Lkw-Fahrer und Pendler, Ruhrorter und Radfahrer atmen auf: Der Oberbürgermeister-Karl-Lehr-Brückenzug ist wie ursprünglich angekündigt seit Samstagmittag wieder befahrbar. Oberbürgermeister Sören Link und Wirtschaftsbetriebe-Vorstand Sebastian Beck haben die siebenwöchige Sperrung der innerstädtischen Nord-Süd-Verbindung und Hafenanbindung um 14 Uhr aufgehoben.

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Unter dem Getrommel des „Samba Syndikat Trio“ und vor etwa 200 Schaulustigen durften als Erstes Automobil-Liebhaber aus dem links- und rechtsrheinischen Duisburg über die querverschobenen Brücken fahren: Mitglieder des Vereins „Stammtisch Käfer & Co. Rhein-Ruhr“ steuerten ihre VW-Oldies unter dem Beifall der Zaungäste und Offiziellen von Ruhrort nach Kaßlerfeld.

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Neuer Oberbürgermeister-Karl-Lehr-Brückenzug: „Wenn alles gut läuft, haben wir jetzt 100 Jahre Ruhe“

Die Wirtschaftsbetriebe Duisburg (WBD) und die Firma Max Bögl haben somit „eine Punktlandung hingekriegt“, freute sich Oberbürgermeister Sören Link. „Duisburg kann ganz offensichtlich Großprojekte.“ Die von der Sperrung betroffenen Duisburgerinnen und Duisburger hätten „die Einschränkungen über Jahre sehr tapfer ertragen“, so der OB. Die Erneuerung des Brückenzuges hatte bereits 2015 begonnen, der zweite und größte Bauabschnitt – mit dem Neubau der Kaiserhafenbrücke, der Hafenkanalbrücke und der Ruhrbrücke – war 2020 gestartet worden.

Mitglieder des Vereins „Stammtisch Käfer & Co. Rhein-Ruhr“ durften ihre VW-Oldies zuerst über den Brückenzug steuern.
Mitglieder des Vereins „Stammtisch Käfer & Co. Rhein-Ruhr“ durften ihre VW-Oldies zuerst über den Brückenzug steuern.© FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

WBD-Vorstand Sebastian Beck beruhigte die zur Wiedereröffnung gekommenen Bürger aus Ruhrort, Kaßlerfeld und Meiderich: „Das ist ein Jahrhundertbauwerk. Wir haben die Bauteile auf 100 Jahre dimensioniert. Wenn alles gut läuft, haben wir jetzt 100 Jahre Ruhe.“ Link und Beck verteilten viel Lob an die Beteiligten, Beck hob neben den Bauarbeitern zwei Männer hervor, „ohne die wir heute nicht fertig wären“: seinen Vorgänger Uwe Linsen und Arthur Brakowski, Bauleiter der Wirtschaftsbetriebe.

Freigabe für die Straßenbahn deutlich früher als angekündigt?

Brakowski leitet die Großbaustelle seit 2020: „Corona, Ukraine-Krieg … alles, was es an Unheil gibt, haben wir hier überstanden. Jetzt bin ich einfach nur sehr erleichtert, dass die Autos über die Brücken fahren“, sagte er nach der Freigabe. Um dann darauf zu verweisen, dass auf der Brücken-Baustelle noch monatelang weitergearbeitet wird: Es stehen vor allem Erdarbeiten und Straßenbau an, auch die Oberleitungen für die Straßenbahn sind noch nicht installiert.

Gaben die Brücke für den Verkehr frei (von links): WBD-Vorstand Sebastian Beck, Sarah Philipp, Co-Vorsitzende der NRW-SPD, Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link und Arthur Brakowski, Bauleiter der Wirtschaftsbetriebe.
Gaben die Brücke für den Verkehr frei (von links): WBD-Vorstand Sebastian Beck, Sarah Philipp, Co-Vorsitzende der NRW-SPD, Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link und Arthur Brakowski, Bauleiter der Wirtschaftsbetriebe.© FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Fußgänger, Radfahrende, Auto- und Lkw-Fahrer – alle dürfen wieder über die neue Brücke fahren, aber die 901 weiterhin nicht: Statt der Straßenbahnen setzt die DVG seit Samstag immerhin Ersatzbusse zwischen Ruhrort und Kaßlerfeld ein, sodass ihre Kunden nicht mehr zeitaufwendig über den Meidericher Bahnhof ausweichen müssen.

