Wenn eine Krankheit, eine Sucht oder eine schwierige Lebenssituation das eigene Leben verändert, fehlt zunächst oft die Orientierung: Wo findet man Hilfe? Und wo Menschen, die Ähnliches erlebt und erlitten haben? Und wie schafft man überhaupt den ersten Schritt, über das eigene Problem zu sprechen? Genau hier setzt die Selbsthilfe an. In Gelsenkirchen gibt es inzwischen 134 Selbsthilfegruppen – die Angebotspalette reicht von häuslicher Gewalt und chronischen Schmerzen über Depressionen und Wachkoma bis hin zu Angeboten für Angehörige.

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Beim Selbsthilfetag am Samstag, 19. September, können sich Interessierte über die unterschiedlichen Gruppen informieren und mit Betroffenen ins Gespräch kommen. „Denn für viele ist es nicht leicht, sich selbst einzugestehen, dass sie Hilfe benötigen. Oder aber sie wissen nicht, wo sie ansetzen sollen“, sagt Katja Pelizäus von der Selbsthilfe-Kontaktstelle, als sie mit dem Arbeitskreis und einigen Selbsthilfeaktiven das Programm für den Tag vorstellt. „Manchmal hilft zuerst jemand, der das gleiche Leid erfahren hat.“
Selbsthilfetag in Gelsenkirchen: „Selbsthilfe ist auch gelebte Demokratie“
Ein Betroffener aus dem Suchtbereich kennt die Hemmschwelle aus eigener Erfahrung. Alkohol sei noch immer ein Tabuthema. Als er sich vor Jahren mit seinem eigenen Schicksal öffentlich zeigte, sei das zunächst nicht einfach gewesen. Heute wolle er anderen Betroffenen vor allem vermitteln: „Du bist nicht allein.“ Selbsthilfe könne begleiten und den Weg zu professioneller Unterstützung erleichtern. Sie ersetze allerdings keine Therapie. Dennoch: In Zeiten, in denen die Wartezeiten für einen Therapieplatz mehrere Monate bis hin zu Jahren dauern, könne es einen riesigen Unterschied machen.

Auch der Austausch über die eigene Gruppe hinaus sei wichtig, berichten die Selbsthilfeaktiven. Wer die verschiedenen Angebote kenne, könne Betroffene gezielt weitervermitteln. Eine Betroffene etwa aus der Fibromyalgie-Selbsthilfe erzählt von Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Erkrankungen: Chronische Schmerzen, Depressionen und Sucht könnten sich gegenseitig beeinflussen.
Für Sven Lütkehaus, Geschäftsführer des Paritätischen, hat Selbsthilfe zudem eine gesellschaftliche Bedeutung. Wer sich in einer Gruppe engagiere, erfahre, dass die eigene Stimme etwas bewirken könne. Selbsthilfeaktive kommen mit Ärzten, Verwaltung und Politik ins Gespräch, können sogar aktiv etwas verändern, auch wenn das oft ein langer Weg ist. „Ich bin ein aktiver Teil dieser Gesellschaft“, beschreibt Lütkehaus diesen Effekt. Selbsthilfe sei damit auch ein Stück gelebte Demokratie.
Das ist das Programm für den 19. September: „Jeder kann kommen“
Der Selbsthilfetag soll die vielfältigen Angebote in Gelsenkirchen sichtbar machen. Das Programm beginnt um 10 Uhr mit Begrüßung und Musik des inklusiven Musikprojekts der Mädchenmusikakademie. Nach einem Grußwort der Stadt öffnet um 10.30 Uhr der „Markt der Möglichkeiten“ mit Informationsständen zu den Selbsthilfegruppen. Um 11 Uhr spricht Sven Lütkehaus darüber, wie Selbsthilfe die Stadtgesellschaft stärken kann. Nach einer Pause werden ab 12 Uhr die einzelnen Gruppen und ihre Arbeit vorgestellt. Um 13.50 endet der Tag mit einem Musikprogramm.
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Unter den teilnehmenden Gruppen sind auch neue Angebote, etwa eine Gruppe für Frauen mit chronischen Schmerzen in arabischer Sprache oder eine türkischsprachige Gruppe für Frauen mit Depressionen. Insgesamt sind Vertreter von über 20 Gruppen anwesend – etwa zu Spielsucht, Alzheimer, Autismus und Adipositas. Auch verschiedene Beratungs- und Anlaufstellen sind vor Ort, darunter das Mädchenzentrum, die Frauenberatungsstelle, das Generationennetz oder die Krebsberatungsstelle.
Eingeladen sind ausdrücklich nicht nur Menschen, die bereits eine Selbsthilfegruppe besuchen, sagen die Verantwortlichen. „Jeder kann vorbeikommen, sich informieren oder einfach zuhören.“
Der Selbsthilfetag findet am Samstag, 19. September, von 10 bis 14 Uhr im Gemeindehaus hinter der Apostelkirche (Horster Straße 35) in Buer statt. Weitere Informationen gibt es auch unter selbsthilfe-gelsenkirchen.de.








