Ein Hochwasser schneidet ganze Orte von der Außenwelt ab, ein Waldbrand zerstört Straßen und Leitungen, ein Gebäude droht einzustürzen: In solchen Lagen liefern Drohnen oft die ersten Bilder. Doch genau dort fehlen meist Strom, Internet und Rechenleistung, um die Bilderflut schnell auszuwerten. Forscher der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen haben dafür eine Lösung gebaut – aus einem handelsüblichen Kinderwagen. Das teilt die Hochschule mit.

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Prof. Dr.-Ing. Hartmut Surmann und sein studentisches Team aus dem Robotiklabor haben auf einem umgebauten Kinderwagengestell eine mobile Bodenstation montiert. Sie versorgt sich über Solarzellen selbst mit Energie, baut ein eigenes WLAN auf und wertet Drohnenbilder mit einer lokalen Künstlichen Intelligenz aus. Ein Stromnetz oder einen Mobilfunkmast braucht sie dafür nicht. Die Station lässt sich zusammenklappen, passt ins Auto und rollt dank gefederter Räder auch über unbefestigtes Gelände.

Das System aus Gelsenkirchen arbeitet unabhängig von Stromnetz und Internet

„Künstliche Intelligenz kann im Katastrophenschutz einen großen Unterschied machen. Das geht aber nur, wenn sie auch dort verfügbar ist, wo sie gebraucht wird. Mit unserer mobilen Bodenstation verbinden wir Robotik, erneuerbare Energie und KI zu einem System, das unabhängig von Stromnetz und Internet arbeitet“, sagt Surmann.

Der Kinderwagen ist motorisiert – und dreht das Solarmodul selbstständig zur Sonne. Über GPS, Kompass und Sensoren richtet sich die Station nach dem Sonnenstand aus. So gewinnt sie nach Angaben der Hochschule rund 40 Prozent mehr Energie als ein fest montiertes Panel. Scheint die Sonne kaum, springt ein eingebauter Speicher ein.

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Kern der Station ist die Software „RescueVLM“, ein sogenanntes Vision-Language-Modell, das die Hochschule quelloffen entwickelt hat. Statt Hunderte Aufnahmen einzeln durchzusehen, stellen Einsatzkräfte eine Frage: Sind Personen in Gefahr? Droht ein Gebäude einzustürzen? Gibt es weitere Brandherde? Nach rund 30 Sekunden zeigt das Programm die passenden Bilder, markiert kritische Stellen und erklärt seine Bewertung in verständlicher Sprache. Alle übrigen Aufnahmen bleiben für die Einsatzleitung abrufbar.

Ein Fortschritt der neuen Version: Die Software läuft unabhängig vom eingesetzten KI-Modell. Das Fachwissen steckt nicht im Modell selbst, sondern in speziell formulierten Eingabeanweisungen. Ein aufwendiges Training entfällt, und das Programm lässt sich an künftige KI-Modelle anpassen.