Wirtschaftsbetriebe und DVG hatten ursprünglich angekündigt, dass der Brückenzug für die Straßenbahnen und ihre Passagiere erst am 11. Juli wieder freigegeben wird. Bauleiter Arthur Brakowski macht Hoffnung, dass der Anschluss ans Schienennetz deutlich früher vollendet sein könnte: „Wir sind gut in der Zeit. Ich denke, dass wir schon Mitte Juni fertig sind.“

Techniker aus Ruhrort: „Bin heilfroh, dass das jetzt vorbei ist“

Die feierliche Eröffnung wollten sich auch Christel Dommermuth und Joachim Hoppe nicht entgehen lassen, sie hatten ihren Enkel Ben mitgebracht. Dommermuth und Hoppe wohnen auf Ruhrorter Seite in der Nähe der Brücke und mussten in den vergangenen sieben Wochen einen zehn Kilometer langen Umweg in die Innenstadt radeln. Für die Sperrung hatten sie dennoch Verständnis: „Die Ingenieure und Bauarbeiter haben hier eine geniale Leistung vollbracht“, lobt Hoppe. Einen Vorteil hatte die Sperrung auch noch: „Wir hatten sieben Wochen lang keinen Verkehrslärm.“

Aaron aus Meiderich dagegen hat sich darüber geärgert, „dass die Brücke so lange gesperrt war – und dann auch noch für Fußgänger und Fahrradfahrer“. Der 40-Jährige fährt jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit in die Innenstadt und freut sich nun, wieder die Radwege der neuen Brücken befahren zu können. „Die Strecke übers Wasser ist einfach schön.“

Für Elmar Bockermann aus Meiderich war die siebenwöchige Sperrung besonders anstrengend und zeitraubend. Er arbeitet in Ruhrort bei der Firma Union Technik. Als Techniker im Tankstellenservice fährt er jeden Tag mit einem 3,5-Tonnen-Werkstattwagen über den Brückenzug Richtung A40. Das ging sieben Wochen lang nicht. „Ich habe vor allem nachmittags im Stau gestanden, die A59 ist ja eh schon verstopft, dazu kam die Sperrung im Kreuz Kaiserberg. Ich bin heilfroh, dass das jetzt vorbei ist.“

Kaßlerfelder Kreisel wird 2027 zu einer Kreuzung umgebaut

Der Brückenzug zwischen Ruhrort und Kaßlerfeld, über den an Werktagen im Schnitt etwa 25.000 Fahrzeuge rollen, war seit dem 18. April voll gesperrt. Auf den Umleitungsstrecken für Autos und Lkw staute sich der Verkehr in den ersten Tagen teilweise massiv und die marode Berliner Brücke (A59) musste noch mehr Verkehr verkraften. Das befürchtete innerstädtische Verkehrschaos blieb aber weitestgehend aus.

Der Grund für die Vollsperrung: Die beiden neuen, im Dezember 2023 eingeschwommenen Brücken des Ersatzbauwerks – Ruhrbrücke und Hafenkanalbrücke – mussten in ihre Endlage 34,4 Meter nach Osten verschoben werden. Die Firma Max Bögl und die Wirtschaftsbetriebe errichteten danach die Rampen und allerlei Anschlüsse neu, um die Brücke ans Verkehrsnetz anzuschließen.

2027 startet an der Brücke der Umbau des Kaßlerfelder Kreisverkehrs zu einer Kreuzung.
2027 startet an der Brücke der Umbau des Kaßlerfelder Kreisverkehrs zu einer Kreuzung.© FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Die Bauarbeiten werden noch bis in den Herbst andauern. Voraussichtlich im Sommer 2027 startet direkt an der Zufahrt zum Brückenzug der Umbau des Kaßlerfelder Kreisverkehrs zu einer Kreuzung. So sollen die Straßenbahnverbindung beschleunigt und die Verkehrssituation insbesondere für Radfahrer und Fußgänger verbessert werden (wir berichteten). Der Verteilerkreisel ist durch den Schwerlastverkehr zum Hafen überlastet. Zuletzt rechnete die Stadtverwaltung mit Umbaukosten in Höhe von etwa 18 Millionen Euro.

Kostensteigerungen und Förder-Millionen vom Land

Preissteigerungen, längere Bauzeiten, veränderte Abläufe und Verfahren, Materialengpässe und Verzögerungen: All das hat nach Angaben der Stadt dazu geführt, dass der zweite Bauabschnitt des Ersatzneubaus für den OB-Karl-Lehr-Brückenzug sehr viel teurer wird als geplant.

Die Stadt hatte 2008 noch mit unter 100 Millionen Euro für den Neubau gerechnet, zuletzt bezifferte sie die Baukosten auf 181 Millionen Euro. Der Rat hatte den Kostensteigerungen zugestimmt. Sebastian Beck sprach im Ausschuss zuletzt von 190 Millionen Euro.

NRW-SPD-Chefin Sarah Philipp beteiligte sich an der Wiedereröffnung, weil in die Erneuerung des Brückenzuges nach dem letzten bekannten Stand mindestens etwa 97 Millionen Euro Förderung aus vom Land NRW getragenen ÖPNV-Förderprogrammen flossen.

Kritik: „Schlampig“ und „lebensgefährlich“

Fahrrad-Aktivist Wolfgang Dewald erneuerte am Wochenende die Kritik des ADFC an der Umleitungsstrecke für Radfahrende während der Sperrung. Die Stadt habe die zehn Kilometer lange Umleitung „schlampig“ und „lebensgefährlich“ umgesetzt und so auch bei zahlreichen auswärtigen Radwanderern auf dem internationalen Rheinradweg einen miserablen Eindruck hinterlassen. Sein Youtube-Video sehen Sie unten:

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