2023 und 2024 hat er es schon geschafft – Michael Bell aus Beeckerwerth ist zweifacher Weltmeister im Steineditschen (wir berichteten). Nach guter Duisburger Manier tritt er stets mit MSV-Trikot und Steinen vom Rheinufer beim Wettkampf an der Ostsee an. Jetzt hat die WM erneut stattgefunden: Konnte der 65-Jährige seinen Titel verteidigen?

Täglich (außer Samstag)
Duisburg-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!
Jeden Abend die wichtigsten News und exklusive Storys aus Duisburg – persönlich, mit Angeberwissen, Event- und Gastro-Tipps.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Am Tag vor dem großen Finale wirkte noch alles so perfekt. Michael Bell ist nochmal an den Strand gegangen, hat noch etwas trainiert: „Da lief alles super!“ Am Morgen des Wettkampfes sieht das ganz anders aus: Er steht auf, geht zum Strand und merkt dort direkt das Problem: „Da war viel mehr Wind und damit auch stärkere Wellen.“
Michael Bell ist Weltmeister: Er trainiert regelmäßig am Rhein
Für das Steineditschen bedeutet das hauptsächlich eines: „Glück spielt dann wieder eine größere Rolle.“ Es komme darauf an, wie man den Stein in die Wellentäler hineinwirft. Bei starkem Wellengang müsse man sich dann im Bruchteil einer Sekunde entscheiden: „Werfe ich oder werfe ich nicht?“
Immerhin: Leichte Wellengänge kennt Michael Bell auch von seinem Trainingsplatz am Rhein. Auch hier können Wind und Strömung das Steineditschen verkomplizieren. Für die WM hat er etwa einen Kilometer Rheinufer nach den idealen Steinen abgesucht. Die Guten werfe er zum Training in den Rhein, nur die Perfekten nehme er mit an die Ostsee zur Weltmeisterschaft.

+++ Lassen Sie sich den Duisburg-Newsletter per E-Mail schicken: hier gratis anmelden +++
Michael Bell tritt in drei Disziplinen an: Gelingt die Titelverteidigung?
Also steht Michael Bell nun wieder am Ostseeufer. Wie jedes Jahr im MSV-Trikot und Steinen vom Rheinufer. Es gibt drei verschiedene Disziplinen: Solo-Ditschen, Duo-Ditschen und Ziel-Ditschen. Bei der dritten Variante müssen die Kontrahenten mit einem Ditscher ein Ziel im Wasser treffen. Und wie es sich für einen Weltmeister gehört: Michael Bell tritt in allen drei Disziplinen an.
Im vergangenen Jahr hat er bis zu sieben Ditscher im Wasser der Ostsee geschafft, dieses Jahr sind es in manchen Runden nur zwei. Im Solo- und im Ziel-Ditschen schafft er es immerhin ins Stechen, aber hier ist dann auch Schluss: „Bei den Bedingungen ist das viel Glücksspiel – und das Glück war nicht auf meiner Seite.“
Beim Duo-Ditschen wechseln er und sein Teampartner mitten im Wettkampf sogar noch die Strategie, sie nehmen andere Steine, die besser durch die Wellen gleiten. Aber auch das hilft nicht – am Ende muss sich Michael Bell ohne Titel geschlagen geben.
Auch interessant
Titel verpasst – Freundschaft entstanden
Seine Niederlage nimmt der Duisburger aber mit Sportsgeist: „Frustriert bin ich nicht. Jeder hat die gleichen Voraussetzungen. Mal passt es dann und dieses Mal eben nicht.“ Ganz nach dem olympischen Motto freut er sich allein schon über die Teilnahme und natürlich übers Wiedersehen mit seinem Teamkollegen Muedin Shehi: „Wir haben ja am Tag vorher noch zusammen trainiert und am Abend danach noch zusammen ein Schnäppkes auf den 5. Platz getrunken“, verrät Michael Bell mit einem Lachen.
Einen Grund zu jubeln gab es für Michael Bell aber doch noch: Sein Teamkollege Muedin Shehi hat die Solo-WM gewonnen: „Darüber freue ich mich sehr. Das zählt ja auch in einer Freundschaft.“ Aus dem Steineditsch-Duo sei mittlerweile nämlich eine richtige Freundschaft geworden.
Dieses Jahr wolle Michael Bell erstmal keine Steine mehr werfen. Ob er nächstes Jahr nochmal antritt, macht er von seiner Gesundheit abhängig. Auf jeden Fall wolle er sich aber nochmal mit Muedin zum Ditschen treffen. Der sage ihm stets: „Michael, du musst gar keine Steine mitnehmen, ich hab genug.“ Michael Bell will aber trotzdem seinen Rheinsteinen treu bleiben.





