Sind die Essener Ärzte nicht engagiert genug, wenn es ums Impfen geht? Eine harsche, am Sonntag veröffentlichte Kritik von Gesundheitsdezernent Peter Renzel im Netzwerk Facebook hat unter Essener Medizinern und ihren Angestellten einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Tenor: Man arbeite nun seit gut anderthalb Jahren stets am Anschlag, irgendwann müssten auch mal freie Tage möglich sein. Renzel hatte unter anderem bemängelt, dass nur vier Essener Praxen sich offiziell bereit erklärten, im Rahmen des „Impfadvents“ auch an Freitagen, Samstagen und Sonntagen offene Impfangebote zu machen.
Bei den Fachärzten gebe es aber weiterhin „Luft nach oben“, betont Renzel
Nach einem Informationsgespräch bei der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, zu der auch Essen gehört, ruderte Renzel am Montag (29. 11.) teilweise zurück. Zwar bleibe er dabei, dass es besonders in Facharzt-Praxen noch „Luft nach oben“ gebe, was das Impfengagement anbelangt, anscheinend sei seine Kritik aber als zu pauschal empfunden worden. Laut KV Nordrhein sind immerhin 240 Praxen in Essen an der Impfkampagne beteiligt. Überwiegend handelt es sich dabei um Hausärzte und Kinderärzte, von denen nur wenige gar nicht impfen.
Diese Ärzte verdienten Dank, so Renzel. „Wenn dieser Dank und diese unbedingte Wertschätzung bisher von mir zu wenig gezeigt wurde, bitte ich die Beteiligten und sich gestern fälschlicherweise pauschal angesprochenen Ärztinnen und Ärzte, sowie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Praxen ausdrücklich um Entschuldigung. Ihre großartige und sehr belastende Leistung in der Pandemie habe und werde ich nicht vergessen.“
Ärzte sagen, ihre Teams benötigten am Wochenende „auch mal Ruhe“
Auch die Bereitschaft, zu unkonventionellen Zeiten zu impfen scheint bei vielen Ärzten größer zu sein als von Renzel am Sonntag behauptet. „Sie haben dies nur nicht veröffentlicht“, so der Gesundheitsdezernent. „Ein Arzt schrieb mir, dass er von einer Impfaktion im Advent noch gar nichts gehört habe.“ Andere sagten allerdings auch, ihr Team benötige „am Samstag und Sonntag auch mal Ruhe, sonst werden die mir krank“. Das, so Renzel, sei nachvollziehbar und richtig.

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Andererseits will der Gesundheitsdezernent auch nicht schönfärben: „Es gibt halt auch Ärzte und Praxen die sich gar nicht beteiligen“, und nur auf die habe er abgehoben. „Ich rufe die Fachärzte und auch die Hausärzte, die es bisher nicht tun, dazu auf, ihre und fremde Patienten zu impfen.“ Dem steht allerdings auch Impfstoff-Mangel entgegen, über den viele Ärzte klagen. „Zugesagte Mengen am Moderna werden nicht geliefert, Biotech viel zu wenig“, so Renzel. Wie diese Lücken zu beheben wären, ist derzeit unklar.




