Großkontrolle am Weißen Riesen: Am frühen Dienstagmorgen sind etliche Kräfte von Polizei und Stadt in Duisburg-Hochheide im Einsatz.
Großkontrolle am Weißen Riesen: Am frühen Dienstagmorgen sind etliche Kräfte von Polizei und Stadt in Duisburg-Hochheide im Einsatz.© Funke Medien NRW | Nick Kaspers

Die Straße ist dicht, die Fahrstühle sind stillgelegt und vor der Haustür steht eine Hundertschaft: Ein Großeinsatz hat die fast 900 Bewohner des berüchtigsten Hochhauses in Duisburg am Dienstagmorgen überrascht.

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Die Stadt führte eine melderechtliche Kontrolle am Weißen Riesen (Ottostraße 58-64) durch. Das heißt, Ordnungshüter überprüften, ob sich in bestimmten Wohnungen die Personen aufhielten, die dort gemeldet sind.

Meldekontrolle am Weißen Riesen in Duisburg: Behörden wollen Verstöße aufdecken

Ziel war es, mögliche Verstöße gegen das Melderecht zu erkennen. Dadurch wird oftmals Sozialleistungsmissbrauch aufgedeckt.

Die Ottostraße vor dem Weißen Riesen ist am Dienstagmorgen voll mit Polizei.
Die Ottostraße vor dem Weißen Riesen ist am Dienstagmorgen voll mit Polizei.© privat | privat

Die Polizei begleitete den Einsatz mit 62 Kräften. Vor Ort waren unter anderem Beamte der Kripo und Kräfte der Bereitschaftspolizei, sagte Sprecher Daniel Kattenbeck. Seitens der Verwaltung waren 16 Mitarbeiter des Städtischen Außendiensts (SAD) und vier Beschäftigte der Ausländerbehörde beteiligt.

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Einsatz knüpfte an Großkontrolle aus 2024 an

Eine vergleichbare Meldekontrolle – aber in einem viel größeren Ausmaß – hatte es bereits am 29. Oktober 2024 gegeben. Damals rückten rund 400 Einsatzkräfte zum Weißen Riesen aus, um sämtliche Wohnungen zu überprüfen. Noch am selben Morgen führte die Polizei 16 Personen ab, die wegen illegalen Aufenthalts verdächtigt wurden.

Die Behörden trafen nicht mal die Hälfte der damals gemeldeten Personen (1414) an. Dafür stellten sie 124 Menschen vor Ort fest, die keinen Wohnsitz an der Ottostraße 58-64 hatten. Bei rund 120 Wohnungen öffnete niemand die Tür.

Ordnungsamt und Polizei überprüfen, ob sich in bestimmten Wohnungen die Personen aufhalten, die dort gemeldet sind.
Ordnungsamt und Polizei überprüfen, ob sich in bestimmten Wohnungen die Personen aufhalten, die dort gemeldet sind.© Funke Medien NRW | Nick Kaspers

Die aktuelle Kontrolle knüpfte an den Einsatz aus Herbst 2024 an, wie Stadtsprecherin Gabi Priem am Dienstag sagte: „Es werden heute gezielt die Wohnungen überprüft, die damals nicht bezogen waren, also bei denen niemand geöffnet hat oder bei denen keine Mietverträge bestanden.“

Die Bilanz zur Meldekontrolle am Dienstag

Im Fokus standen 209 Personen aus 158 Haushalten, die seit September 2025 zugezogen waren, hieß es am Nachmittag. Sie sollten überprüft werden. Zwei Drittel von ihnen waren am Dienstag aber nicht vor Ort. „In diesen Fällen wird die Abmeldung von Amts wegen geprüft. Außerdem erfolgen Mitteilungen an das Jobcenter und die Familienkasse“, teilt die Stadt mit.

