Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sowie Kultur- und Wissenschaftsministerin Ina Brandes (CDU) werden gemeinsam mit der Holocaust-Überlebenden Eva Weyl und dem Vize-Vorsitzenden im Zentralrat der Juden in Deutschland Abraham Lehrer am 27. Januar auf der Essener Welterbe-Zeche Zollverein die „Holo-Voices“ eröffnen. Ab dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus sollen die KI- und Technik-gestützten Hologramme von Überlebenden als Zeitzeugen-Dokumente eindringlich an den systematischen Massenmord an Juden durch die Nazis erinnern und vor Wiederholungen warnen.

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Eva Weyl kam 1935 als Tochter eines Textilkaufmanns aus dem niederrheinischen Kleve in den Niederlanden zur Welt. Ende 1942 wurde sie ins KZ-Zwischenlager Westerbork verschleppt, keine 40 Kilometer vor der deutschen Grenze. Westerbork galt als „Portal zur Hölle“: Von dort aus ging es zu den Vernichtungslagern Auschwitz und Sobibor. Erst nach über zwei Jahren im Lager wurde Eva Weyl am 12. April 1945 von kanadischen Soldaten in Westerbork befreit.
Von dem Grauen, das sie als Kind von sieben bis zehn Jahren erlebt hat, wird sie ab dem 27. Januar auf der Essener Zeche Zollverein erzählen. Nicht leibhaftig, aber in Gestalt einer aufwendigen Hologramm-Installation, für die auf der Unesco-Welterbe-Zeche eine eigene Halle derzeit noch umgebaut wird (Halle 8, links vom Eingang zum Red-Dot-Design-Museum). Damit dort „Holo-Voices“ erklingen können.
„Holo-Voices“ auf Zeche Zollverein: Hunderte von Antworten auf mögliche Fragen
Interessierte, vor allem Jugendliche, sollen dort Fragen zu persönlichen Holocaust-Erlebnissen stellen können – und eine Künstliche Intelligenz (KI) präsentiert sofort die passenden Antworten. Eva Weyl hat sich 80 Jahre nach den Ereignissen bei 200 Antworten auf solche Fragen filmen lassen. Hinzu kommen Antworten von Inge Auerbacher und Kurt Salomon Maier auf 900 Fragen, die für das Frankfurter Holocaust-Erinnerungsprojekt „Frag nach!“ aufgenommen wurden. Zudem sollen noch weitere Holocaust-Überlebende für das Projekt interviewt werden, so dass auch ihre Antworten in dem kino-ähnlich abgedunkelten Raum erklingen können. Wer dort aufsteht und eine Frage stellt, bekommt in dem Miniatur-Theater mit Tribüne via Richtmikrofon und KI eine Antwort von der lebensgroßen Hologramm-Figur, die in einem Sessel auf der Bühne „sitzen“ und „sprechen“ wird.
„Holo-Voices“ auf Zeche Zollverein: Abraham Lehrer nennt sie einen „Leuchtturm“
„Es wird nicht mehr lange Zeitzeugen des Holocaust geben“, sagt Kultur- und Wissenschaftsministerin Ina Brandes (CDU), deshalb sei es eminent wichtig, diese „authentischen Stimmen für die Ewigkeit“ zu retten und aufzubewahren. Sie erinnert sich an eine Führung durch das KZ Theresienstadt mit einer Überlebenden, die sie als Schülerin erlebt hat: „Da habe ich zum ersten Mal verstanden, was da eigentlich geschehen ist.“ Dieser tiefe Eindruck habe sie „fürs Leben geprägt“.
Auf eine ähnliche Wirkung hofft auch Prof. Dr. Manfred Bayer, Physiker und Rektor der Technischen Universität Dortmund, die nicht nur ihre KI-Fachkenntnisse einbringt, sondern auch Zeitzeugen-Interviews von Journalismus-Studierenden beisteuert, um „jungen Menschen einen Dialog mit Zeitzeugen des Holocaust zu ermöglichen“. Und Abraham Lehrer, Vizepräsident im Zentralrat der Juden Deutschlands, nennt die „Holo-Voices“ einen „Leuchtturm in Zeiten, in denen der Antisemitismus in beunruhigendem Ausmaß erstarkt“ und unfassbare „40 Prozent aller jungen Menschen nicht wissen, was der Holocaust war. Ich hoffe auf Nachahmung dieses Projekts!“
„Holo-Voices“ auf Zollverein: Finanziert vom Land und drei Revier-Stiftungen
Das 2,3-Millionen-Projekt „Holo-Voices“ ist eines der NRW-Landesregierung, Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) wird die Erinnerungs-Einrichtung am Holocaust-Gedenktag am 27. Januar einweihen. Motor dahinter ist Ina Brandes (CDU), die sich vom Besuch einer ähnlichen Einrichtung in Chicago inspirieren ließ. An der Finanzierung der „Holo-Voices“ sind neben dem Land NRW auch die drei großen Revier-Sponsoren RAG-, Krupp- und Brost-Stiftung, die gemeinsam etwa ein Drittel der Kosten tragen.
Auf die Frage, warum das Projekt „Holo-Voices“ ausgerechnet auf der Welterbe-Zeche Zollverein eine Heimat fand, räumt Ministerin Brandes ein, dass man zunächst überprüft habe, ob sich einer der authentischen Erinnerungsorte in Nordrhein-Westfalen dafür eigne. Von denen aber habe keiner über den ausreichenden Platz und die nötige technische Infrastruktur verfügt. Und die Stiftung Zollverein habe auf die Anfrage der Landesregierung spontan zugesagt. Den Grund brachte Prof. Dr. Ursula Gather, Chefin der Krupp-Stiftung, auf den Punkt: „Die Erinnerung wird Teil des Weltkulturerbes.“
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Und nicht nur die Frankfurter „Frag nach!“-Ausstellung wird Teil der „Holo-Voices“ auf Zollverein; hinzukommen wird auch eine Ausstellung über das enorme Ausmaß an Zwangsarbeiter-Ausbeutung während des Zweiten Weltkriegs auf Zeche Zollverein, kündigte Bärbel Bergerhoff-Wodopia aus dem Vorstand der RAG-Stiftung an; zu den Ewigkeitsaufgaben der Stiftung nach Ende des Bergbaus zählt sie auch die Erinnerung und das Wissen um die Schattenseiten der Lebenswelt der Bergleute.“








