Noch bevor sich die Haustür öffnet, ist unüberhörbar, wer hier den Ton angibt. Vielstimmiges Gebell begrüßt Gäste. Man könnte meinen, ein ganzes Rudel steht im Flur. Es sind aber „nur“ vier. Wenn es möglich wäre, würden Frauchen Anja Semnet und Herrchen Ralf Dietrich noch etlichen Hunden das Leben retten. Doch das Paar aus Gladbeck hat einen anderen Weg gefunden, um Vierbeinern zu helfen. Nämlich mit dem Verein „Geben und Nehmen für 4 Pfoten“, der schon viel bewirkt hat. Eines sei vorweg klargestellt: Es geht nicht um die Vermittlung von Tieren.

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Sein Engagement hängt der Verein nicht so sehr an die große Glocke, er arbeitet eher im Stillen – aber effektiv: Hilfe durch Futter- und Sachspenden. Das Credo der Aktiven lautet: „Wo Tiere ohne Schutz sind, beginnt Tierschutz“.

Die Entstehung des Vereins ist untrennbar mit der DNA der beiden Gladbecker verwoben. Die Büroangestellte Anja Semnet und der Polier Ralf Dietrich haben geschundenen Kreaturen ein neues, liebevolles Zuhause gegeben: Hannah aus Rumänien, die „Prinzessin“ bei dem Paar, wurde mit sechs Monaten gefunden, ein Straßenhund. Die beiden „Bulgaren“ Jasper und Bibi sind schätzungsweise sechs bis achteinhalb Jahre. Kallimero – Achtung: kein Schreibfehler! – stammt aus Moskau, dort sei er bei Minusgraden von irgendwem ausgesetzt worden.

Tierheime, Auffangstationen, Gnadenhöfe: Sie alle brauchen Unterstützung

Krank, verlassen, aus schlechter Haltung: Die tierischen Lebensgeschichten im Hause Semnet/Dietrich unterscheiden sich. Was sie unübersehbar vereint: „Es sind alles schwarze Mischlingshunde, weil sie weniger adoptiert werden“, erklärt die 55-jährige Gladbeckerin. Halt Aberglaube in anderen Ländern: Die dunklen Vierbeiner könnten ja Unheil über die Menschen bringen.

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Dass umgekehrt sie Tieren Leid und Qualen zufügen, das wird häufig ausgeblendet. Nicht so bei Anja Semnet. Sie erzählt: „Ich bin mit Hunden aufgewachsen und hatte zu Tieren immer eine Beziehung.“ Ihr Mann Ralf Dietrich tickt ebenso. Da fährt der 62-jährige Gladbecker, ohne mit der Wimper zu zucken, hunderte Kilometer, um einen Hund, entdeckt auf Facebook, zu retten. Der Tierschützer führt als ein Beispiel an: „Zweimal 2200 Kilometer bis nach Bukarest, um Hannah abzuholen.“

Die Hunde Bibi (links) und Jasper stammen aus Bulgarien. In Gladbeck haben sie ein neues Zuhause gefunden.
Die Hunde Bibi (links) und Jasper stammen aus Bulgarien. In Gladbeck haben sie ein neues Zuhause gefunden. © FUNKE Foto Services | Lars Fröhlich

Zugeben: Nicht alle, die Hunden aus dem Elend holen wollen, können dies in die Tat umsetzen. Aber Hilfe ist anders möglich. „Geben & Nehmen für 4 Pfoten“ sei aus Zufall geboren, so Semnet. Sie erinnert sich: „Ein Tierschutzverein rief uns an, es ging um Futterspenden. Wir hatten die Möglichkeit, sie zu lagern.“ Das ist der Kern des Engagements: „Wir sammeln Sachspenden aus Überschüssen, aus Verlosungen von Futterherstellern.“ Nicht zu vergessen Finanzspritzen zur Unterstützung der Vereinsarbeit.

