Spätestens seit dem Erfolg der Serie „The Big Bang Theory“ weiß jeder, dass Physik auch Spaß machen und interessant sein kann. Vor allem, wenn man selbst Hand anlegen darf. Und genau das machen Sven Platen und Tim Burisch bei einem seltenen Experiment in Duisburg.

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Am Donnerstag starteten sie ihren allerersten, offiziell angemeldeten, versicherten und mit sensibler Messtechnik ausgestatteten Wetterballon. Beim Start läuft passende Musik im Hintergrund, die von „99 Luftballons“ und „Über den Wolken“ erzählt. Ganz viele Schülerinnen und Schüler des Rumelner Albert-Einstein-Gymnasiums sind auf den Sportplatz gekommen, um den Start live mit einem lautstarken Countdown zu begleiten.
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Einzigartiges Experiment am Gymnasium: Sonde fliegt höher als Flugzeuge
„Das ist mega spannend. Wir haben ganz viele Sensoren angebracht und können zusätzlich mit einer Kamera live beobachten, wie sich die Flüssigkeiten verhalten“, erzählt Sven, während er auf die Reagenzgläser hinweist. Sie steigen mit dem großen Ballon in bis zu 35 Kilometer Höhe. Damit ist die Sonde dreimal höher als Verkehrsflugzeuge unterwegs.

Das Experiment wird im Rahmen des Projektkurses Astronomie am Gymnasium durchgeführt. Sven und Tim bekommen am Ende des Schuljahres auch eine Note für ihre Arbeit. Es ist das erste Mal, dass das AEG einen derartigen Versuch durchführt.
„Wir wollen etwa zehn bis 14 belastbare Messergebnisse vorweisen. Zum Auslesen haben wir eine eigene Software programmiert und sind schon sehr gespannt“, erzählt Tim. Es soll primär evaluiert werden, wie sich die unterschiedlichen Flüssigkeiten bei sich ändernden Druck- und Temperaturverhältnissen verhalten. Deswegen sind auch ein digitales Thermometer und ein Luftfeuchtigkeitsmesser mit an Bord.
Nachwuchsforscher und Lehrerin organisieren „ein kleines Raumfahrtprogramm“
„Das Ganze ist tatsächlich wie ein kleines Raumfahrtprogramm. Man muss sorgfältig planen, Genehmigungen einholen, die Finanzierung regeln. Das ist auch aus der Warte heraus sehr interessant“, fügt Lehrerin Franziska Malik hinzu, die genauso aufgeregt und angespannt ist wie ihre Schüler.
Das Ganze ist tatsächlich wie ein kleines Raumfahrtprogramm. Man muss sorgfältig planen, Genehmigungen einholen, die Finanzierung regeln. Das ist auch aus der Warte heraus sehr interessant.
Franziska Malik, Lehrerin
Während die Jugend sich um die Hardware gekümmert hat, hat sie den nötigen Papierkram erledigt. „Die Genehmigung beim Luftfahrtbundesamt haben wir sehr schnell bekommen, das hat nur ein paar Tage gebraucht.“ Zusätzlich musste eine Luftfahrthalterhaftpflichtversicherung abgeschlossen werden, aber auch das ging problemlos.
Jetzt musste nur noch das Wetter mitspielen, denn wenn die Bewölkung mehr als 50 Prozent beträgt, dann klappt das Experiment nicht. „Wir haben im Baumarkt eine große Flasche Helium gekauft und werden die gleich auch komplett leer machen“, erläutert Frau Malik weiter.

Wetterballon fliegt wohl durchs ganze Ruhrgebiet
3600 Liter passen in den Ballon, der dann mit flotten 4,5 Metern pro Sekunde in die Luft steigt. Zum Vergleich: Hochgeschwindigkeitsaufzüge erreichen ungefähr sechs Meter pro Sekunde.
Den Ballon an sich haben die Schüler nicht selbst genäht, sondern als Komplett-Set in einem offiziellen Wetterballon-Shop bestellt. Kostenpunkt: rund 1400 Euro. „Wir haben Fördergelder erhalten, ein bisschen das Schulbudget angezapft, der Förderverein hat geholfen und ganz viele Mitschüler und Mitschülerinnen haben Weltraumwaffeln gebacken und verkauft“, erklärt Franziska Malik.

Sonde ist planmäßig gelandet
Steuern kann man den Ballon nicht, er lässt sich einfach vom Wind treiben. „Wir haben eine App, mit der man ungefähr berechnen kann, welchen Weg er nehmen wird“, erklärt Sven. Zusätzlich ist ein GPS-Peilsender angebracht, mit dem die beiden Schüler ihn problemlos verfolgen können.
„Wenn der Ballon gestartet ist, dann setzen wir uns ins Auto und nehmen die Verfolgung auf“, erklärt Tim weiter. Vorab vermutete er, dass die Reise Richtung Bochum geht. Die beiden haben berechnet, dass das gute Stück etwa 50 Kilometer weit kommen wird.
Und tatsächlich landete die Sonde nach drei Stunden auf einer Wiese in der Nähe von Witten. Sven, Tim und Franziska Malik haben sie erfolgreich geborgen. Nun werden die Messergebnisse ausgewertet.




