Auf dem Campus der Uni Duisburg sprießen zarte Pflänzchen – vor der Bibliothek der Hochschule, zwischen den Gebäuden, neben Bänken. Im Innenhof von „LB“ wächst sogar ein Mammutbaum. Meterhoch ist der und dabei noch gar nicht so alt. Die Hochschulgruppe „Campus-Garten“ sorgt nicht nur dafür, dass das Gelände der Universität grüner und hübscher wird. Bei wöchentlichen Treffen, stets mit einer Tasse Tee aus aller Welt, kommen auch soziale Aspekte nicht zu kurz. Valentin Becker glaubt sogar: „Ohne die Campus-Garten-Gruppe hätte ich mein Studium wieder abgebrochen.“

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Es war zu Corona-Zeiten, als er für sein Studienfach Ostasienwissenschaften aus Berlin nach Duisburg kam. „Hier ist das Auslandssemester in Japan automatisch integriert“, erklärt er. Fachlich machte ihm das Studium Spaß, aber das Campus-Leben kam zum Erliegen. Kontakte knüpfen im Homeoffice war schwierig. „Mental ging’s mir nicht gut.“ Durch einen Kommilitonen lernte er schließlich die Hochschulgruppe kennen, die sich um Beete und Pflanzen kümmert. Seitdem kommt er regelmäßig zu den Treffen.

In der Gruppe treffen sich Studenten aus aller Welt – und Duisburger

Der Neudorfer Kurt Walter wohnt seit Jahrzehnten in der Nähe der Uni.
Der Neudorfer Kurt Walter wohnt seit Jahrzehnten in der Nähe der Uni. © FUNKE Foto Services | Daniel Attia

Kurt Walter hält die Gärtnertruppe zusammen – dabei hat er gar keinen besonders grünen Daumen. Und Student ist er auch nicht mehr. Walter war in den 1970er Jahren eingeschrieben, damals noch an der Gesamthochschule. Auch vor Jahrzehnten galt schon: „Das Miteinander war enorm wichtig. Das Tollste war das gemeinsame kulturelle Leben, sowohl mit den Kommilitonen als auch mit unseren Dozenten.“

Im Innenhof von „LB“ wächst ein Mammutbaum. Er soll auch nach dem Uni-Umbau erhalten bleiben.
Im Innenhof von „LB“ wächst ein Mammutbaum. Er soll auch nach dem Uni-Umbau erhalten bleiben.© FUNKE Foto Services | Daniel Attia

Seit mehr als 50 Jahren wohnt Walter in Neudorf in der Nähe der Uni. Die Geschichte der Hochschule und ihrer Gebäude kennt er aus dem Effeff. Doch als er 2014 sah, wie mit dem Bau des neuen Hörsaal-Zentrums LX immer mehr Bauschutt auf einer Wiese gelagert wurde, die Grünflächen nach und nach kaputtgingen und sogar ein Baum weichen musste, fing er an, Pflanzen rund um die Uni-Bibliothek zu setzen.

Eines Tages, die Studierendenlisten machten gerade Wahlkampf für ein neues Studi-Parlament, sprach er einige junge Nachwuchswissenschaftler an. So hat er auch jemanden vom Ökologie-Referat des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) kennengelernt. Die kümmerten sich nämlich bereits um ein Beet. „Wir haben dann beschlossen, eine offizielle Gruppe zu gründen, und haben einen Vertrag mit dem Gebäudemanagement geschlossen.“

Achteck vor der Uni-Bibliothek verändert sich je nach Saison

Inzwischen gibt es rund 20 Bereiche, in denen gegärtnert wird. Das auffälligste Beet ist sicherlich das Achteck vor der Bücherei. „Das war früher eine matschige Brachfläche“, erinnert sich Kurt Walter. Nun gibt es ein blühendes Oktogon und in jeder Ecke wächst eine Pflanze, die für einen Fachbereich steht. Manchmal, so verrät ein Schild, gehe es in dem Beet etwas „wild“ zu. Im Frühling sprießen Blumen, dann wieder wächst Gras über die Sache oder es liegt Laub auf der Fläche. „Wir pflegen und mähen das Beet, aber dann wieder überlassen wir es den Jahreszeiten, um die Biodiversität zu fördern. Bitte schätzt unser kleines Biotop“, appellieren die Gärtner auf einem Schild.

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Weitere Jobs der Hobbygärtner: Kippen sammeln. Kompost ansetzen. Hochbeete pflegen. Und natürlich die wöchentliche Tasse Tee. Tansu Rudra stammt aus Indien und kennt sich mit Tee ziemlich gut aus. In Gläsern lagern verschiedene Sorten aus aller Welt. Wenn sie den Geruch und Geschmack beschreiben, lernen sie nicht nur etwas über Tee, sondern auch die deutsche Sprache. „Wir haben uns darauf verständigt, dass wir alle Deutsch reden“, betont Tansu Rudra. Er geht demnächst für ein Logistik-Praktikum zu Amazon nach Süddeutschland. Gemeinsam hat die Gruppe geholfen, eine passende Stelle zu finden, und mitgefiebert.

In Hochbeeten wächst beispielsweise frische Minze. Die Gruppe trifft sich jede Woche, immer dienstags.
In Hochbeeten wächst beispielsweise frische Minze. Die Gruppe trifft sich jede Woche, immer dienstags.© FUNKE Foto Services | Daniel Attia

Vonseiten der Uni gibt es denn auch Lob: „Die Arbeit des Campus-Gartens hat eine wichtige Funktion für die Studierenden, die dort mitwirken. Studierende, die aus dem Ausland kommen, finden so besonders leicht und schnell Anschluss. Zudem trägt die Arbeit zur Aufenthaltsqualität auf dem Campus bei.“ Und Heidrun Daun aus Duissern, die Kurt Walter unterstützt, findet es spannend, Einblicke in das aktuelle Studentenleben zu bekommen. Sie schätzt den Austausch ebenso.

Valentin Becker ist gerade von seinem Aufenthalt an der Yamagata-Universität in Japan zurückgekehrt und freut sich, die anderen wiederzusehen. Er hat viel zu erzählen – und klar, Tee hat er ebenfalls mitgebracht.