Duisburg soll bis zum Jahr 2050 fast 19.000 Einwohnerinnen und Einwohner verlieren. Das ist das Ergebnis der neuen Bevölkerungsvorausberechnung, die Information und Technik (IT NRW) als Statistisches Landesamt im Auftrag des Wirtschaftsministeriums erstellt hat. Demnach soll Duisburg im Vergleich der kreisfreien Städte und Kreise in 25 Jahren eine der jüngsten Bevölkerungen in Nordrhein-Westfalen haben.

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Duisburg hat eine der jüngsten Bevölkerungen in NRW
Schon heute ist das Durchschnittsalter in Duisburg vergleichsweise gering: Ende 2023 waren die 503.707 Duisburgerinnen und Duisburger nach der amtlichen Einwohnerzahl im Durchschnitt 43,2 Jahre alt. Das ist deutlich jünger als im NRW-Schnitt (44,4), aber in einigen Großstädten sind die Menschen noch jünger (Münster: 41,7 Jahre; Bonn und Köln: je 42,4; Gelsenkirchen: 42,7; Bielefeld: 43; Düsseldorf: 43,1), im Kreis Paderborn ebenso (42,9).
2050 soll das Durchschnittsalter der Duisburger laut Vorausberechnung nur leicht höher sein und bei 44 Jahren liegen. Noch jüngere Einwohner sollen demnach nur noch Gelsenkirchen, Hagen, Herne und Dortmund haben. Zu den Gründen macht IT NRW keine Angaben, es fällt aber auf: Dies sind die NRW-Städte mit dem größten Anteil an Bürgern aus Bulgarien und Rumänien, die meisten von ihnen Roma. Junge Familien mit überdurchschnittlich vielen Kindern sind in dieser Gruppe stark vertreten. Gemeinsam haben die Städte außerdem einen hohen Anteil von sozial benachteiligten Haushalten.
Berechnung: Duisburg hat 2050 mehr besonders junge und sehr alte Bewohner
Nach der amtlichen Zahl hatte Duisburg Ende 2024 noch 502.270 Einwohner. Laut Bevölkerungsvorausberechnung werden es 2050 nur noch 484.434 sein. Das entspricht einem Rückgang von 3,7 Prozent.
Dieser fällt deutlich größer aus als in Nordrhein-Westfalen insgesamt (2,6 %), wo vor allem ländliche Regionen Einwohner einbüßen. Die Bevölkerung dort ist älter, Zuzüge gibt es deutlich seltener als in Großstädten. Der Kreis Wesel zum Beispiel soll 4,2 Prozent seiner Einwohner verlieren.
Auch in Duisburg verändert sich die Struktur der Bevölkerung weiter: Die Statistiker rechnen einerseits mit mehr Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren, mit mehr Menschen über 75 anderseits. Heute sind rund 49.500 Duisburger 75 Jahre oder älter, laut Prognose werden es in 25 Jahren 59.700 sein.
Die Zahl deutscher Staatsangehöriger sinkt
Duisburg soll also 2050 eine der jüngsten Bevölkerungen in NRW haben, aber trotzdem überdurchschnittlich schrumpfen. Das ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch: Denn viele Menschen verlassen die vom Strukturwandel gebeutelte und unter hoher Arbeitslosigkeit leidende Stadt schon heute.
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Trotz tausender Einbürgerungen sinkt die Zahl der Duisburger mit deutscher Staatsangehörigkeit am stärksten: 2009 gab es laut Einwohnermelderegister noch 415.616 Deutsche, im Vorjahr waren es nur noch 378.647.
Die Gründe: Es ziehen dauerhaft mehr fort als zu, und es sterben mehr als geboren werden – obwohl viele Kinder von Menschen mit Migrationshintergrund per Geburtsrecht (auch) die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten und somit als Deutsche in diese Nationalitäten-Statistik der Stadtverwaltung eingehen.
Berechnungen berücksichtigen unvorhergesehene Ereignisse nicht
Diese Trends berücksichtigt die Vorausberechnung des Landes: Dafür wird die Ausgangsbevölkerung nach Alter und Geschlecht („Kohorte“) für jedes Vorausberechnungsjahr fortgeschrieben, indem Gestorbene und Fortgezogene vom Anfangsbestand abgezogen sowie Geburten und Zugezogene hinzugezählt werden. „Die Lebendgeborenen eines Jahres bilden die neue Kohorte der unter Einjährigen des Folgejahres“, erklärt IT NRW. „Dieser Vorgang wird unter Berücksichtigung der festgelegten Annahmen über die zukünftige Entwicklung der demografischen Komponenten Geburten, Sterbefälle und Wanderungen durchgeführt.“
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Und doch können solche Berechnungen von der Realität überholt werden. Denn unvorhergesehene Wanderungen kann sie nicht berücksichtigen. Beispiele dafür liefert in der jüngsten Vergangenheit auch Duisburg:
2014 rechnete die Stadtverwaltung auf Grundlage ihrer eigenen Zahlen (Einwohnermelderegister, siehe Infobox) damit, dass Duisburgs Bevölkerung weiter schrumpfen werde. Laut Prognose von damals wäre die Zahl der Duisburger, 2014 waren es 487.839, bis 2027 auf 455.800 zurückgegangen. Die Statistiker konnten 2014 jedoch nicht mit den Geflüchteten rechnen, die aus Syrien, Irak, Afghanistan und der Ukraine kamen. Und der vermehrte Zuzug von EU-Bürgern aus Südost-Europa begann erst 2013. All das führte dazu, dass Duisburgs Einwohnerzahl nicht sank, sondern anstieg – laut Melderegister auf bis zu 508.652 im Jahr 2023.
Die Prognose der Stadt aus dem Jahr 2014 wird also die tatsächliche Einwohnerzahl 2027 voraussichtlich um rund 50.000 Einwohner verfehlen.
>> Stadt Duisburg und Land NRW zählen unterschiedlich
- Stadt und Landesstatistikamt IT NRW rechnen mit unterschiedlichen Zahlen: Die Stadt bezieht ihre Einwohnerzahlen aus ihrem Einwohnermelderegister, der Landesbetrieb erhält seine Daten mittels „Fortschreibung des Bevölkerungsstandes“ auf der Grundlage des Zensus 2022. IT NRW liefert für alle Kommunen die offiziellen Daten, die „amtliche Einwohnerzahl“.
- Warum die Stadt mehr Einwohner zählt als IT NRW? Dafür gibt es mehrere Ursachen. Ein bekannter Grund: In der kommunalen Statistik können auch Personen mit Nebenwohnsitz in Duisburg enthalten sein.
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