„Ein offener Frühstückstreff im geschützten Rahmen“: So beschreibt der neue Betroffenenbeirat im Bistum Essen ein Angebot, das am 23. Juni erstmals stattfinden soll. Man möchte damit Menschen erreichen, die sexualisierte Gewalt unter dem Dach der katholischen Kirche erlebt und erlitten haben. Auch Personen, die bislang keinen Kontakt zu anderen Betroffenen gesucht haben, sind ausdrücklich eingeladen.

Das Frühstück beginnt am Montag, 23. Juni, um 10 Uhr im Pfarrheim Marienheim, Rathgeberhof 5, in Essen. Die Teilnahme ist kostenfrei, Anmeldung nicht erforderlich. Alle Betroffenen, die beim Bistum Essen bekannt und gemeldet sind, hätten eine schriftliche Einladung bekommen, erklärt Wilfried Fesselmann (57), Mitglied des Beirats. Nach seinen Angaben sind dies über 150 Personen, ganz überwiegend Männer. „Es gibt aber viele Betroffene, die mit dem Bistum nichts zu tun haben wollen“, ergänzt er. „Die möchten wir hiermit erreichen.“ Wer möchte, kann am Frühstückstisch auch anonym bleiben.

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Sexueller Missbrauch im Bistum Essen: Beirat unterstützt Betroffene

Der Betroffenenbeirat wurde Ende 2021 geschaffen, damit sich Missbrauchsopfer in die Aufarbeitungsprozesse einbringen können, wie Bistumsrepräsentanten damals erklärten. Nach drei Jahren wurde er im vergangenen November neu gewählt, durch die mehr als 150 Betroffenen, die offiziell bekannt sind. Sieben Männer bilden den Beirat, zwei von ihnen gehören auch der Unabhängigen Aufarbeitungskommission (UAK) des Bistums Essen an.

Mitglieder des neuen Betroffenenbeirats im Bistum Essen bei einem privaten Treffen: (v.li.) Karl-Heinz Rütten, Joachim Schöttler, Peter Klatt, Wilfried Fesselmann, Claudia Marcinek (Referentin), Edgar Randolt und Josef Vennebusch.
Mitglieder des neuen Betroffenenbeirats im Bistum Essen bei einem privaten Treffen: (v.li.) Karl-Heinz Rütten, Joachim Schöttler, Peter Klatt, Wilfried Fesselmann, Claudia Marcinek (Referentin), Edgar Randolt und Josef Vennebusch. © Beirat

Der neue Beirat will „die Aufarbeitungskultur im Bistum Essen kritisch und konstruktiv mitgestalten“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung. Betroffene sollen noch besser unterstützt, der persönliche Zusammenhalt soll gestärkt werden. Aufgrund ihrer oft traumatischen Erlebnisse als Kinder oder Jugendliche hätten viele Missbrauchsopfer massive Probleme, Kontakte zu knüpfen, sich anderen zu öffnen, weiß Wilfried Fesselmann aus eigener leidvoller Erfahrung. „Viele haben Anpassungsstörungen, finden schwer Freunde, keinen Partner.“

Das Frühstückstreffen am 23. Juni soll ein erster Versuch sein, Betroffene zu erreichen, die sich bisher zurückgezogen haben. „Viele brauchen Jahrzehnte, ehe sie über ihre Erfahrungen reden können“, sagt Fesselmann, der selber gegen das Bistum Essen vor Gericht gezogen ist, um ein hohes Schmerzensgeld zu erkämpfen, jedoch vor zwei Monaten vor dem Landgericht Essen unterlag. Der 57-Jährige will vor dem Oberlandesgericht weiter streiten, aber auch helfen, als Mitglied des neuen Betroffenenbeirates. „Wir wollen Kraft schenken“, sagt er. Auch Freizeitangebote, etwa gemeinsame Fahrradtouren, seien geplant.

Ausführliche Infos zum Betroffenenbeirat und zu Hilfsangeboten gibt es auf www.betroffenenbeirat-bistum-essen.de.