Diese Nachricht kommt überraschend: Es wird keine neue Oper in Düsseldorf geben. Das hat Oberbürgermeister Stephan Keller am Freitag (6. Juni) in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz im Rathaus mitgeteilt. „Wir haben uns entschieden, den Neubau zu stoppen. Wir können nicht guten Gewissens so ein Projekt angehen“, erklärte der OB sichtlich angeschlagen. Als er davon erzählte, dass er am Morgen die Opernleitung über diese Entscheidung informiert und „noch nie in so enttäuschte Gesichter geschaut“ habe, brach dem Rathauschef kurz die Stimme weg.

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Hintergrund sind die finanziellen Probleme Düsseldorfs. Im städtischen Pressetext liest sich das so: „Die Stadt richtet ihre Investitionsplanung an den aktuellen finanziellen Rahmenbedingungen aus.“ Oberste Priorität des städtischen Handelns sei die Wahrung der kommunalen Entscheidungshoheit. Und weiter: „Ziel ist ein Haushalt, der so solide aufgestellt ist, dass er langfristig tragfähig bleibt.“ Im Haushalt klafft eine Lücke von rund 470 Millionen Euro. Mittelfristig sei keine Besserung in Sicht, sagte Keller am Freitag. Es gebe auch keinen Grund für Optimismus. „Niemand fällt es schwerer, dieses Projekt zu stoppen, als mir“, so der OB.

Opern-Neubau: Grundstück am Wehrhahn ging vor zwei Jahren an die Stadt Düsseldorf

Seit dem 13. November 2025 stand eigentlich das favorisierte Design für die neue Oper am Wehrhahn fest. Das norwegische Büro „Snøhetta Oslo AS“ hatte damals die Jury mit seinem Entwurf überzeugt. Es sollte drei Baukörper geben, der höchste rund 58 Meter hoch. Daraus wird nun nichts. Es wird an dieser Stelle definitiv keinen Neubau geben. Das betonte Keller am Freitag auf Nachfrage der Journaille. Die Entscheidung für den Standort Wehrhahn hatte der OB vor knapp zwei Jahren bekannt gegeben. Er war damals auf den Insolvenzverwalter der Signa-Gruppe zugegangen und habe die „einmalige Gelegenheit“ gehabt, „in einem engen Zeitfenster Zugriff auf das Grundstück zu bekommen“. Das Areal Am Wehrhahn/Oststraße (Kaufhof) soll damals für einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag an die Stadt gegangen sein.

„Es bleibt ein Filet-Grundstück“, sagte Keller nun am Freitag. „Und wir wollen jetzt dort Alternativen zur Opern-Nutzung suchen.“ Es mache keinen Sinn, das Areal jetzt auf den Markt zu werfen, wie Keller es ausdrückte. Der 55-Jährige sprach in einem Nebensatz von der möglichen „Entwicklung von Bürogebäuden“.

Keller, Koch, Oper
Sichtlich angeschlagen: OB Stephan Keller und Dezernentin Miriam Koch während der PK zum Opern-Aus.© NRZ | Stephan Wappner

Was aber wird jetzt aus der Düsseldorfer Oper? Stand jetzt ist wohl der klare Plan, das Bestandsgebäude an der Heinrich-Heine-Allee so herzurichten, dass es spielfähig bleibt. Das war übrigens schon immer die Forderung von nicht unerheblichen Teilen der Düsseldorfer Politik und Stadtgesellschaft. Keller sagte am Freitag dazu: „Die Frage lautet jetzt, mit welchen Ressourcen wir das Bestandsgebäude erhalten können.“ Seine Dezernentin Miriam Koch, die bei der PK im Rathaus ebenfalls anwesend war, ergänzte: „Auch für mich ist das heute kein freudiger Tag. Aber: Wir arbeiten nun weiter an unserer Oper, nur unter veränderten Rahmenbedingungen.“

Düsseldorf hat große finanzielle Probleme

In Düsseldorf hat Kämmerin Dorothee Schneider jüngst eine haushaltswirtschaftliche Sperre von 80 Millionen Euro verhängt, als Reaktion auf das hohe Haushaltsdefizit von rund 390 Millionen Euro für das Jahr 2026, durch das die Stadt ihre finanziellen Rücklagen fast vollständig aufbrauchen muss. „Rund dreißig Jahre lang bestand Kommunalpolitik aus der Verteilung von Zuwächsen, das ist nun vorbei“, so Keller. Man könne weiterhin notwendige Investitionen tätigen, „aber wir müssen uns auf die Dinge konzentrieren, die unausweisbar sind“. Keller nannte als Beispiel den Neubau der Theodor-Heuss-Brücke oder die Erneuerung des Brandschutzes in Düsseldorfs U-Bahn-Stationen.

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Bei einer Haushaltssperre wird die Freigabe von bestimmten städtischen Ausgaben blockiert, um das Eigenkapital der Stadt zu schützen und unkontrollierte Mehrausgaben zu vermeiden. Heißt: Die Kämmerei muss jeden Ausgabeposten im Einzelfall prüfen. Der Haushalt für 2026 wurde erst im März verabschiedet. Da die Bezirksregierung den Etat aber noch formal bestätigen muss, befindet sich die Verwaltung in einem vorläufigen Haushaltsmodus, in dem ohnehin nur Pflichtausgaben und vertragliche Verpflichtungen getätigt werden. Die Stadtspitze versucht aktuell, grundlegende freiwillige Leistungen (beitragsfreien Kita-Besuch) zu schützen. Dennoch schlagen die Kürzungen bereits an die Substanz sozialer und kultureller Projekte.

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Vor einem solchen Hintergrund ließ sich ein milliardenschwerer Prestigebau scheinbar schlecht verkaufen. Dabei sollte eigentlich im nächsten Schritt für das Opernhaus der Zukunft das Beauftragungsverfahren auf dem Programm stehen, in dem alle für das Projekt wesentlichen Punkte verbindlich festgelegt werden. Die Entscheidung für die Beauftragung wollte der Rat noch vor den Sommerferien treffen. Die Kosten von einer Milliarde Euro sollten dabei nicht übertroffen werden. Auf diese Deckelung einigten sich die Ratsfraktionen der CDU und Grünen nach der Kommunalwahl im Rahmen ihrer Koalitionsverhandlungen.

Opern-Neubau gestoppt: OB hätte sich „ein anderes Signal“ gewünscht

Kellers Leuchtturmprojekt ist damit ad acta gelegt. Auf die Frage, ob diese Entscheidung auch mit dem fehlenden Rückhalt aus Politik (die Grünen hatten sich als Junior-Partner immer wieder gegen die hohen Kosten für einen Neubau ausgesprochen) und Stadtgesellschaft zu tun habe, sagte der OB am Freitag: „Die Akzeptanz gerät unter Druck, wenn man an anderer Stelle massiv sparen muss. Dass selbst eine Stadt wie Düsseldorf so etwas nicht stemmen kann, ist ein schwieriges Signal. Ich hätte mir ein anderes Signal gewünscht.“