Sie ist schon so lange der große Gleichmacher, von Bauarbeiter bis Banker, der Kitt zwischen Gesellschaftsschichten, die sonst keine großen Schnittmengen haben: die Currywurst, auch in Duisburg – oder vielmehr besonders in Duisburg. Seit einem Jahr nämlich schwillt die Duisburger Brust mit Stolz, denn die Autoren Tim Koch und Gregor Lauenburger haben in ihrem Buch „Alles Currywurst – oder was?!“ zweifelsfrei bewiesen, dass die Kombination aus Wurst, Tomatensauce und Currypulver in Duisburg erfunden wurde, von Peter Johann Hildebrandt, besser bekannt als „Peter Pomm“.
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Dort, wo es die Ursprungswurst heute noch gibt, in Peter Pomms‘ Pusztetten-Stube in Marxloh, steht heute Hildebrandts Enkelin Andrea Schulte hinter dem Tresen und ist von der Fallhöhe dieser kulinarischen Schöpfungsgeschichte (und dem Currywurst-Genesis-Krieg mit Berlin) nicht wirklich überwältigt. „Es gibt ja immer diese Klopperei, Berlin, Ruhrpott, Ruhrpott, Berlin. Am Ende isses das wichtigste, dass die Currywurst schmeckt“.

Die Currywurst wurde in Duisburg erfunden: „Zusammengebracht, was zusammengehört“
Diesen äußerst diplomatischen Satz spricht Schulte am Montag wohlgemerkt nicht in den luftleeren Raum. Sondern in dutzende Mikrofone, Kameras und Handys. An diesem, jenen 22. September zementiert die Stadt Duisburg nämlich ihren Platz in der Geschichte als Currywurst-Geburtsort, beziehungsweise schraubt ihn an die Wand. „Peter Hildebrand alias ‚Peter Pomm‘ hat im Jahr 1936 in Duisburg die Currywurst erfunden.“ So steht es auf der goldenen Plakette, die OB Sören Link von außen an den Imbiss gedübelt hat – klar und gerade heraus, und sicher auch eine augenzwinkernde Ansage an Berlin: „Gebt auf, wir haben Beweise.“

Entsprechend groß ist das Medieninteresse. Etliche Fernseh- und Radiosender, Zeitungen und Agenturen haben sich die Qualen der Parkplatzsuche an einem Marxloher Markttag angetan und verstopfen den kleinen Imbiss wie Cholesterin die Arterien. Hildebrandt-Enkelin und Schulte-Schwester Iris Tauber hechtet von einem Interview zum nächsten und muss natürlich jedes Mal die liebste Reporterfrage beantworten. „Wie fühlen Sie sich jetzt?“ Tauber ist ein bisschen kampfeslustiger als ihre Schwester, „viele haben uns nicht geglaubt, und ich bin froh, dass wir den Titel jetzt nach Duisburg geholt haben“, erzählt sie triumphierend, und tut es der Plakette in ihrer Endgültigkeit gleich: „Unser Opa ist der Erfinder der Currywurst!“

Ähnlich in die Offensive geht auch Sören Link, als die Plakette endlich an der Wand hängt. „Die Currywurst ist genau hier erfunden worden“, sagt er, und dankt Peter Hildebrandt posthum dafür, dass er mit Wurst, Tomatensauce und Currypulver „das zusammengebracht hat, was zusammengehört“.
Dafür, dass der 22. September den 4. September als „Tag der Currywurst“ ablöst, will sich der OB auch starkmachen. Die Currywurst, erklärt er den versammelten Kameralinsen, die passe einfach zu Duisburg, sie sei „echt“ (klar, den Stadtslogan muss man da noch irgendwie reinquetschen, ist schließlich immer noch Wahlkampf), eben „ein echtes Produkt, da ist kein Chichi dabei“. Dann kehrt er den Kameras den Rücken, steigt die Stufen in Duisburgs frisch gekrönten Imbiss-Olymp – und bestellt sich eine Wurst.




