Die versammelte Journalistenschar scharwenzelt noch etwas scheu um das Bier im Foyer des Duisburger Theaters am Marientor herum. Es ist ja noch nicht mal 12 Uhr, nicht die Zeit, zu der man mit dem Saufen anfängt – sogar Journalisten nicht. Andererseits, denkt man sich, geht es doch um Mallorca und den Ballermann. Da kann man sich doch ruhig schon vormittags die Lampe anzünden. Oder?
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Die anwesende Presse muss sich aber nicht grämen, nur ein paar Minuten später wird klar – dieser Mittag wird auch ganz ohne Alkohol bewusstseinserweiternd. Denn die Produzenten von „Malle Olé – Das Musical, das ballert“ haben zur Pressekonferenz ins TaM geladen, am 8. Januar 2026 soll die große Inselparty Premiere feiern. Um schon jetzt ordentlich die Werbetrommel zu rühren, gibt das Ensemble Einblicke in die ersten Nummern, gehörnter Mallorca-Adel kommt zu Besuch – eine Pressekonferenz wie ein Fiebertraum, der ein ums andere Mal Zweifel sät, daran, ob das hier gerade wirklich passiert.
Malle-Musical in Duisburg: Musicalfans kommen auf ihre Kosten
Im pädagogisch wertvollen Stuhlkreis sitzen die Journalisten auf der Bühne, mit Blick in den Zuschauerraum des TaMs. Produzent Harald Reitinger tritt in dezent mintgrünem Anzug vor die Meute und lobt „eins der schönsten Häuser in ganz Deutschland“, legt noch einen drauf und spricht vom „vielleicht schönsten Musicalhaus in Deutschland“.
Und in jenem schönsten Musicalhaus soll eben bald „Malle Olé“ über die Bühne gehen, das Musical, das nicht nur ballert, sondern auch das erste seiner Art ist – sagt zumindest Reitinger. Das hätten er und seine Kollegen herausgefunden, als sie „Malle Olé“ aus der Taufe hoben.

Und während sich die Netzhaut noch vom mintgrünen Anzug erholt, wird den Journalisten schon die erste Nummer aus dem Musical vorgesetzt: „Mama Laudaaa“ aus der Feder von „Almklausi“ wird von der Cast live gesungen und getanzt, mit einbetoniertem Dauergrinsen, theatralischem Gesang und exzessiver Akrobatik – eben mit allem, was Musicalfans so begeistert.
Puffmama „Layla“ als R&B-Ballade
Almklausi selbst gibt sich dann auch die Ehre, bevor er weiter muss, betrunkene Horden in Skianzügen beim Aprés-Ski bespaßen. „Herkommen, Spaß haben“, empfiehlt er dem geneigten Malle-Publikum kurz und knapp, bevor es mit einer ungewöhnlichen Version von „Layla“ weitergeht.

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Das war jener Song, Sie erinnern sich, der 2022 gleichermaßen für begeisternd mitgrölendes Publikum wie für Empörung sorgte, ob seines sexistischen Texts. Musikalisch wagt „Malle Olé“ eine Abkehr von der Primärquelle und lässt die Stimmungsnummer als R&B-Ballade beginnen – aber nur kurz natürlich, bevor sie in das standesgemäße „Döp Döp Döp!“ explodiert. Optisch bleibt die Duisburger Layla dagegen nah am Original, die fünf Darstellerinnen sind eher luftig bekleidet.

Regisseur Erik Petersen indes wir dann wieder geschäftlich und preist das Musical als Stück, „das den tollen Artists am Ballermann huldigt“, zwei Stunden lang soll das Publikum „lachen, weinen, Party machen“. Der mintgrüne Anzug inklusive Harald Reitinger kehrt zurück auf die Bühne und greift selbst zum Mikro. „Mit dem Song hat alles angefangen“, erklärt er, bevor das Playback aus den Boxen plärrt, „Johnny Däpp“ in einer Swing-Version. Zu den Klängen schiebt sich dann der mutmaßlich größte Star des Vormittags auf die Bühne, in Badehose und Hörnerpracht: Lorenz Büffel.
„Ein Disneyland für Betrunkene“
Der ist nicht nur der Johnny-Däpp-Sänger, sondern auch Markenbotschafter des Musicals. Aus dem Duty-Free-Shop der Baleareninsel hat er Alkohol für das Produzententeam mitgebracht, und eine Bitte an alle Mallorca-Fans: „Es geht um die Liebe zu unserer Musik. Unsere Familie muss hier sein. Kommt vorbei!“ Das Musical sei eine „Ablenkung von dem Wahnsinn in der Welt“, oder, etwas näher am Markenkern formuliert: „Ein Disneyland für Betrunkene“.
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Zum Abschluss kommen die Journalisten noch in den Genuss eines klassischen Bösewicht-Songs („Malle muss endlich sterben“) – und kriegt ein eigens für das Musical komponiertes Lied zu hören, mutmaßlich so etwas wie der Titelsong. „Wir sind Malle Olé“ besticht mit schön dick aufgetragenem Musical-Kitsch, der Romantisierung der Alkohol-Orgien auf der Insel und Textkleinoden wie „kein Goethe, Schiller oder Shakespeare, wir wollen alle nur noch Freibier“.
Und trotzdem, das muss man neidlos eingestehen, während man von der Bühne herabsteigt und durchs usselige Novemberwetter zum Auto läuft: Das, was Malle-Songs seit jeher auszeichnet, die Eingängigkeit, die Einfachheit zu besitzen, sie auch noch mit drei Promille mitgrölen zu können – diese Qualität hat auch „Malle Olé“. Denn ob man will oder nicht, ganz leise summt man es vor sich hin: „Wir sind Malle Olé, wir sind alle okay“. Mist. Haben Sie mich doch gekriegt.
>> „MALLE OLÉ“: BESONDERE PARTYS UND TICKETS
- „Malle Olé“ setzt nicht nur auf das Musical selbst: Vor und nach jeder Vorstellung soll im Theater eine Malle-Party steigen, freitags und samstags sogar bis in die frühen Morgenstunden.
- Dabei kann es passieren, dass bei der Party auch Mallorca-Stars auftreten – genauso wie im Musical selbst, wo für sie eine „kleine, witzige, aber sehr wichtige Nebenrolle“ reserviert ist.
- Tickets gibt es auf eventim.de und malletickets.de.







