrüßt auch ausdrücklich, dass der Führerschein für alle Halter verpflichtend sein soll. Egal, ob sie sich einen großen oder kleinen Hund anschaffen wollen. Auch sie sagt: „Wer sich einen Hund holen möchte, der sollte sein Tier als erstes richtig lesen können!“

Täglich (außer Samstag)
Gladbeck-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!
Nachrichten, Service, Reportagen: Jeden Tag wissen, was in unserer Stadt los ist.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
[Gladbeck-Newsletter: hier gratis abonnieren | Folgen Sie uns auch auf Facebook und auf Instagram | Hier gibt‘s die aktuellen Gladbeck-Nachrichten einmal am Tag bei WhatsApp | Auf einen Blick: Polizei- und Feuerwehrartikel | Alle Artikel aus Gladbeck]
Grundsätzlich sei es gut, das Halten eines Hundes ein wenig zu erschweren. Das erhöhe auf jeden Fall die Sicherheit von Mensch und Tier.
>> Umfrage von PETA zum Hundeführerschein
Nach einer von PETA in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage von August 2023, so die Tierrechtsorganisation, würden sich 68 Prozent der in Deutschland lebenden Erwachsenen für einen verpflichtenden Hundeführerschein aussprechen.
Als erstes deutsches Bundesland, so PETA weiter, habe Niedersachsen einen Sachkundenachweis für Hundehalter beschlossen – seit Juli 2013 sei der allgemeine Hundeführerschein dort verpflichtend. „Dort ereigneten sich nach drei Jahren nachweislich weniger Vorfälle.“
Im November habe sich das Land Bremen für einen verpflichtenden Hundeführerschein entschieden. Und in Berlin seien Halterinnen und Halter seit dem 1. Januar 2017 aufgefordert, sich bei der Aufnahme eines Hundes die notwendige Sachkunde anzueignen. Einige Städte belohnten verantwortungsbewusste Halter: Wer in München nach dem 1. Mai 2014 einen Hundeführerschein absolviert hat, kann sich ein Jahr lang von der Hundesteuer befreien lassen.






