Normalerweise geht es auf Schalke um Tore, Punkte und die nächste Saison. Diesmal ging es für Tausende Fans zwischendurch um etwas ganz anderes: ihr Herz. Bei der Aktion „Kumpelherz“ ließen 4975 Menschen beim Heimspiel gegen die SV Elversberg ihr Herz per EKG untersuchen. Damit stellten die Knappschaft Kliniken zusammen mit Schalke einen neuen Guinness-Weltrekord auf.

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„Wir haben natürlich die Hoffnung gehabt, dass sich viele beteiligen“, sagt Dr. Patrick Müller, Direktor der Klinik für Elektrophysiologie der Knappschaft Kliniken Gelsenkirchen-Buer und Recklinghausen, der das Projekt initiiert hat. Dass am Ende mehr als 1000 Messungen über dem bisherigen Rekord lagen, habe ihn dennoch überrascht. Die bisherige Bestmarke lag bei 3797 Messungen und stammte aus dem Jahr 2023 aus Bengaluru in Indien.

Herzcheck auf Schalke: Vorhofflimmern bleibt oft lange unbemerkt

Für Müller war der Rekord allerdings nie das eigentliche Ziel. Im Mittelpunkt stand die Suche nach Vorhofflimmern – einer Herzrhythmusstörung, die lange unbemerkt bleiben und das Schlaganfallrisiko erhöhen kann. „Mir ging es darum, dass wir Herzvorsorge ins Stadion bringen – an einen Ort, wo ganz viele Menschen sind.“ Mehr als 60.000 Menschen kommen zu einem ausverkauften Schalke-Heimspiel. „Im Alltag ist es natürlich schwierig, gezielt so viele Menschen zu erreichen.“

Rund 100 mobile EKG-Geräte waren rund um die Veltins-Arena im Einsatz. 30 Sekunden dauerte eine Messung. Zusätzlich konnten Fans ihre EKG-fähige Smartwatch nutzen. Teilnehmen konnten alle Fans, im Fokus standen aber vor allem Menschen ab 60 Jahren. Denn Vorhofflimmern tritt mit zunehmendem Alter häufiger auf und kann lange unbemerkt bleiben. Müller schätzt, dass etwa ein Drittel der Betroffenen keine Beschwerden hat. Typische Symptome sind Herzrasen, Herzstolpern, Druck auf der Brust und Leistungseinschränkungen.

Wenn durch das Projekt auch nur ein Schlaganfall verhindert wird, haben wir viel erreicht.

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Dr. Patrick Müller, Direktor der Klinik für Elektrophysiologie

Nachweisen lässt sich Vorhofflimmern mit einem EKG. Genau hier sieht Müller auch eine Chance in digitalen Geräten: Seine Klinik hat eine spezielle Smartwatch-Ambulanz eingerichtet. Immer häufiger würden Menschen dort EKG-Aufzeichnungen ihrer Smartwatch vorlegen, die auf einen möglichen Herzrhythmusfehler hinweisen.

Denn auch unbemerktes Vorhofflimmern sei relevant, denn die Rhythmusstörung erhöhe das Schlaganfallrisiko deutlich. „Der Fokus bei der Aktion ist ganz klar: Schlaganfallverhinderung“, sagt Müller. Denn ein Schlaganfall könne schwerwiegende Folgen haben und im schlimmsten Fall tödlich enden.

Gesundheitschancen in Gelsenkirchen: Warum Prävention bei Kindern beginnt

Wie viele bislang unbekannte Fälle durch die Aktion am Stadion entdeckt wurden, steht noch nicht fest. Das Ärzteteam prüft derzeit jede einzelne Messung. „Wir werden welche dabei haben“, ist sich Müller sicher. Innerhalb von sieben Tagen sollen alle Teilnehmer eine Rückmeldung zu ihrem Screening erhalten. Bei auffälligen Ergebnissen will das Team die Betroffenen zusätzlich telefonisch kontaktieren und eine weitere Abklärung empfehlen. Denn: Vorhofflimmern lässt sich behandeln.

Für Müller ist „Kumpelherz“ deshalb mehr als ein Eintrag in den Guinness-Rekordbüchern. „Zahlen sind wunderbar, den Rekord nehmen wir gerne mit“, sagt er. Entscheidend sei, Herzrhythmusstörungen früh zu erkennen und mehr Bewusstsein für Herzvorsorge zu schaffen. „Wenn durch das Projekt auch nur ein Schlaganfall verhindert wird, haben wir viel erreicht.“

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Doch für Müller endet Prävention nicht bei der Früherkennung. Sie müsse viel früher ansetzen – und zwar schon bei Kindern. Auch mit Blick auf Gelsenkirchen sieht er dafür Handlungsbedarf. Der erste Basisgesundheitsbericht der Stadt hat etwa bei der Gesundheitsvorsorge Nachholbedarf gezeigt. Gerade in einer Stadt, in der viele Kinder unter schwierigen sozialen Bedingungen aufwachsen, sei frühe Prävention wichtig.

Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht, Rauchen, Alkohol, Diabetes und Schlafapnoe können die Entstehung der Herzrhythmusstörung begünstigen. Sie frühzeitig zu vermeiden oder zu behandeln, könne auch andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindern. „Wenn wir diese Risikofaktoren schon früh gezielt angehen würden, hätten wir natürlich weniger Schlaganfälle, Herzinfarkte, aber auch weniger Vorhofflimmer-Patienten.“