Eine Weltreise machen oder einen früheren Wohnort wiedersehen, ohne das Haus zu verlassen: Eine VR-Brille macht das für die Bewohner einer Einrichtung des Sozialwerks St. Georg an der Nordsternstraße möglich. Sie ist Teil eines landesweiten Projekts. An zwölf Standorten in NRW wird erprobt, wie digitale Technologien und Künstliche Intelligenz (KI) Menschen mit Behinderung oder im Alter mehr Selbstständigkeit und Teilhabe ermöglichen und zugleich Mitarbeitende etwa in der Pflege entlasten können.

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Getestet werden konkrete Hilfsmittel für den täglichen Einsatz. Welche Technik sinnvoll ist, richtet sich nach dem jeweiligen Unterstützungsbedarf für den Einzelnen. „Wir schauen immer: Was braucht der Mensch? Und was kann Technik dort leisten?“, sagt Dorothée Schlebrowski vom Sozialwerk St. Georg, das das NRW-Projekt koordiniert.

Projekt in Gelsenkirchen: Fachkräfte entlasten, mehr Teilhabe für die Menschen

Ein Beispiel ist der „Teilhabekompass“, eine Informations- und Kommunikationsplattform. Über ihr eigenes Tablet und einen zusätzlichen großen Bildschirm können die Bewohner der Einrichtung in Gelsenkirchen selbstständig nachsehen, wer gerade im Dienst ist, welche Termine anstehen oder wie der Busfahrplan ist. „Informationen, für die sonst möglicherweise eine Fachkraft angesprochen werden müsste, sind damit direkt verfügbar.“

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Sprachassistenzsysteme sollen den Bewohnern mehr Eigenständigkeit ermöglichen. In der Einrichtung an der Nordsternstraße werden die Menschen nicht rund um die Uhr von Fachkräften begleitet. Ein Sprachassistent kann beispielsweise daran erinnern, vor dem Verlassen der Wohnung die Heizung herunterzudrehen. Sensoren können zudem Bewegungsmuster erfassen. Tritt etwa nachts regelmäßig Unruhe auf, können die Daten Hinweise darauf geben, dass möglicherweise Unterstützung notwendig ist.

Ein Bewohner der Einrichtung an der Nordsternstraße in Gelsenkirchen testet die VR-Brille. So sollen Menschen mehr Teilhabe bekommen.
Ein Bewohner der Einrichtung an der Nordsternstraße in Gelsenkirchen testet die VR-Brille. So sollen Menschen mehr Teilhabe bekommen. © Sozialwerk St. Georg

Roboterarme und sprachgesteuerte Betten: „Große Entlastung“

Auch die Beschäftigten sollen durch die Technik entlastet werden. Sensoren im Kühlschrank können die Temperatur kontrollieren und damit eine Aufgabe übernehmen, die bislang täglich von Mitarbeitenden erledigt werden musste. An anderen Standorten werde auch Technik ausprobiert, mit der sich per Sprachbefehl Türen öffnen oder Kopf- und Fußteile von Betten verstellen lassen. „Das sind Dinge, die die Fachkräfte dann nicht mehr machen müssen und für die sie Zeit aufwenden“, sagt Schlebrowski. Diese Zeit könne stattdessen für den direkten Kontakt mit den Menschen genutzt werden.

Erprobt werden im Rahmen des Projekts auch Roboterarme, die Menschen mit gelähmten Armen beim Essen unterstützen und ihnen so wieder mehr Selbstständigkeit ermöglichen sollen. Sensoren können epileptische Anfälle erkennen und automatisch Hilfe anfordern. Auch ein Exoskelett kommt zum Einsatz, das Mitarbeitende vor allem beim Heben und Tragen unterstützen soll.

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Das Projekt läuft seit Anfang 2025 und noch bis Ende 2026. Die Sozialstiftung NRW stellt dafür 1,75 Millionen Euro bereit. Was sich bewährt, soll möglichst dauerhaft genutzt und auch auf weitere Standorte übertragen werden, so Schlebrowski. „Wir setzen sehr viel Hoffnung darauf. Das ist eine Technik für die Zukunft.“ Dafür werden die Erfahrungen aus den zwölf Einrichtungen gebündelt und die Lösungen weiterentwickelt. Das Projekt wird auch wissenschaftlich begleitet, um etwa Fragen der Ethik und des Datenschutzes zu bearbeiten.

„Die ersten Erfahrungen mit dem Einsatz Assistiver Technik zeigen Wirkung. Wir sehen, dass Menschen mit Behinderung ganz konkret profitieren, indem sie ihren Alltag eigenständiger gestalten können,“ sagt der Stiftungsratsvorsitzende der Sozialstiftung NRW, Marco Schmitz. „Mitarbeitende beteiligter Wohneinrichtungen berichten, dass die neue Technik sie zeitlich entlastet.“