Nach anderthalb Jahren Pause hat der Jugendring Duisburg jetzt die verdienstvolle Verlegung der sogenannten „Stolpersteine“ fortgesetzt, die an vertriebene und ermordete jüdische Mitbürger erinnern sollen. Diesmal wurden gleich vier Steine zu Ehren der Familie Kalmanowicz an der beschaulichen Lindgensstraße in Röttgersbach verlegt. Vor dem noch originalen, wenn auch mit einer neuen Fassade versehenen Haus, aus dem Helene Chaja Kalmanowicz und Leo Leib Kalmanowicz 1942 vertrieben wurden, nachdem sie ihre Kinder Zilla und Siegmund noch vor der Shoa retten konnten.

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Die Eltern wurden ins deutsche Vernichtungslager Sobibór im heutigen Polen deportiert und dort ermordet. Doch vor ihrem schrecklichen Ende war ihnen gelungen, die beiden Kinder mit einem Kindertransport nach England vor deren Tod zu retten.

Siegmund, geboren 1928, siedelte später nach Kanada um und nahm den Namen Dennis Coleman an. Dessen Sohn, Christopher Coleman, wohnte jetzt der Ehrung im Duisburger Norden zusammen mit zwei Cousinen und einem Cousin sowie weiteren Nachfahren bei. Er erinnerte in bewegenden Worten an seinen warmherzigen und humorvollen Vater, der allerdings kaum über die schreckliche Familiengeschichte gesprochen hatte.

Duisburger verlegen in Röttgersbach Stolpersteine für die jüdische Familie Kalmanowicz

„Ich bin sehr beeindruckt, dass ich heute hier sein kann. Mein Vater verbrachte die meiste Zeit in England und dann in Kanada, aber heute kommt seine Geschichte zurück nach Duisburg. Der Name Siegmund Kalmanowicz und seiner Familie wird Teil der Geschichte dieser Stadt“, sagte Christopher Coleman und ergänzte: „Deshalb bedeutet dieser Stolperstein so viel für meine Familie hier in Deutschland und in Kanada und für mich selbst. Er erinnert nicht nur daran, was meinem Vater und seiner Familie genommen und angetan wurde, sondern es erinnert daran, wer sie waren.“

Vier Stolpersteine in Erinnerung an die Familie Kalmanowicz
Christopher Coleman (hinten links) ist mit seiner Familie und weiteren Verwandten nach Röttgersbach gekommen, weil Stolpersteine für seine Großeltern und Eltern an der Lindgensstraße verlegt wurden.© FUNKE Foto Services | Kerstin Bögeholz

Tatsächlich wäre der Name Kalmanowicz vergessen geblieben, wenn nicht der Jugendring und das dem Duisburger Stadtarchiv verbundene „Zentrum für Erinnerungskultur“ so intensiv den Spuren der Familie nachgegangen wären. So wie man es in Duisburg schon mit den Schicksalen im Umfeld der bisher 330 verlegten Stolpersteine getan hat. Jenen goldenen Steinen, die die „Stiftung – Spuren – Gunter Demnig“ spendet.

Christina Schubert vom Jugendring und vor allem Johanna Ritzel vom Stadtarchiv ermittelten detailgenau die Geschichte der Familie Kalmanowicz, die, aus Polen stammend, in Duisburg ihre neue Heimat fand. Für viele Duisburger Jüdinnen und Juden endete der Weg jedoch in Flucht, Ghettos und Vernichtungslagern. „Über 1600 Menschen wurden deportiert und mindestens 1462 der Männer, Frauen und Kinder wurden durch das NS-Regime ermordet“, erläuterte Johanna Ritzel. „Hinter jeder dieser Zahlen stand ein Mensch, eine Familie und eine Lebensgeschichte.“

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Über die tragischen Schicksale der vielen Menschen hinaus betonte sie die weitreichende Bedeutung der Stolpersteine: „Gleichzeitig erinnern uns Stolpersteine daran, dass die Shoa nicht erst in den Vernichtungslagern begann. Sie begann hier mit Ausgrenzung, mit Boykotten, mit öffentlicher Demütigung und Gewalt gegen Nachbarn.“

Hinweis der Redaktion: In der Ursprungsversion des Artikels hieß es: „Die Eltern wurden ins polnische Vernichtungslager Sobibor deportiert...“. Diese Aussage ist falsch und wurde im Text entsprechend korrigiert. Wir bitten um Entschuldigung.