Es ist eines der markantesten Gebäude entlang der Schalker Meile und seit Jahren ein Ärgernis für Verwaltung und Bürger Gelsenkirchens. Daran ändert auch nichts, dass die Engelsburg, auch bekannt als „gelbes Haus“ vor einiger Zeit blau-weiß angestrichen wurde. Doch mit dem Ärger könnte bald Schluss sein. Denn künftig soll die riesige Schrottimmobilie an der Kreuzung Kurt-Schumacher-Straße/Uechtingstraße dem Erdboden gleichgemacht werden.

Diese Idee der Stadt könnte nun tatsächlich Realität werden, weil es ihr es jetzt gelungen ist, mit Mitteln aus dem Schrotthausprogramm, die Engelsburg und eine weitere Problemimmobilie an der Kurt-Schumacher-Straße 118 zu ersteigern. Ähnliche Versuche waren in der Vergangenheit gescheitert, weil die Stadt bei Zwangsversteigerungen mit Mondpreisgeboten überboten wurde.

Möglich machte das eine Gesetzeslücke, die es Investoren erlaubte, zunächst nur einen Bruchteil ihres Gebots tatsächlich zahlen zu müssen. Bis die Restsumme fällig wurde, hatten sich die Schrotthaus-Käufer längst die Taschen mit überhöhten Mieten vollgemacht und anschließend Insolvenz angemeldet. Diese Gesetzeslücke hatte Ex-Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) vor dem Zusammenbruch der Ampelkoalition noch durch sein Gesetz gegen die Schrotthausmafia weitestgehend schließen können.

Der Gelsenkirchener Politiker hatte beim Schreiben des Gesetzes durchaus auch immer die Engelsburg vor Augen. Ein Erfolg, den sich auch die Stadtverwaltung auf ihre Fahne schreibt. Schließlich habe die Stadt in Berlin immer wieder dafür geworben, der missbräuchlichen Ersteigerung von Schrotthäusern einen Riegel vorzuschieben.

Oberbürgermeisterin Welge kündigt weitere Projekte an

„Dieses Ergebnis ist nur möglich geworden, weil wir verwaltungsübergreifend und in Zusammenarbeit mit städtischen Gesellschaften eine gelungene Gemeinschaftsleistung erbracht haben. Der Ankauf zeigt, dass Verwaltung auch in einem schwierigen Umfeld Erfolge für unsere Stadtgesellschaft möglich machen kann“, freut sich Oberbürgermeisterin Karin Welge.

Die Engelsburg, damals noch in gelb.
Die Engelsburg, damals noch in gelb. © FUNKE Foto Services | Olaf Fuhrmann

So werde künftig im Umfeld der neuen Grundschule an der Kurt-Schumacher-Straße und des neuen Spielplatzes an der Glückauf-Kampfbahn das Quartier aufgewertet. „Das ist nach dem Ankauf im Ahlmannshof und dem Abriss der Emil-Zimmermann-Allee 1 ein weiteres sehr gutes Ergebnis und ich kann versprechen, dass schon bald weitere folgen“, erklärt Welge, die bekanntermaßen im September nicht erneut für das Amt der Oberbürgermeisterin antritt.

Engelsburg weicht: Mini-Park für Klimaanpassung

Zum avisierten Zeitplan macht die Stadt zwar noch keine Angaben, doch klar ist, dass wenn die Engelsburg erstmal abgerissen ist, an Ort und Stelle nicht neu gebaut werden soll. Stattdessen soll ein Mini-Park angelegt und bepflanzt werden. Stadtbaurat Christoph Heidenreich formuliert es so: „Auf der Fläche soll Raum für Klimafolgenanpassung und Starkregenvorsorge in der sehr stark belasteten Kurt-Schumacher-Straße entstehen“.

In einer Mitteilung der Stadt heißt es außerdem, dass „der Ankauf der drei Problemimmobilien unter der Bedingung eines gänzlich lastenfreien Grundbuchs und zum Verkehrswert der Gebäude erfolgt. Der Vertrag enthält weitere Bedingungen, für deren Erfüllung der Verkäufer drei Monate Zeit erhält“. Für die Gebäude wird die Stadt also nur noch das bezahlen müssen, was sie in ihrem jetzigen Zustand wert sind. Zur Summe macht die Stadt in ihrer Mitteilung zwar keine Angaben, Experten zufolge dürfte der Preis für die Engelsburg aber in etwa bei 200.000 Euro liegen.

Bezahlt wird der Ankauf der Schrotthäuser im Rahmen der „Zukunftspartnerschaft Wohnen“ zu 90 Prozent durch das NRW-Bauministerium sowie durch das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen im Rahmen der Städtebauförderung. Die Stadt Gelsenkirchen ist mit einem Eigenanteil in Höhe von zehn Prozent beteiligt.