Sie ist laut, emotional, beherrscht die Klaviatur der gezielten Provokation wie nur wenige. Enxhi Seli-Zacharias zählt zu den schillerndsten und umstrittensten AfD-Politikern in NRW. Die Gelsenkirchenerin mit albanischen Wurzeln hat sich längst einen Namen in ihrer Partei gemacht, der weit über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus bekannt ist – sogar im Verfassungsschutzbericht kommt sie vor.

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Ihren Kreisverband hat die 32-Jährige komplett unter Kontrolle, im Düsseldorfer Landtag, im Rat der Stadt und insbesondere in den sozialen Medien verschiebt Seli-Zacharias Stück für Stück die Grenzen dessen, was viele für unsagbar halten. Wird sie dafür abgelehnt und kritisiert, motiviert das Seli-Zacharias erst recht. Sorgt sie für Empörung und Entsetzen, ist das die höchste Form der Bestätigung für die Gelsenkirchenerin.

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Dieser Tage machen Seli-Zacharias und weitere AfD-Politiker erneut bundesweit Schlagzeilen. Nicht, weil sie wie bei der Kommunalwahl 2025 in Gelsenkirchen für westdeutsche Verhältnisse enorme Zustimmungswerte erhalten haben, sondern mit einem Video, dessen Wirkung Seli-Zacharias sicherlich genau so beabsichtigt hat: Abscheu und Assoziationen zum menschenverachtenden Nazi-Regime einerseits erzeugen und digitalen Applaus in den Kommentarspalten ernten, für eine Politikerin, „die endlich mal die Wahrheit sagt und handelt“.

In dem Video drückt Seli-Zacharias in Ückendorf Menschen mit Migrationshintergrund Besen in die Hand und fordert sie zum Fegen der Gehwege und Straßen auf. Sie und weitere AfD-Politiker, darunter auch der zweite ehrenamtliche Bürgermeister der Stadt Gelsenkirchen, Norbert Emmerich, inszenieren sich als Ordnungshüter und sprechen im scharfen Ton mit und über die Menschen. Betroffen sind vor allem Sinti und Roma. Vertreter der Kirchen in Gelsenkirchen und NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) verurteilten die AfD für ihre „herabwürdigende und menschenfeindliche Aktion“.

Inmitten dieser Diskussionen hat der Gelsenkirchener AfD-Kreisverband, Enxhi Seli-Zacharias jetzt mit 99-prozentiger Zustimmung erneut zur Kandidatin für die Landtagswahl 2027 gewählt. Alles andere als ein aussichtsreicher Platz auf der Kandidatenliste der AfD-NRW für die Hardlinerin wäre eine Überraschung. Eine weitere Legislatur in der Landeshauptstadt scheint für die Gelsenkirchenerin daher sicher.

Wer ist Enxhi Seli-Zacharias von der AfD Gelsenkirchen?

Stichwahlen nach der Kommunalwahl in NRW
Enxhi Seli-Zacharias (AfD).© Christoph Reichwein/dpa | Christoph Reichwein

Doch wer ist diese Frau, die bewusst polarisiert, die provoziert, die in den Augen ihrer Kritiker hetzt und Hass verbreitet?

Als Sechsjährige kam Seli-Zacharias zusammen mit ihrer Schwester und ihren Eltern vom Balkan nach Deutschland. Für das Leben in Freiheit und in Wohlstand empfindet die Gelsenkirchenerin „tiefe Dankbarkeit“, wie sie sagt. Im Gegensatz zu anderen wisse sie diese Werte zu schätzen. Damit begründet sie auch ihre tiefgehende Abneigung gegen Ausländer, die sich ihrer Meinung nach nicht anpassen. „Remigration“ ist für Seli-Zacharias kein Tabu-Wort. Ganz im Gegenteil.

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Mit Blick auf die Zuwanderung aus Südosteuropa sagt sie: „Diese Roma-Dörfer müssen hier weg. Blutsauger unseres Sozialstaates können alternativ gerne ins Münsterland ziehen. Am besten bei Grünen daheim einziehen. Sie werden sich gut verstehen!“

In erster Linie seien es Aussagen von Menschen, die „dieses Land mit all seinen Werten und Traditionen verachten, die mich motivieren, in der AfD Politik zu machen“, hatte Seli-Zacharias einst im WAZ-Interview erklärt. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Die 32-Jährige ist in den vergangenen Jahren eher noch radikaler geworden.

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Mit Blick auf die Diskussion um ein Verbotsverfahren gegen die AfD etwa suchte sie die größtmögliche Empörungssteigerung und zog eine Parallele zu einem Gesetz der Nationalsozialisten gegen die Neubildung von Parteien vom 14. Juli 1933. „Damit beerdigten die Nazis die parlamentarische Demokratie in Deutschland. Die AfD wird sich diesen Nazis im neuen Gewand entgegenstellen und ihre perfiden Pläne, die sie seit Jahren betreiben, endgültig stoppen. Das gewünschte AfD-Verbotsverfahren wird scheitern und es wird die linksradikalen Urheber in ihrer gesamten Existenz zum Implodieren bringen“, poltert Seli-Zacharias.

Die Parteichefin und ihr Kreisverband wissen, wie sie Aufmerksamkeit weit über ihr Wählerklientel hinaus bekommen. Dass die umstrittenen Videos aus Ückendorf hochprofessionell gemacht wurden, überrascht deshalb keineswegs. Diese Aufmerksamkeit nutzt am Ende vor allem einer: Enxhi Seli-Zacharias.