Dieser Kriminalfall wirkt wie aus der Feder eines Drehbuchautors: Eine Bande bisher unbekannter Täter bohrt sich durch eine Wand in den Keller der Sparkasse Gelsenkirchen-Buer, räumt mutmaßlich über viele Stunden hinweg unbehelligt tausende Bank-Schließfächer leer und kann anschließend mit einer riesigen Millionenbeute fliehen. Seitdem der spektakuläre Bank-Einbruch entdeckt wurde, laufen die Ermittlungen auf Hochtouren – doch viele Fragen sind noch offen. Was wir über den Sparkassen-Einbruch von Buer wissen – und was noch nicht:

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Weihnachten 2025: Die Sparkasse an der Nienhofstraße 1-5 in Buer schließt, Mitarbeiter und Kunden wünschen sich erholsame Feiertage. Zu diesem Zeitpunkt ahnt niemand, dass diese Filiale schon sehr bald in die Kriminalgeschichte eingehen wird.

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27. Dezember 2025: Ein Brandmelder in der Sparkasse schlägt Alarm. Polizei und Feuerwehr sind nach eigenen Angaben gegen 6.15 Uhr vor Ort, können aber nichts feststellen, was auf einen Schaden schließen lässt, teilen die Beamten später mit. Noch nicht bekannt ist, ob die Einsatzkräfte alle Räume durchsucht haben, ehe sie wieder abgerückt sind. Die Frage bleibt: Waren die Einbrecher zu diesem Zeitpunkt bereits in den Kellerräumen der Bank? Dort, wo auch mehr als 3000 Schließfächer untergebracht sind.

29. Dezember 2025: Frühmorgens, um 3.58 Uhr, geht erneut ein Brandmeldealarm bei der Feuerwehr ein. Jetzt wird das Loch in der Wand im Archivkeller der Bank entdeckt – und der Einbruch in der Sparkasse an die Zentrale gemeldet. Wann genau die Täter eingedrungen sind, ist bislang nicht bekannt. Aus ermittlungstaktischen Gründen machen die Behörden dazu noch keine Angaben, dabei dürften Aufzeichnungen aus der Überwachungskamera des angrenzenden Parkhauses auch die Einfahrt der Diebesbande festgehalten haben, falls die Aufnahmen lange genug gespeichert werden.

Die Täter haben mit einem Spezialbohrer ein großes Loch in die Wand der Sparkasse gebohrt.
Die Täter haben mit einem Spezialbohrer ein großes Loch in die Wand der Sparkasse gebohrt.© Polizei Gelsenkirchen/dpa | -

Klar hingegen ist, dass die Einbrecher am 29. Dezember mit zwei Fahrzeugen das Parkhaus verlassen haben, durch das sie sich Zugang zu einem Mitarbeiter-Parkplatz der Sparkasse verschafft hatten. Von dort aus bohrten die Kriminellen mit einem wassergekühlten Spezialbohrer zielgenau ein großes Loch in die Stahlbetonwand der Sparkasse. Offen ist die Frage, wie lange der Coup dauerte? Waren die Einbrecher fast zwei Tage zugange? Hatten sie Hilfe von einem Insider, der ihnen Zugang zum Mitarbeiter-Parkplatz verschaffte?

Nach dem Einbruch in den Tresorraum einer Bank
Aufgebrachte Kunden vor der Sparkasse in Gelsenkirchen-Buer: Die Menschen wollen wissen, ob auch ihr Schließfach leergeräumt wurde.© Christoph Reichwein/dpa | Christoph Reichwein

29./30. Dezember 2025: Die Polizei veröffentlicht eine erste Meldung zu dem Einbruch. Nach und nach wird klar, dass die Täter mehr als 3000 Schließfächer aufgebrochen und geplündert haben. Mehr als 2500 Kunden sind betroffen. Rund 200 von ihnen stehen am Montag- und Dienstagmorgen vor der Sparkasse, sind wütend und aufgebracht. Die Menschen verlangen Antworten, wollen wissen, ob ihr Schließfach betroffen ist. Einige bangen um ihre Existenz, andere berichten, dass sie wertvollen Goldschmuck gelagert hatten. Die Lage droht zu eskalieren, es kommt zu tumultartigen Szenen. Polizisten sichern den Eingang der Sparkasse. Erst am Dienstagnachmittag beginnt die Sparkasse damit, ihre Kunden darüber zu informieren, ob sie betroffen sind oder nicht.

Was sich hier und in den Tagen danach jeder fragt: Ist der Tresorraum der Sparkasse nicht ausreichend gesichert? Gibt es keine Bewegungsmelder, die hätten Alarm schlagen müssen, als sich die Einbrecher Zugang verschafften und in aller Ruhe tausende Schließfächer leerräumten?

