Beim WDR-Stadtgespräch in der Gelsenkirchener Schauburg zum Sparkassen-Einbruch war die anhaltende Wut vieler anwesender Betroffener stark zu spüren. Sparkassenvorstand Michael Klotz versuchte der großen Enttäuschung über die Kommunikation und das Vorgehen der Bank nach dem spektakulären Einbruch mit Erklärungen aber auch Entschuldigungen etwas entgegenzubringen.

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Der Kino-Saal war prall gefüllt mit Betroffenen und Interessierten, die sich über den Stand der aktuellen Ermittlungen informieren wollten. In den Saal passen rund 250 Menschen – nahezu jeder Platz war belegt. Ein großer Teil der Besucher ist selbst vom Einbruch betroffen, wie eine kurze Umfrage per Handzeichen zeigt. Gekommen war zu dem Gespräch auch Polizeipräsident Tim Frommeyer. Er bekräftigte auf der Bühne erneut, was er bereits zuvor im exklusiven Interview mit der WAZ erklärt hatte: „Ich bin mir sicher, dass wir die Täter irgendwann fassen werden.“

Gelsenkirchen: Sparkassenvorstand stellt sich Fragen von Betroffenen – „Können wir der Sparkasse noch vertrauen?“

Viele der Betroffenen meldeten sich im voll besetzten Saal zu Wort, ein Großteil der Fragen richtete sich direkt an Michael Klotz. Gleich zu Beginn betonte der Sparkassenchef die persönliche Dimension des Falls für ihn und seine Mitarbeitenden: „Es ist keine Minute vergangen, in der ich mich nicht damit beschäftigt habe. Das geht an keinem spurlos vorbei.“ Man habe es hier mit einer „einmaligen Dimension“ zu tun.

Doch im Publikum überwogen Skepsis und Unmut. Mehrfach wurde kritisiert, dass sich die Sparkasse in den Tagen nach dem Einbruch nicht offensiver den Betroffenen gestellt habe. Klotz räumte ein: „Rückschauend betrachtet hätte man es anders machen können.“ Zwischen den Jahren habe sein Team jedoch eine weitere Eskalation befürchtet, wenn sich Vertreter vor die Filiale in Buer stellen. Kopfschütteln im Saal. Eine Betroffene sagte: „Wir fühlen uns allein gelassen.“ Ein anderer fragte unter Applaus: „Wo waren Sie so lange?“

Der Sparkassen-Coup von Gelsenkirchen
WDR Stadtgespräch Lokalzeit in der Schauburg
Fast jeder Platz war in der Schauburg besetzt, als sich Tim Frommeyer und Michael Klotz den Fragen der anwesenden Menschen stellten. © FUNKE Foto Services | Thomas Gödde

Auch Andreas warf der Sparkasse vor, „nach vorne ohne Ende zu mauern“. Als Klotz erklärte, die Täter hätten „alle Sicherheitssysteme überwunden“, brandete Gelächter auf, ein Zwischenruf folgte: „Scheißdreck.“ Bei dem Thema Sicherheitsvorkehrungen bleibt es hitzig im Saal. Die Moderatorin hakte nach: „Das reicht vielen hier noch nicht.“ Zustimmendes Raunen im Publikum. Manche im Saal empfanden die Antworten des Sparkassenvorstandes als ausweichend. Die zentrale Frage stand mehrfach im Raum: „Können wir der Sparkasse überhaupt noch vertrauen?“

Klotz will zu einer Antwort ansetzen, doch wird vom aufgebrachten Publikum unterbrochen. Die Moderatorin muss die Zuschauer ermahnen. Beim zweiten Versuch sagt er: „Es tut uns auch leid, dass so viele Kundinnen und Kunden Opfer eines so schweren Verbrechens in unseren Räumlichkeiten geworden sind.“ Die Sparkasse sei nicht Täter, sondern ebenfalls Geschädigte. Einen flächendeckenden Vertrauensverlust sehe man bislang nicht. Man investiere Geld, Zeit und Personal, um die Betroffenen bei der weiteren Abwicklung zu begleiten.

Polizeipräsident Frommeyer: „Wir werden mit Sicherheit in den nächsten Monaten noch einiges zu tun haben“

Polizeipräsident Tim Frommeyer kommt beim Publikum etwas besser weg, doch natürlich richten sich viele Fragen auch nach dem aktuellen Ermittlungsstand. Er ordnete die Tat als Werk von „Schwerstkriminellen“ ein. Die Ermittlungen würden Zeit in Anspruch nehmen. 1.800 Menschen seien bislang befragt worden, rund 350 Mitarbeitende arbeiteten an dem Fall. In der Spurensicherung sei man gut vorangekommen, Details nannte er aus ermittlungstaktischen Gründen nicht. Aus der Zivilbevölkerung seien aber mehr als 600 Hinweise eingegangen. „Wir werden mit Sicherheit in den nächsten Monaten noch einiges zu tun haben“, sagt er.

Deshalb könnten die sichergestellten Gegenstände auch noch nicht wieder freigegeben werden. Doch die Beamten gäben 100 Prozent, um auch die gestohlenen Gegenstände zurückzubringen. „Dazu müssen wir es schaffen, diesen Fall aufzuklären. Wir werden alles versuchen und jeder Spur nachgehen“, verspricht er.

Der Sparkassen-Coup von Gelsenkirchen
WDR Stadtgespräch Lokalzeit in der Schauburg
Viele Menschen waren zum WDR-Talk in die Schauburg gekommen.© FUNKE Foto Services | Thomas Gödde

Für zusätzliche Brisanz sorgte der Hinweis auf ein Gutachten des Anwalts Daniel Kuhlmann, wonach die Sicherung der Anlage in der Filiale in Buer nicht ausreichend gewesen sei. Laut Klotz liege der Sparkasse weder ein entsprechendes Gutachten noch eine Klage vor. Auch die Entschädigungsfrage wurde kontrovers diskutiert. 10.300 Euro seien „keine Pauschale“, erklärte Klotz – maßgeblich sei der jeweilige Nachweis.

Betroffener nach WDR-Talk: „Diese Entschuldigung war wirklich ein Witz, sie war nicht ehrlich“

Rund 140 Schließfächer seien nach bisherigen Erkenntnissen nicht betroffen: Klotz stellt den Inhabern Fächer in Aussicht, dass ab übernachster Woche Termine vereinbart werden können. Für viele Geschädigte ist das nur ein schwacher Trost. Petra berichtete von verlorenem Schmuck und Wertsachen, von Zukunftsängsten und dem Gefühl der Hilflosigkeit: „Dafür habe ich Jahrzehnte gespart – für meine Rente.“ Wut und Ratlosigkeit lagen an diesem Abend spürbar in der Luft, zwischen der Frage, ob es sich um einen „Jahrhunderteinbruch“ oder um ein „Systemversagen“ handelt, wie WDR-Moderatorin Judith Schulte-Loh die Diskussion schließt.

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Im Anschluss an die Diskussion ist die Stimmung von Betroffenen ziemlich eindeutig und die Wut noch deutlich spürbar: „ Das war die reine Zeitverschwendung“, sagt etwa Torben Kozianka, der nach seiner Aussage selbst von dem Einbruch betroffen ist. „Das hätten sie sich wirklich sparen können.“ Er hätte eine ehrliche Entschuldigung erwartet, „aber das war wirklich ein Witz, das war nicht ehrlich.“ Er wünsche sich, dass die Sparkasse Verantwortung übernehme. Ähnlich formuliert es eine weitere Betroffene: „Herr Klotz nimmt unsere Sorgen immer noch nicht ernst und speist uns ab.“