Unabhängig vom Zuzug trafen die Behörden insgesamt 192 Bewohner an, von denen drei Viertel an den Adressen gemeldet sind. 50 angetroffene Personen haben jedoch keinen Wohnsitz im Hochhaus. Ihre Personalien übermittelten die Mitarbeiter des SAD an die entsprechende Meldestelle.

Auch die Polizei wurde im Weißen Riesen fündig. Beamte verhafteten einen 32-Jährigen, „der von drei Staatsanwaltschaften wegen der Beteiligung an verschiedenen Vermögensdelikten gesucht wird“. Zudem nahmen sie einen 23-jährigen und einen 41-jährigen Mann vorläufig fest. Beide halten sich offenbar unrechtmäßig in Deutschland auf. Gegen sie läuft nun ein Strafverfahren.

Im Unterschied zum Einsatz vor eineinhalb Jahren habe es jetzt keinen konkreten Verdacht auf Meldeverstöße gegeben, meinte Sprecherin Gabi Priem. „Es handelt sich um eine reguläre Meldekontrolle, die so überall laufen könnte.“ Zurzeit sind 870 Personen an den vier Hausnummern in Hochheide gemeldet.

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Polizisten stoßen auf Fäkalien im Treppenhaus

Was am Morgen vor Ort auffiel: Diesmal verlief die Kontrolle deutlich ruhiger. Im Oktober 2024 zog der razziaähnliche Einsatz etliche Kamera- und Reporterteams an, der Polizeichef und Duisburgs Oberbürgermeister gaben Interviews – davon war am Dienstag keine Spur. Das Viertel bekam wenig von der Aktion mit. Lediglich der Wendehammer direkt vor dem Hochhaus war dicht.

Mehrere Mieter, die mit ihren Hunden Gassi gehen wollten, nannten ihre Personalien und durften das Hochhaus verlassen. Polizisten und SAD-Mitarbeiter sammelten sich im Eingang des jeweiligen Gebäudetrakts und gingen dann durch die 20 Etagen. Im Haus Nummer 60 hielten sich einige die Nase zu, denn im Treppenhaus stießen sie auf Fäkalien.

Die Aktion war ursprünglich auf zwei Tage angelegt. Doch weil der Einsatz offenbar reibungslos verlief, wurden die Kräfte bereits am Dienstag fertig.

Was aus der Maßnahme folgt, bleibt abzuwarten. Infolge der ersten Meldekontrolle flog jedenfalls ein massiver Sozialleistungsmissbrauch auf. Die Familienkasse stoppte die Zahlung von Kindergeld für 59 Kinder. An ihre Familien waren insgesamt 177.000 Euro offenbar zu Unrecht ausgezahlt worden. Außerdem strich die Stadt Duisburg knapp 500 Wohnsitze aus dem Melderegister.

Weißer Riese: Infos zum Problem-Hochhaus

Das Gebäude Ottostraße 58-64 ist einer von drei verbliebenen Weißen Riesen in Duisburg-Hochheide. Mit 320 Wohnungen ist es doppelt so groß wie die anderen beiden Hochhäuser. Zuletzt waren dort zwischen 800 und 900 Bewohner gemeldet.

Der Weiße Riese gehört einer Eigentümergemeinschaft aus rund 120 privaten Besitzern, Firmen und Erbgemeinschaften. Derzeit werden immer wieder Wohnungen zwangsversteigert. Sie gehören meist einer Immobiliengesellschaft aus Berlin, die hohe Schulden bei der Gemeinschaft, Hausverwaltung und Stadt hat.

Das Hochhaus gerät durch anhaltende Missstände immer wieder in die Schlagzeilen. Dazu gehören wilder Abfall, Sperrmüll, Ratten, Kakerlaken, Tauben in leerstehenden Wohnungen und Lärmbelästigung.

Bundesweit bekannt wurde der Riese vor zwei Jahren, als die Deutsche Post aus Sicherheitsgründen keine Pakete mehr zustellte. Auch der Lieferdienst Picnic beliefert das Haus nach Übergriffen auf Mitarbeiter nicht mehr.