Der Herbst 2026 startet bei Kinderarzt Dr. Christoph Fangmann anders als gewohnt: „Wir haben gefühlt schon seit zwei bis drei Wochen Winter.“ Ungewöhnlich viele Kinder mit einer Infektion kommen in seine Marxloher Praxis. Seine kleinen Patienten leiden unter Lungenentzündung, Bronchitis oder Pseudokrupp.

Duisburger Kinderarzt spricht von einer Pseudokrupp-Welle

„Bei Pseudokrupp erleben wir aktuell eine regelrechte Welle“, sagt der Mediziner. „Das passt alles überhaupt nicht zu dem schönen, milden Wetter, das wir bisher hatten.“ Eine Erklärung für die frühen Virus-Infektionen hat er nicht. Fest stehe nur: Die meisten Kids stecken sich in der Kita an.

Sorgen müssten sich die Eltern nur selten machen: „Wenn das Kind Husten und Fieber hat, aber ansonsten munter ist, gut schläft, schmust und spielt, muss es nicht zum Arzt“, erklärt Fangmann. Anders ist es, wenn den Eltern etwas komisch vorkommt, das Kind nur noch schläft oder sich Flecken auf der Haut bilden. Dann ist ein Kinderarzt-Besuch angeraten, „um eine Lungenentzündung, Bronchitis oder bakterielle Mittelohrentzündung zu verhindern“.

Grippewelle
Wenn Kinder Grippe haben, steigt das Fieber schnell auf über 40 Grad Celsius. Kinderärzte beginnen bald mit der Grippeimpfung.© Julian Stratenschulte/dpa | Julian Stratenschulte

Interessant ist, was in der Wissenschaft als normal gilt: Kindergartenkinder können bis zu zwei Fieberinfekte im Monat haben. Wenn man Pech hat, dauert einer drei bis fünf Tage. „120 Tage Fieber im Jahr sind also kein Grund zur Besorgnis, können Eltern aber an den Rand der Belastbarkeit bringen“, so Christoph Fangmann. Vielleicht tröstet sie die Aussage: „Beim zweiten Kind wird es besser.“

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Das RS-Virus dagegen kann schnell gefährlich werden. Es ist hochansteckend und löst Atemwegserkrankungen aus, die vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern zu einem schweren Verlauf führen können. „Manche Kinder atmen wie ein alter Bergmann oder landen sogar auf der Intensivstation“, so Fangmann. Die problematischen Fälle seien dank einer Impfung inzwischen rückläufig: „Wir impfen in diesem Jahr in der dritten Saison.“

Dr. Fangmann rät zur RSV-Impfung bei Kleinkindern

Gegen RSV impfen Kinderärzte von Mitte September bis Ende März. „Ich rate den Eltern, Kinder bis zu einem Jahr auf jeden Fall impfen zu lassen. Für sie ist eine Infektion besonders gefährlich.“ Die jährliche Grippeschutzimpfung läuft in diesen Tagen an. „Leider beobachten wir eine zunehmende Impfmüdigkeit“, bedauert Fangmann. „Alles in allem wird meine Praxis in diesem Jahr nicht auf 3000 Impfungen kommen. 2017 waren es noch 7000.“ Er beobachtet zwei Gründe: Ignoranz und Verunsicherung. „Viele folgen den falschen Gurus auf Social Media.“

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Wenn die Eltern wollen, impft der Kinderarzt sie gleich mit. „Trotzdem habe ich für dieses Quartal nur 100 Dosen Grippeschutzimpfung bestellt. Früher habe ich 200 Leute am Tag geimpft.“ Die Entwicklung macht ihm große Sorgen: „Ich befürchte, dass wir die Rückkehr der Kinderlähmung in Deutschland erleben werden.“

Woher der Name Pseudokrupp kommt

„Viele Eltern glauben, dass Pseudokrupp etwas mit ThyssenKrupp zu tun hat“, sagt Kinderarzt Fangmann. Sie vermuten, dass Umweltverschmutzung der Auslöser dafür sei.

Ein weitverbreiteter Irrtum: Der Name leitet sich vielmehr vom englischen Begriff „Croup“ ab. Der bedeutet so viel wie „krächzen“, „heiser schreien“ oder „rau rufen“. Das Wort soll den Klang des Hustens nachahmen. „Kinder, die an Pseudokrupp erkrankt sind, haben einen trockenen, kehligen Husten. Ausgelöst wird die Krankheit immer von Viren“, erklärt der Mediziner.