Nach den Misshandlungsvorwürfen gegen Pater Christoph Höttges findet Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen deutliche Worte: „Für mich erscheint eine Umbenennung des Pater-Christoph-Höttges-Platzes unausweichlich.“ Der Franziskanerbruder, der 2010 verstorben ist, war 22 Jahre lang im Südostviertel aktiv, prägte den Stadtteil und engagierte sich vielfältig. Nach seinem Tod ist der Platz zwischen Franziskanerstraße, Krampestraße und Burggrafenstraße nach ihm benannt worden. Nun offenbart eine Studie, dass Pater Christoph Jungen misshandelt haben soll.

Essener Pater soll in Vossenack Jungen misshandelt haben

Vor seiner Zeit in Essen war er als Erzieher im Franzikaner-Gymnasium und Internat Vossenack angestellt. Laut einer Studie des Instituts für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) soll er dort in den 1970er-Jahren Jungen misshandelt haben und eine Beziehung zu einem Oberstufenschüler geführt haben.

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Zwei ehemalige Vossenack-Schüler haben gegenüber der Redaktion berichtet, dass Pater Christoph regelmäßig Jungen vor versammelter Mannschaft geohrfeigt und sie an den Koteletten schmerzhaft hochgezogen haben sollen. „Er war brutal, er war ein Sadist“, sagt einer, der von ihm in der Unterstufe in Kunst unterrichtet worden ist.

Öffentliche Ehrungen setzen Vorbilder voraus. Wenn sich herausstellt, dass eine geehrte Person in schwerwiegende Missbrauchstaten verstrickt war oder diese gedeckt hat, ist eine solche Würdigung nicht mehr vertretbar.

Vor der Stichwahl: Thomas Kufen (CDU) und Julia Klewin ( SPD) zu Gast in der Redaktion  im FMO.
Thomas Kufen, Oberbürgermeister

Stadt Essen nimmt Vorwürfe ernst

Nach unserer Berichterstattung über die dunkle Vergangenheit des Paters hat sich Thomas Kufen am Montagmorgen zu Wort gemeldet. „Öffentliche Ehrungen setzen Vorbilder voraus. Wenn sich herausstellt, dass eine geehrte Person in schwerwiegende Missbrauchstaten verstrickt war oder diese gedeckt hat, ist eine solche Würdigung nicht mehr vertretbar“, sagt der Oberbürgermeister.

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Die Hinweise aus der Studie nehme die Stadt sehr ernst: „Die Vorwürfe betreffen schwerwiegende Taten und Vergehen, die großes Leid verursacht haben. Unser Mitgefühl gilt den Betroffenen.“

Man werde nun gemeinsam mit dem Bistum Essen sowie dem für Straßen- und Platzbenennungen zuständigen Ältestenrat darüber beraten, welche Konsequenzen sich aus den Erkenntnissen der Studie ergeben. Auch die Bezirksvertretung wird in das Verfahren zur Umbenennung des Platzes einbezogen.

Pater-Christoph-Höttges-Platz im Essener Südostviertel könnte umbenannt werden

Christian Moschyk (CDU), Bezirksbürgermeister in der BV 1, sagt, man sei von den Erkenntnissen der Studie überrascht worden. „Pater Christoph Höttges war in der Gemeinde angesehen, nicht umsonst ist ein Platz nach ihm benannt worden.“ Er hatte die Bürgerinitiative Südostviertel mitgegründet, unterstützte mit einer Krippenaktion Familien in Notlagen, initiierte einen Mittagstisch für Senioren und förderte den interkulturellen Austausch mit Migranten im Stadtteil.

Nach den neuen Erkenntnissen aus der IPP-Studie sei die Bezirksvertretung offen für eine Umbenennung des Platzes. Man müsse sehen, wer aus dem Stadtteil stattdessen geehrt werden könne, sagt Moschyk, ob man überhaupt jemanden ehren wolle oder einen neutralen Namen wählt. „Wir machen sowas immer in großem Konsens.“ Anfang 2024 war nach Missbrauchsvorwürfen der Kardinal-Hengsbach-Platz am Dom in Friedensplatz umbenannt worden.