Ruhrort hat seinen „Oscar“ wieder: Der historische Radschleppdampfer Oscar Huber ist zurück am Leinpfad – frisch renoviert und von 12,5 Tonnen Muscheln befreit. Ab sofort können Besucher wieder an Bord gehen.

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Fünf Monate und damit doppelt so lang wie geplant, lag das Museumsschiff im vergangenen Jahr auf der Helling der Neuen Ruhrorter Schiffswerft. Das 77 Meter lange und 9,60 Meter breite Schiff brauchte dringend eine Frischzellenkur. Umfangreiche Korrosionsschutz- und Metallbaumaßnahmen waren ebenso nötig wie Reinigungs- und Holzarbeiten.

Duisburger Museumsschiff ist einzigartig in Deutschland

Es riecht noch nach frischer Farbe, das Deck wurde gesäubert. Die Saison auf dem Museumsschiff kann starten.
Es riecht noch nach frischer Farbe, das Deck wurde gesäubert. Die Saison auf dem Museumsschiff kann starten. © FUNKE Foto Services | Daniel Attia

Allein 12,5 Tonnen Muscheln mussten vom Schiffsboden entfernt werden, bevor der Rumpf instandgesetzt und die Farbe erneuert werden konnten. Das 1922 gebaute Schiff ist der letzte erhaltene Seitenrad-Dampfschlepper auf dem Rhein und „ein herausragendes technisches Kulturdenkmal“, gerät Dr. Dennis Niewerth, Leiter des Binnenschifffahrtsmuseums, ins Schwärmen. Die Gesamtkosten für den Werftaufenthalt beliefen sich auf rund 608.000 Euro. Die Kosten teilten sich Bund, Land und die Stadt Duisburg.

Korrosionsschützer Bedri Kavas, Kathrin Eschenberg von der Unteren Denkmalbehörde, Diplom-Ingenieur Jörg Backhaus von der „Neuen Ruhrorter Schiffswerft“, Museumsleiter Dr. Dennis Niewerth, Heike Haferkamp, kaufmännische Geschäftsführerin von der Neuen Ruhrorter Schiffswerft, und Anke van Löchtern (v.li.) vom Museum freuen sich über die Wiedereröffnung.
Korrosionsschützer Bedri Kavas, Kathrin Eschenberg von der Unteren Denkmalbehörde, Diplom-Ingenieur Jörg Backhaus von der „Neuen Ruhrorter Schiffswerft“, Museumsleiter Dr. Dennis Niewerth, Heike Haferkamp, kaufmännische Geschäftsführerin von der Neuen Ruhrorter Schiffswerft, und Anke van Löchtern (v.li.) vom Museum freuen sich über die Wiedereröffnung.© FUNKE Foto Services | Daniel Attia

„Nominell als Ausstellungsstück steht Oscar mit einem Euro in den Büchern. Aber die Gesellschaft muss sich fragen, was ihr die Geschichte wert ist. Oscar ist einzigartig und aus der Vergangenheit lernt man auch etwas für die Zukunft“, betont Niewerth. Das Schiff steht exemplarisch für eine Technologie, die die Binnenschifffahrt über mehr als ein Jahrhundert prägte: Dampfschlepper zogen einst an langen Stahlseilen ganze Verbände unmotorisierter Frachtkähne über den Fluss. Erst das Aufkommen der Schubboote ab den 1950er-Jahren löste diese Transportform schrittweise ab. Obwohl die Befeuerung des Oscar Huber im Jahre 1955 von Kohle auf Heizöl umgestellt worden war, erwies sich das Schiff im Betrieb als zu aufwendig.

Invasive Muschelart bevölkerte den Rumpf

12,5 Tonnen invasive Quagga-Muscheln wurden unter dem Schiff abgetragen.
12,5 Tonnen invasive Quagga-Muscheln wurden unter dem Schiff abgetragen.© Binnenschifffahrtsmuseum | rr

Momentan riecht es noch frisch gestrichen, aber zum Glück nicht mehr nach den stinkenden Quagga-Muscheln. Die invasive Art hat sich in den vergangenen Jahren massiv ausgebreitet. Mit ihren Haftfäden haben sie sich unter Wasser am Schiff festgesogen. An der frischen Luft entwickelten sie einen ziemlichen Duft und mussten schnell als Bio-Sondermüll entsorgt werden. Museumsleiter Dr. Dennis Niewerth mag gar nicht daran denken, wie es unter anderen Museumsschiffen, die entlang des Leinpfads liegen, aussehen könnte. Ein spezieller „Foulinglack“ an „Oscar“ soll nun dafür sorgen, dass es nicht wieder so weit kommt.

Bedri Kavas verzieht noch heute das Gesicht, wenn er nur an den Geruch denkt. In einer Dokumentation hat er festgehalten, wie das historische Binnenschiff behutsam restauriert wurde. Alles ist mit dem Denkmalamt abgestimmt. So wurden die Fenster wieder mit Kitt befestigt, das war seinerzeit Stand der Technik. Auch die Farben für den neuen Anstrich waren genau vorgegeben. Das riesige Steuerrad, mit einem Durchmesser von 1,60 Meter, wurde ebenfalls wieder instandgesetzt.

Oscar hat für die nächsten zehn Jahre eine Schwimmfähigkeitsbescheinigung, das ist etwa vergleichbar mit dem TÜV.“

Dr. Dennis Niewerth leitet das Museum der deutschen Binnenschifffahrt in Ruhrort.
Dr. Dennis Niewerth, Leiter des Binnenschifffahrtsmuseum.

„Oscar hat für die nächsten zehn Jahre eine Schwimmfähigkeitsbescheinigung, das ist etwa vergleichbar mit dem TÜV“, so Niewerth. Er freut sich, wenn bald wieder viele Museumsbesucher die Gelegenheit nutzen, die alte Technik zu bestaunen.

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In der Ausstellung unter Deck wurde freilich kaum etwas verändert. Interessierte können einen Blick in den Maschinenraum werfen und sich ebenso anschauen, wie die Mannschaft früher gewohnt hat.

Der Eintritt für die Museumsschiffe beträgt für Erwachsene aktuell zwei Euro. Für Kinder gilt ein ermäßigter Preis von einem Euro. Das Kombiticket für Museum und Schiffe kostet für Erwachsene 6,50 Euro und für Kinder 3 Euro. Donnerstags gilt für alle Duisburger: Pay, what you want. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.binnenschifffahrtsmuseum.de.

Warum es „der Oscar“ ist

„Oscar Huber“ ist übrigens männlich, deshalb spricht Dr. Dennis Niewerth immer von „dem Oscar“. „In der Binnenschifffahrt war es üblich, den Schiffen männliche Namen zu geben.“ Im Freizeitbereich heißt es hingegen oft „die“. 1940 wurde das Museumsstück nach dem ehemaligen Geschäftsführer der Raab Karcher GmbH in Karlsruhe benannt.