Es ist eine Nachricht, die einfach nur glücklich macht und tief berührt: Der kleine Giuseppe war erst vor wenigen Monaten schwer an Leukämie erkrankt, die Horster Familie hoffte inständig auf eine Stammzellspenderin, einen Stammzellspender, die oder der bei einer großen Typisierungsaktion im Gelsenkirchener Sportparadies auch gefunden werden konnte. Am 22. April folgte dann die für den Siebenjährigen überlebenswichtige Transplantation. Nun ist klar: Giuseppes Werte haben sich in den vergangenen 30 Tagen mehr als positiv entwickelt – er hat nach Angaben seines Vaters Salvatore Mancuso 100 Prozent Spenderzellen und keine Krebszellen mehr im Blut: „Wir fühlen uns unglaublich erleichtert und befreit.“
Krebskrankem Giuseppe aus Gelsenkirchen rettete Stammzellspende das Leben
„Uns ist ein Riesen-Klotz vom Herzen gefallen, jetzt wissen wir: Die Mühen waren es wert“, sagt der Familienvater auch. Seit einigen Tagen nun schon „leben wir uns wieder zu Hause ein“, berichtet er weiter. Zuvor hatten die Mancusos – zur Familie gehören auch Mutter Melanie und Giuseppes wenige Wochen alte Schwester Emilia – ein Zuhause auf Zeit bezogen.
In unmittelbarer Nähe zum Universitätsklinikum Essen, wo Giuseppe in den vergangenen Wochen behandelt wurde, hatten sie im „Elternhaus“ eine Wohnung bekommen. So waren die Eltern nur wenige hundert Meter von Giuseppe entfernt und schnell zur Stelle, wenn der Kleine sie brauchte. Die meiste Zeit des Tages verbrachten sie aber eh bei dem Siebenjährigen am Krankenbett, immer abwechselnd und in Schutzkleidung wegen der Isolation.
Körperlich sei Giuseppe zwar noch „sehr, sehr schwach“, das Trinken und Essen falle ihm beispielsweise immer noch schwer, mental sei er aber gut drauf. Als die Ärzte die gute Nachricht überbrachten, dass Giuseppes Blut frei von Krebszellen ist, war das Ehepaar Mancuso „überglücklich“ – und der kleine Junge reagierte so: „Ich habe schon lange nicht mehr so viel Freude in seinem Gesicht gesehen“, erinnert sich sein Vater.
Mit seiner kleinen Schwester Emilia auf dem Arm geht Giuseppe das Herz auf
Noch mehr Freude bereitet Giuseppe aber offensichtlich seine kleine Schwester: „Wenn er sie im Arm hält, dann ist sie entspannter als bei Mama und Papa“, berichtet der Familienvater. „Und Giuseppe geht das Herz auf.“ Überhaupt waren das schwierigsten Momente während der Isolation und eben auch nach Emilias Geburt – dass der große Bruder seine kleine Schwester nicht in beziehungsweise auf den Arm nehmen konnte.
Doch diese für die Familie so schwere Zeit ist nun erstmal überstanden. Doch eine gewisse Angespanntheit bleibt, wie Salvatore Mancuso berichtet, als wir ihn am Telefon erreichen, „das werden wir wahrscheinlich nie ganz ablegen können.“ Denn die Krebszellen könnten jederzeit zurückkommen, „das hat man immer im Hinterkopf“. Noch dazu habe Giuseppe einen Gendefekt, der die Reproduktion der Krebszellen verstärke. Und als wirklich krebsfrei gilt Giuseppe erst nach zehn Jahren. Aber: „Das erste Jahr ist das kritischste.“
Giuseppes größter Wunsch ist jetzt: Zeit mit seiner Familie zu verbringen
Bei aller Nervosität und Angespanntheit, bei den Mancusos überwiegen Freude und Glück, auch wenn sich ihr Leben immer noch nicht nach Alltag anfühlt. Die nächsten sechs Monate mindestens noch müssen sie ihre Begegnungen und Kontakte reduzieren, Treffen mit der Familie oder Freunden sind nur mit Maske möglich – schlicht um das Risiko egal welcher Infektion zu minimieren beziehungsweise ganz zu beseitigen.
Dass in Giuseppes Blut nach nur vier Wochen keine Krebszellen mehr nachzuweisen sind, dass es so schnell ging, das habe die Ärzte sehr erstaunt, erzählt Salvatore Mancuso. „Und auch wir hatten gar nicht damit gerechnet, normalerweise dauert es länger, sagen die Ärzte“, fügt der Horster hinzu. Einen Teil dazu beigetragen hat sicherlich die Spende selbst – laut Mancuso enthalte eine solche Spende in der Regel zwei bis acht Millionen Zellen, in Giuseppes Fall seien es aber 13 Millionen Zellen gewesen.
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Demnächst wollen die Mancusos in eine Familien-Reha starten, das sei ihnen vom Krankenhaus so nahegelegt worden. Im nächsten Jahr dann wollen sie ein großes Fest feiern, auch zum Dank für all die Unterstützung, die die Mancusos von so vielen Stellen erreicht hat. Und Giuseppe? Der größte Wunsch des Siebenjährigen ist, Zeit mit seinen beiden Eltern und vor allem mit Emilia zu verbringen. Den „größten Herzenswunsch“, den haben Melanie und Salvatore Mancuso ganz persönlich aber auch – verwirklicht werden kann dieser aber erst in zwei Jahren: „Wir möchten gerne die Spenderin oder den Spender kennenlernen, um ihr oder ihm einfach auch Danke zu sagen.“ Vor allem dafür: „Dass sie oder er es unserem Sohn ermöglicht, weiterzuleben.“