Wenn es nach Ministerpräsident Hendrik Wüst geht, sollen die Olympischen Spiele – das größte Sportereignis der Welt – 2036, 2040 oder 2044 in der Metropole Rhein-Ruhr mit Köln als Hauptstandort ausgetragen werden. Auf der Regattabahn in Duisburg sollen die besten Wassersportler der Welt um die Wette rudern und in der Heimspielstätte des MSV soll eine riesige Arena für die Sportkletterer entstehen – ein Event mit weltweiter Strahlkraft, auch für Duisburg.

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Doch für die Linken in Nordrhein-Westfalen trügt dieser Schein nur allzu sehr. Sie sind eine Kraft in der Kampagne „NOlympia“ und wollen eine Mehrheit dazu bringen, beim Bürgerentscheid, der noch bis zum 19. April in 17 Städten läuft, mit Nein zu stimmen. Auch die Duisburger Linken haben sich der Initiative angeschlossen und zu einer Infoveranstaltung im Café Museum eingeladen – mit einem Olympiasieger an ihrer Seite. Was sind ihre Argumente?
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Olympia in Duisburg: Pariser Aktivist warnt vor „sozialen Säuberungen“
Die Diskussionsveranstaltung beginnt anders als erwartet. Nach einer kurzen Vorstellung der Redner durch Wolfgang Freye, den Fraktionsvorsitzenden der Linken im Regionalverband Ruhr (RVR), läuft ein halbstündiger Film. Darin geht es um den Pariser Aktivisten Paul Alauzy und sein Aktionsbündnis „Le revers de la médaille“ (Die andere Seite der Medaille). Er ist an diesem Abend auch vor Ort.
Sein Film schildert mit dramatischer Musik untermalt auf Französisch mit deutschen Untertiteln, wie die Stadt Paris ihre Straßen und Wohnviertel für die Olympischen Spiele 2024 herrichtete. Laut Paul Alauzy litten darunter vor allem afrikanische Geflüchtete und Wohnungslose, die von der Polizei in Zentren außerhalb der Innenstadt gebracht wurden.

Sein Aktionsbündnis spricht in diesem Zusammenhang von regelrechten „sozialen Säuberungen“. „Man wollte nicht, dass diese Menschen das Bild von Olympia verschandeln, und hat sie mit teils gewaltsamen Mitteln verdrängt“, so Alauzy. Der Duisburger Linken-Ratsherr John Robbin Riechert teilt diese Auffassung. Seine Fraktion sehe diese Gefahr auch für Duisburg, sollten die Olympischen Spiele nach NRW kommen. „Olympische Spiele sind kein nachhaltiges Zukunftsprojekt, sondern ein Risiko für soziale Gerechtigkeit in unserer Stadt“, so die Fraktion.
Olympiasieger von 2016 gegen Olympia in Deutschland – mit einer Ausnahme
Zur Unterstützung konnten die Linken einen prominenten Sportler für ihre Kampagne gewinnen: Christoph Harting gewann 2016 in Rio de Janeiro Gold im Diskuswerfen. Der „größte Moment“ seiner Karriere war aber im Nachgang auch der „abgefuckteste“, wie er sagt, der schlimmste. „Wir haben damals Beachvolleyball geschaut nach meinem Olympiasieg, direkt an der Copacabana. Eine Traumkulisse. Aber ein paar hundert Meter weiter die totale Armut in den Favelas.“ Es sei genau diese soziale Ungleichheit in Städten, die ohnehin finanziell nicht gut aufgestellt sind, die durch Olympia noch verstärkt werde, sagt Harting.
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Daher ist Harting strikt gegen Olympia in NRW, aber auch gegen die Spiele in seiner Heimat Berlin oder in Hamburg. Alle Regionen seien zu hoch verschuldet und würden von den Olympischen Spielen nicht profitieren. „Wenn dann gesagt wird, von Olympia profitiert die Infrastruktur – warum braucht man denn dafür die Spiele? Kann nicht auch so in Sportstätten und Schienen investiert werden?“, fragt Harting.
Eine Ausnahme macht der Olympiasieger aber: Wenn schon in Deutschland, dann sollten die Spiele zumindest in München ausgetragen werden. Die Stadt habe genügend finanzielle Mittel und die besten Sportstätten. München bewirbt sich wie Berlin, Hamburg und „KölnRheinRuhr“ um die Austragung.

Kritik an „falschen Versprechen“ der Landesregierung
Dann ergreift im Café Museum ein linkes Urgestein das Wort. Jörg Detjen sitzt seit 1999 für die Linke (damals PDS) im Stadtrat von Köln. Die Domstadt soll bei den Olympischen Spielen der Hauptstandort, die „Leading City“, sein. Für Detjen ein Unding. Nach seinem Dafürhalten gebe es allerlei Ungereimtheiten und „falsche Versprechen“, die die NRW-Landesregierung im Vorfeld der Bewerbung beiseiteräumen müsste.
„Die Landesregierung schmückt sich damit, dass die maximale Fahrtzeit zu einer Wettkampfstätte 60 Minuten beträgt. Jetzt fahren Sie mal von Aachen nach Duisburg oder Dortmund in einer Stunde“, so Detjen. In einem so großen Gebiet sei es unmöglich, die Spiele reibungslos und ohne Verspätungen auszutragen.
Außerdem sei die Kostenkalkulation für die Spiele ein „Täuschungsmanöver“. Aktuell plant die NRW-Regierung mit einem Budget von 4,8 Milliarden Euro und Einnahmen in Höhe von 5,2 Milliarden Euro. Für den erfahrenen Kommunalpolitiker Detjen ist das eine Nebelkerze: „Paris hat 2024 mit 6,6 Milliarden Euro für die Durchführung gerechnet. Wie will Hendrik Wüst denn in zehn Jahren 27 Prozent unter diesem Budget bleiben?“
Die notwendigen Investitionen ins Bahnnetz und in Straßen, in den Umbau von Sportstätten und Unterkünften könnten schnell zusätzliche Milliarden kosten, warnen die Kritiker.
Bürgerentscheid: Es eilt
In den 17 Stätten, in denen Wettkämpfe ausgetragen werden sollen, laufen noch bis Sonntag, 19. April, Bürgerentscheide.
In Duisburg hat die Stadt 351.307 wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürgern die Unterlagen geschickt. Die ausgefüllten Stimmzettel können gratis zurückgeschickt werden. Sie müssen die Stadt bis zum 19. April erreichen, sollten also allerspätestens am Donnerstag, 16. April, in die Briefkästen eingeworfen werden, besser noch früher.
Die Frage lautet: „Sind Sie dafür, dass sich die Stadt Duisburg an der gemeinsamen Bewerbung der Region Rhein/Ruhr um die Olympischen und Paralympischen Spiele im Jahr 2036, im Jahr 2040 oder im Jahr 2044 beteiligt?“
Damit das Bürgervotum bindend ist, müssen mindestens zehn Prozent aller Stimmberechtigten „Ja“ ankreuzen und die Mehrheit stellen, also mindestens 35.131 Duisburgerinnen und Duisburger.
Das Ergebnis will die Stadt am Abend des 19. April bekanntgeben.




