Am Landgericht Essen wird an diesem Montag (27. April) das Urteil gegen einen Krankenpfleger (32) gesprochen, der schwere Sexualstraftaten an bewusstlosen Patientinnen der Uniklinik Essen begangen haben soll.

In einem Brief an das Gericht hatte eine junge Frau, die er offenbar nach einer Lungentransplantation vergewaltigt hatte, bereits appelliert: „Lasst ihn niemals mehr raus aus dem Gefängnis.“ Die Frau, die nach der Operation schutzlos im Koma lag, leidet auch Jahre nach der Tat an Panikattacken, Depressionen und Alpträumen: Der Mann habe ihre Zukunft zerstört.

Pfleger der Uniklinik Essen machte Videos seiner Taten

Ihr Martyrium steht beispielhaft für insgesamt sechs gewaltvolle sexuelle Übergriffe, um die es in dem Prozess ging. Der Angeklagte hatte die Taten selbst in Fotos und Videos festgehalten, die er an eine Bekannte schickte, die nun mitangeklagt ist.

Die 30 Jahre alte Frau, die mit einer frühzeitigen Anzeige die Sexualstraftaten wohl hätte stoppen und so mehreren Opfern großes Leid hätte ersparen können, unternahm nichts dergleichen. Im Gegenteil: In schwer erträglichen Chatnachrichten feuerte sie den Krankenpfleger teils regelrecht an.

Vor Gericht zeigte sie sich reumütig und ratlos, wie sie so habe handeln können. „Wie kann man derart feindselig und ekelerregend chatten?“, fragte auch der Staatsanwalt in seinem Plädoyer am Mittwoch (22.4.). Gleichwohl forderte er für die 30-Jährige lediglich zwei Jahre Haft – auf Bewährung.

Staatsanwalt nennt Angeklagten eine „tickende Zeitbombe“

Der Hauptangeklagte muss dagegen mit einer langjährigen Gefängnisstrafe rechnen. Er hat die Taten mit einer Ausnahme eingeräumt, ansonsten aber vor Gericht geschwiegen. Der Staatsanwalt fordert für ihn ein lebenslanges Berufsverbot und 14 Jahre Haft: Der Mann sei eine „tickende Zeitbombe“.