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Sparkassen-Einbruch: Über 3000 Schließfächer werden geplündert

30. Dezember 2025: Nachdem die Polizei die Bevölkerung über die Medien um Hinweise gebeten hat, wird eine erste Spur bekannt. Zeugen hatten Hinweise auf mehrere Männer gegeben, die in der Nacht zu Sonntag mit großen Taschen im Treppenhaus des angrenzenden Parkhauses gesehen worden seien. Bald werden die Aufzeichnungen mehrerer Überwachungskameras im Internet verbreitet. Auch der WAZ liegen die Sequenzen vor. Die Videobilder zeigen einen maskierten Verdächtigen, einen hochmotorisierten schwarzen Audi RS 6 und einen weißen Mercedes-Citan. Beide Fahrzeuge haben laut Polizei gefälschte Kennzeichen. Der Audi eines aus Hannover und der Mercedes eines aus Beckum.

Nach diesen Fahrzeugen sucht die Polizei.
Nach diesen Fahrzeugen sucht die Polizei.© AFP | HANDOUT

3. Januar 2026: Nach dem Einbruch in die Sparkasse Gelsenkirchen veröffentlicht die Polizei Fotos der maskierten Tatverdächtigen. Es handelt sich um Aufnahmen aus Überwachungskameras aus dem angrenzenden Parkhaus. Derweil stellt sich immer drängender die Frage, wie gut denn die Tresorräume anderer Bankfilialen gesichert sind? „Unsere Sicherheitstechnik ist auf dem neuesten Stand“, teilt Beate Radtke, Sprecherin der Sparkasse mit, verweist aber darauf, dass sie aufgrund der laufenden Ermittlungen und Arbeiten keine Details nennen könne.

Bilder vom Einbruch in die Sparkassenfiliale in Gelsenkirchen-Buer.
Die Bilder aus der Überwachungskamera des Parkhauses in Gelsenkirchen-Buer gingen im Internet viral.© WAZ

Möglicherweise wird niemals geklärt, wie hoch die Beute der Diebe tatsächlich ist. Bei rund 3000 geleerten Schließfächern gehen Experten von einer wahrscheinlichen Schadenssumme von mehr als 100 Millionen Euro aus. Spekulationen über Schwarzgeld, das in der Bank gelagert wurde, machen seit dem Einbruch die Runde. Konkrete Hinweise darauf gibt es aber nicht.

Bilder vom Einbruch in die Sparkassenfiliale in Gelsenkirchen-Buer.
Unter anderem nach diesem Verdächtigen sucht die Polizei nach dem Sparkassen-Einbruch.© WAZ

5. Januar 2026: Es gibt offenbar eine erste heiße Spur: Wie die WAZ aus Ermittlerkreisen erfuhr, hat ein Zeuge am Sonntagnachmittag am Dortmunder Hauptbahnhof zwei Autokennzeichen gefunden und daraufhin die Bundespolizei informiert. Als sich die Beamten die Nummernschilder genauer anschauten, meldeten sie sich umgehend bei ihren Kollegen in Gelsenkirchen. Denn bei den weggeworfenen Kennzeichen handelt es sich möglicherweise um die Schilder, die an den Fluchtfahrzeugen des Gelsenkirchener Sparkassen-Schließfachraubs befestigt waren.

6. Januar 2026: Im Rahmen der umfangreichen Ermittlungen durchsuchen Polizisten die Räumlichkeiten der Bank an der Nienhofstraße. Es sei dabei vorrangig um die Sicherung von Daten betroffener Kunden gegangen, sagte ein Polizeisprecher. Außerdem wollte man sich vor Ort einen objektiven Überblick verschaffen – etwa zur Frage, welche Mitarbeiter Zugang zum Tresorraum hatten, erläuterte er. Es gehe dabei nicht um einen Verdacht gegen die Sparkasse oder einzelne Mitarbeiter, betonte der Sprecher. „Wir haben keinen Verdacht gegen irgendwen“.

Aus Sicherheitskreisen erfuhr die WAZ zuvor, dass Hintergrund der Sparkassen-Razzia der Verdacht auf Weitergabe von Insiderwissen an die Täter ist. Offenbar war die Alarmanlage des Tresorraums nicht eingeschaltet und der Zugang zum benachbarten Archivraum, von dem aus gebohrt wurde, erfolgte durch Nutzung eines achtstelligen Codes. Außerdem soll die Sparkasse bei der bisherigen Ermittlungsarbeit auffallend unkooperativ aufgetreten sein.

Am Abend reagierte die Sparkasse darauf und erklärte in einer knappen Mitteilung, dass man die Ermittlungsbehörden nach Kräften unterstütze und sich in keiner Weise gegen die Herausgabe von geforderten Daten gesperrt habe. Die Staatsanwaltschaft habe „beispielsweise Videoaufnahmen und Listen angefordert, deren Zusammenstellung, Sicherung und Übermittlung mehr Zeit in Anspruch nehmen“, teilte die Sparkasse mit. „Die Herausgabe war uns daher bislang nicht möglich.“ Weitere Angaben machte die Sparkasse nicht.