Wenn es nach Vorstandschef Miguel López geht, sollten sämtliche Geschäftsbereiche von Thyssenkrupp verselbständigt werden: nach der Rüstungssparte TKMS nun auch der Werkstoffhandel – und später Geschäfte rund um Autos, Industrieanlagen und den Stahl. Über allem soll künftig nur noch eine schlanke Finanzholding von Thyssenkrupp in Essen stehen. Doch was hätte das für Auswirkungen? Und kann dieser Plan den seit Jahren kriselnden Traditionskonzern wirklich retten?

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Marc Tüngler, der Chef der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), ist im Thyssenkrupp-Podcast zu Gast und schätzt die Lage aus Sicht der Aktionäre ein. Sehen Sie sich die Video-Folge des Podcasts direkt hier an:
Tünglers zentrale These: Thyssenkrupp dürfe notwendige Reformen nicht aufschieben, sondern müsse sie beherzt angehen. In der Vergangenheit seien Entscheidungen stärker auf den Schutz von Arbeitsplätzen ausgerichtet gewesen. Die Folgen hätten die Thyssenkrupp-Aktionäre zu spüren bekommen: Der Aktienkurs sank über Jahre deutlich.
Fehlentscheidungen wirken bis heute nach
Um die heutige Krise zu verstehen, blickt Tüngler im Podcast zurück. In den 2000er-Jahren investierte Thyssenkrupp Milliarden in neue Stahlwerke in Brasilien und den USA. Die Pläne scheiterten und belasteten den Konzern schwer. Tünglers Einschätzung zufolge wirken diese Fehlentscheidungen bis heute nach. Thyssenkrupp habe dadurch Geld verloren, das später für die Erneuerung anderer Geschäfte fehlte.

Diese Entscheidung und dieses in den Sand gesetzte Geld, 12 Milliarden Euro, wirken bis heute nach. Weil: Die Probleme, die Thyssenkrupp heute hat, sind eigentlich nur Reflex dessen, was damals falsch entschieden worden ist.
Marc Tüngler , Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz
Vom Industriekonzern zur schlanken Finanzholding
Thyssenkrupp-CEO Miguel López verfolgt einen radikalen Plan: Die einzelnen Sparten sollen eigenständig werden, sich selbst finanzieren und am Markt behaupten. Tüngler ordnet ein, ob Thyssenkrupp mit dieser Strategie tatsächlich erfolgreich sein kann. Noch sei López mit seinem neuen Ansatz für Thyssenkrupp nicht am Ziel, sein Werk sei „unvollendet“, sagt Tüngler. Und der Umbau werde jetzt schwieriger. Im Video-Podcast sagt Tüngler auch, welche Sparte seiner Einschätzung nach bislang nicht bereit ist für eine Verselbstständigung.

Neben TKMS soll künftig auch der Stahl- und Werkstoffhandel Accelis auf eigenen Beinen stehen. Dieses Geschäft unterscheidet sich jedoch deutlich von der derzeit stark gefragten Marinesparte TKMS. Lässt sich deren Erfolg an der Börse trotzdem bei Accelis wiederholen? Und was passiert mit den übrigen Bereichen – dem Geschäft mit Autoteilen, dem Anlagenbau und vor allem der seit Jahren kriselnden Stahlsparte?

Gerade beim Stahl gehe es laut Tüngler um eine viel grundsätzlichere Frage: Welche Rolle soll die Stahlproduktion künftig in Deutschland spielen – und wie viel Unterstützung darf sie den Staat kosten?
Die ganze Video-Folge des Podcasts gibt es hier im Player:
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