Zusammenfassung
- Die Polizei Essen fahndet weiter intensiv nach Samir Al-Zein, der verdächtigt wird, auf einen Familienvater geschossen zu haben, während ein Kindergeburtstag stattfand.
- Ermittlungen deuten auf eine Auseinandersetzung im Clan-Milieu hin, wobei der Tatverdächtige und das Opfer möglicherweise eigentlich befreundet waren.
- Neben Samir Al-Zein werden zwei unbekannte Männer gesucht, die den Gesuchten bei der Tat am Montag (14.7.) in Essen-Altendorf begleitet haben sollen.
Die Polizei Essen fahndet weiter unter Hochdruck nach Samir Al-Zein. Der 57-Jährige soll für Schüsse auf einen Familienvater (37) verantwortlich sein. Der Tatverdächtige hatte nach Angaben der Ermittler am Montagabend (14.7.) von einem Hinterhof in der Siemensstraße im Stadtteil Altendorf aus auf sein vermeintliches Opfer geschossen. Der 37-Jährige stand hinter einem Fenster seiner Wohnung in einem Obergeschoss. Glücklicherweise verfehlten die Schüsse ihr Ziel. Als der bewaffnete Mann den schmucklosen Hinterhof betrat, fand dort nach Polizeiangaben gerade der Kindergeburtstag eines Kindes des Geschädigten statt.
Eine Mordkommission unter Leitung der Essener Staatsanwaltschaft sowie von Ermittlern der „Besonderen Aufbauorganisation Aktionsplan Clan“ – kurz: BAO Clan – ermittelt seitdem unter Hochdruck. Der Vorwurf gegen Samir Al-Zein: versuchter Totschlag. Da der gefährliche und möglicherweise bewaffnete Tatverdächtige noch nicht gefasst werden konnte, habe man die Fahndungsmaßnahmen nun erweitert und sich dazu entschlossen, neben Fotos des Gesuchten auch dessen Klarnamen zu veröffentlichen. „Wir wissen genau, wen wir suchen“, sagt Polizeisprecher Hendrik Heyer im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir versprechen uns durch das Vorgehen Erfolg und üben massiven Druck auf den Verdächtigen aus.“
Essener BAO Clan geht von einem Streit im Clan-Milieu aus
Die beiden Männer sollen vor der Tat Streit gehabt haben. Warum, ist laut Polizei auch mehr als eine Woche nach der Tat unklar. Kurios ist, dass erste Erkenntnisse darauf schließen ließen, dass die beiden Kontrahenten vom Montagabend (14.7.) miteinander befreundet gewesen sein. Die Essener Clan-Experten gehen trotzdem davon aus, dass es um eine Auseinandersetzung im Clan-Milieu geht. Samir Al-Zein ist laut Polizei 57 Jahre alt und hat die libanesische Staatsangehörigkeit. „Natürlich ist nicht jedes Familienmitglied der Al-Zeins kriminell“, sagt Polizeisprecher Heyer. „Zweige der Großfamilie sind es aber.“ Bei dem mutmaßlichen Opfer der Attacke handelt es sich laut der Behörde um einen 37-jährigen Syrer aus Essen.
Nicht nur nach dem wegen Kokainhandels und anderer Delikte einschlägig vorbestraften Samir Al-Zein sucht die Polizei dringend. „Die Ermittler fahnden zudem nach zwei unbekannten Männern, die den 57-jährigen Libanesen bei der Tat begleitet haben. Während der eine unbekannte Mann mit dem Tatverdächtigen zusammen in den Hinterhof ging, wartete der andere Unbekannte im Fluchtfahrzeug“, heißt es seitens der Behörde.
Das Kennzeichen des grauen Mercedes des Modells E 220 CDI lautet E-QH2756. In dem Hinterhof in der Siemensstraße habe eines der Kinder des 37-jährigen mutmaßlichen Opfers Kindergeburtstag gefeiert, als gegen 19.30 Uhr plötzlich Samir Al-Zein mit einer scharfen Waffe und ein Begleiter aufgetaucht seien.
Polizei Essen Essen hofft auf Hinweise auf den Tatverdächtigen (57)
In der Zwischenzeit sei der Tatort von der Polizei mit Diensthunden sowie durch Kräfte der Einsatzhundertschaft abgesucht worden. Die Route des Fluchtwagens sei außerdem mit Videoaufzeichnungen rekonstruiert worden. Die Wohnung des Tatverdächtigen sei von Spezialkräften durchsucht worden.
Gefasst werden konnte Samir Al-Zein noch nicht. Der 57-Jährige lebt wie sein mutmaßliches Opfer in Altendorf. Ein Kioskbesitzer, der in der Nähe des Tatortes arbeitet, sagte im Gespräch mit unserer Redaktion wenige Tage nach dem Vorfall: „Ja, den kenne ich. Man sagt sich ‚Guten Tag‘ wenn man sich sieht – das war es aber auch.“
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Fotos des Tatverdächtigen hat die Polizei nicht nur im Internet veröffentlicht. Fahndungsplakate werden seit einigen Tagen auch auf digitalen Leinwänden an stark frequentierten Orten wie Bahnhöfen, Einkaufszentren wie dem Limbecker Platz und an Kreuzungen gezeigt.
Wer Hinweise auf den tatverdächtigen Samir Al-Zein geben kann, soll sich umgehend unter der 110 bei der Polizei melden. Von der Behörde heißt es: „Sprechen Sie den Mann nicht an. Der 57-Jährige ist gewaltbereit und möglicherweise bewaffnet.“