Die Nacht auf den 1. Juli hat es offiziell gemacht: Der Tankrabatt ist Geschichte. Zwei Monate lang hatte die Bundesregierung die Mineralölsteuer gesenkt, um Autofahrerinnen und Autofahrer an der Zapfsäule zu entlasten. Damit ist es seit Mitternacht vorbei. Bundesweit gilt wieder die volle Steuer und das bedeutet rund 17 Cent mehr pro Liter Benzin oder Diesel. Doch den vollen Preisanstieg bekamen die meisten um 12 Uhr mittags zu spüren: Die sogenannte 12-Uhr-Regel erlaubt Tankstellen, ihre Preise nur einmal am Tag zu erhöhen. Was das konkret bedeutet, zeigt sich an der Jet-Tankstelle in der Essener Innenstadt: Um Punkt 12 Uhr kletterte der Preis für Super-Benzin von glatt zwei Euro auf 2,21 Euro hoch. Beim Diesel sprang der Preis noch heftiger: von 1,87 auf 2,15 Euro.

Kein Tankrabatt mehr in NRW: Autofahrer sind frustriert

Um 7.30 Uhr ist am Mittwochmorgen (1. Juli) an den Tankstellen im Essener Süden wenig Betrieb. Lange Schlangen, wie sie für viele am Dienstag bereits zu beobachten waren, gibt es nicht mehr. Die Autos fahren ohne größere Wartezeit an die Zapfsäulen. Die Stimmung? Dennoch gedämpft.

Martin Broska etwa ist extra aus Velbert nach Essen gefahren. Der 51-Jährige hatte den Dienstag verpasst und wollte wenigstens noch vor dem Mittagssprung tanken. „Ich habe gestern leider den Tag verpasst, wo der Tankrabatt noch gilt. Deswegen bin ich heute Morgen zur Tanke gefahren“, sagt er. Auf sein Portemonnaie wirke es sich zwar nicht dramatisch aus, aber: „Es ist natürlich schon frustrierend.“

Ähnlich denkt ein 27-Jähriger, der an dieser Stelle anonym bleiben möchte. Als Pendler fährt er täglich rund 25 Kilometer nach Bochum und kann auf sein Auto nicht verzichten. Die Mehrkosten hat er bereits durchgerechnet, seine Konsequenz: „Ich mache zum Beispiel weniger Ausflüge. Auf das Auto bin ich auf jeden Fall angewiesen, vor allem auf dem Weg zur Arbeit. Da kann ich leider nicht verzichten.“

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Wer also wie Broska heute Morgen noch losgefahren ist, konnte zumindest einen Teil der Mehrkosten vermeiden. Doch günstig ist Tanken längst nicht mehr. Um 8 Uhr kostete ein Liter Super E10 im bundesweiten Schnitt bereits 1,971 Euro. Das sind 13,4 Cent mehr als zur gleichen Zeit am Dienstag. Diesel verteuerte sich sogar um 15,6 Cent auf 1,913 Euro pro Liter.

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Der ADAC über das Tanken: „Der Frust der Autofahrer ist absolut nachvollziehbar“

Der Grund: Viele Tankstellen hatten nach dem großen Preissprung am Dienstagmittag ihre Preise kaum noch gesenkt. Normalerweise fallen die Spritpreise nach dem Mittagssprung nachmittags stark ab. Diesmal blieb dieser Rückgang weitgehend aus, der Preisaufschlag baute sich so Stunde für Stunde auf. Der ADAC kritisiert das scharf. Die Rücknahme des Tankrabatts sei damit „ungerechtfertigt vorweggenommen“ worden. Das Vorgehen sei „fragwürdig, denn noch befindet sich vielerorts günstiger versteuerter Kraftstoff in den Tanks der Tankstellen.“ Was das in der Praxis bedeutete, erlebte WAZ-Redakteurin Annika Fischer am Dienstag selbst: Rund 40 Autos drängten sich in Viererreihen vor einer Tankstelle in Mülheim. Das Ende der Schlange reichte bis weit auf die Straße. An einer anderen Tankstelle in der Stadtmitte blockierten wartende Autos eine große Kreuzung. Der Zorn der Wartenden entlud sich schließlich in Dauerhupen.

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Auch Thomas Müther, Leiter Kommunikation beim ADAC Nordrhein, findet deutliche Worte: „Der Frust der Autofahrerinnen und Autofahrer ist absolut nachvollziehbar.“ Auch er findet, der Preisanstieg sei nicht zu rechtfertigen: „Überall befand sich am Dienstag noch günstig versteuerter Kraftstoff in den Tanks der Tankstellen. Die Preise hätten so deutlich gar nicht anziehen dürfen.“

Der Tankrabatt hatte vom 1. Mai bis zum 30. Juni gegolten. Zwei Monate, in denen der Staat auf Steuereinnahmen von geschätzt rund 1,6 Milliarden Euro verzichtete. Ob sich die Entlastung für die Verbraucherinnen und Verbraucher wirklich ausgezahlt hat, ist umstritten: Laut Bundeskartellamt wurde der Rabatt nur teilweise und regional sehr unterschiedlich weitergegeben.