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Denn gebraucht wird alles, nicht nur für den Magen von Hund, Katz‘ & Co. Tierheime, Gnadenhöfe, private Päppel- und Auffangstationen: Sie alle nehmen dankbar nebst Trocken- und Nassfutter Körner für Vögel, Körbchen, Handtücher, Desinfektionsmittel, Verbandsmaterial und vieles mehr an, sogar eine Waschmaschine gehörte bereits einmal zu den Gaben.

Mein Mann und ich haben die Sache aufgezogen, inzwischen gibt‘s auch eine Zweigstelle in Mönchengladbach

Anja Semnet (55), Tierschützerin aus Gladbeck

„Wir bekommen aus ganz Deutschland Anrufe mit der Bitte um Hilfe“, sagt Dietrich. Tierschutz sei ja „etwas Schönes“, doch manchmal stellt er fest: „Als Normalsterblicher erträgt man das Elend der Tiere nicht.“ Gerade, wenn der Blick gen Osten oder Süden Europas schweift.

In Hallen in Gelsenkirchen und Mönchengladbach lagert der Gladbecker Verein Hilfsgüter.
In Hallen in Gelsenkirchen und Mönchengladbach lagert der Gladbecker Verein Hilfsgüter.

„Wir sind auch selber schon Hilfstransporte gefahren“, sagt Dietrich, nicht nur Stationen in Deutschland sind Ziele. „Nach Mallorca gehen ganze Paletten.“ Gelagert wird das Material auf etwa 200 Quadratmetern in Gelsenkirchen. „Mein Mann und ich haben die Sache aufgezogen, inzwischen gibt‘s auch eine Zweigstelle in Mönchengladbach“, erklärt Anja Semnet. Aber, so betont sie: „Wir sind keine Tafel!“

Alles geht zu 100 Prozent an die Empfänger, kein Cent in die Verwaltung

Ralf Dietrich (62), Tierschützer aus Gladbeck

Der Verein bestimmt über die Empfängeradressen. 10 bis 15 Menschen greifen dem Gladbecker Paar, das ein gerüttelt Maß privater Ressourcen in die Vereinsarbeit steckt, tatkräftig unter die Arme.

Wie auf der Arche Noah: Hunde, Katzen, Igel, Fische, Eichhörnchen und mehr

Hunde, Katzen, Fische, Igel, Eichhörnchen, Waschbären, Tauben, (Wild-)Vögel, Nager sowie Nutztiere, beispielsweise Pferde und Ziegen auf einem Gnadenhof – die Auflistung klingt fast wie die Passagierliste auf der Arche Noah.

Anja Semnet und Ralf Dietrich packen auch selbst den Wagen voll, um Hilfsgüter an Ort und Stelle zu transportieren. Foto: „Geben & Nehmen für 4 Pfoten“ Gladbeck.
Anja Semnet und Ralf Dietrich packen auch selbst den Wagen voll, um Hilfsgüter an Ort und Stelle zu transportieren. Foto: „Geben & Nehmen für 4 Pfoten“ Gladbeck.

Dietrich vergleicht die einstige zur aktuellen Situation: „Wir hatten früher im Monat Sattelzüge voller Materialien. Mittlerweile ist das Spendenaufkommen eingebrochen. Die Wirtschaftsflaute macht sich brutal bemerkbar.“ Da ist der Verein „Geben & Nehmen für 4 Pfoten“ froh, dass „der Europäische Tier- und Naturschutz uns finanziell unterstützt“. Und alles, was die rührigen Aktiven erreicht „geht zu 100 Prozent an die Empfänger, kein Cent in die Verwaltung“.

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Wer sich für den Gladbecker Verein interessiert, kann Kontakt zu Anja Semnet und Ralf Dietrich aufnehmen: unter 0172/2488877, per Email über geben-nehmen-ev@web.de. Spendenkonto: DE15 424500400071029342.