Die Lage war ernst. Ist sie immer noch, um ehrlich zu sein. Aber ab und an darf – nein, muss – man auch mal stehen bleiben, innehalten und sich darüber freuen, was man schon geschafft hat. Heute ist so ein Tag. Für die Macher des Platzhirsch-Festivals und für alle Fans des vielleicht charmantesten Festivals im Ruhrgebiet, denn: Der Platzhirsch 2025 ist gerettet, er röhrt wie geplant am 5. und 6. September auf dem Duisburger Dellplatz.

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Von einem Wunder zu sprechen, wäre vielleicht ein bisschen drüber, andererseits sah es wirklich düster aus für den Hirsch. 40.000 Euro fehlten noch für die diesjährige Ausgabe, als das Orga-Team Ende Juli einen sanften, aber schonungslosen Hilferuf absetzte.

So heikel die Lage zu diesem Zeitpunkt war, so warm wird es einem ums Herz, wenn man nun die Reaktion betrachtet: 30.000 Euro sind seitdem zusammengekommen, auch die Targobank hat dem Festival mit einer Großspende unter die Arme gegriffen. Und jetzt können Platzhirsch-Macher René Schwenk und sein Team mit Sicherheit sagen, dass das Platzhirsch-Festival stattfindet.

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Die Spendenaktion auf gofundme.com läuft trotzdem weiter, erklärt Schwenk. „Diese Spenden sind ja auch Spenden für die Zukunft, für Platzhirsch-Festivals in den kommenden Jahren.“ Wie gesagt, die Lage ist eigentlich immer noch ernst, aber die Akteure der freien Kulturszene kennen es eigentlich nicht anders. Also, Blick nach vorne, auf das erste Septemberwochenende, und das komplett kostenfreie Programm:

Diese Spenden sind ja auch Spenden für die Zukunft

René Schwenk
René Schwenk, Platzhirsch-Macher

Platzhirsch-Festival in Duisburg: Das Programm am Freitag

Da gibt es zum Beispiel „The Ex“, echte Punkrecken, die in 45 Jahren Bandgeschichte über 2000 Konzerte in 46 Ländern gespielt haben und die mit ihrem neuen Album „If Your Mirror Breaks“ am Festivalfreitag um 21 Uhr auf dem Dellplatz spielen.

Oder Lokalmatador Kai Schuhmacher, der am Freitag um 22 Uhr in der Kirche St. Joseph die Premiere seines neuen Programms „The Minimal Engine“ feiert. Der Titel des Konzerts ist dabei wörtlich zu verstehen: Schumacher spielt auf einem Flügel, der gleichzeitig ein Synthesizer ist und das Licht steuert.

Das musikalische Betthupferl steuert das Duo „Titanic“ um 23.30 Uhr in der Kirche bei. Mit Gitarre und Cello bringen Héctor Tosta und Mabe Fratti ihre Mischung aus Kammerjazz und Art-Pop auf die Bühne.

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Aber wer „Platzhirsch“ sagt, muss ja nicht zwangsläufig auch „Konzert“ sagen. So beginnt am Freitag um 17 Uhr zum Beispiel die Ausstellung von Manfred Vogel in der Galerie „DU/ART“ am Dellplatz. Während der Name des Künstlers wahrscheinlich nicht so vielen Menschen geläufig sein dürfte – seine Werke kennen alle Duisburger. Nicht nur, weil Vogel früher die Plakate des Traumzeit-Festivals designt, sondern vor allem, weil er den U-Bahnhof „Duisburg Rathaus“ gestaltet hat. Das Freitagsprogramm hat natürlich noch eine Menge mehr zu bieten, alle Programmpunkte gibt es unter platzhirsch-duisburg.org.

Platzhirsch-Festival: Das Samstags-Programm

Der Platzhirsch-Samstag beginnt um 14 Uhr auf dem Dellplatz, mit einer Grundsatzdiskussion, könnte man sagen. Unter dem Titel „Quo vadis, Kultur in Duisburg?“, sprechen sechs Künstler, Musiker und Vertreter der freien Szene über die Lage der Duisburger Kultur-Nation, erörtern die schwierige Lage der freien Szene in der Stadt, setzen sich aber auch mit der Frage auseinander, was der politische Rechtsruck für die Kultur bedeutet. Die gesamte Veranstaltung wird simultan in Gebärdensprache übersetzt – genauso wie die Lesungen während des Festivals.

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Musikalisch lockt der Samstag um 18 Uhr auf dem Dellplatz zum Beispiel mit „Dick Move“ aus Neuseeland, die ihren Lo-Fi-Punkrock gegen Sexismus und das Patriarchat und für gute Stimmung mitbringen.

Musikalisch in eine ganz andere Richtung geht ab 20 Uhr auf dem Dellplatz „Avalanche Kaito“ aus Belgien. Drummer Benjamin Chaval und Gitarrist Nico Gitto spielen erdigen, ungeschliffenen Punk und haben mit dem burkinischen Sänger Kaito Winse noch ein außergewöhnliches Ass im Ärmel. Winse ist nämlich ein „Griot“, ein Sänger und Geschichtenerzähler in jahrhundertealter, westafrikanischer Tradition.

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„Lucy Kruger & The Lost Boys“ hingegen spielen ab 20.45 Uhr in der Kirche ganz sanften Folk-Pop – und zwar exklusiv von ihrem Album „Transit Tapes“, das den charmanten Untertitel „For Women Who Move Furniture Around“ trägt. Schon wieder etwas ganz anderes bieten Bari-Saxophonist Joe Henwood und Schlagzeugerin Tash Keary um 21 Uhr auf dem Dellplatz, wenn sie unter dem simplen Namen „O.“ auftreten. Das Duo spielt quasi Live-Tanzmusik mit hypnotischen Schleifen, wer „Too Many Zooz“ etwas anfangen kann, wird hier sicher nicht enttäuscht.

Duisburger Platzhirsch-Festival: Beliebte Aftershow-Party kehrt zurück

Apropos Tanzmusik: Der zweite und letzte Platzhirsch-Tag endet ab 23.30 Uhr mit der beliebten Aftershowparty. Aber der Platzhirsch wäre nicht der Platzhirsch, wenn er einfach eine ganz normale Feier auf die Beine stellen würde. Für zehn Euro Eintritt (oder 15 Euro, falls man dem Platzhirsch noch etwas Gutes tun möchte) wird auf drei Floors getanzt – die liegen allerdings in der ganzen Altstadt verteilt. Im Stapeltor gibt es Techno, Hardgroove und Trance auf die Ohren, in der Liebfrauenkirche Indie, Post-Punk, Wave und Rock ’n’ Roll, im Mimi E Rosa Funk, Soul, Disco und House. Karten gibt es ab sofort im Internet unter platzhirsch-duisburg.org.

Dancen in the Kirche: Einer der drei Floors der Platzhirsch-Aftershowparty ist die Kulturkirche Liebfrauen, hier bei einem „Wildwechsel“-Konzert im September 2024.
Dancen in the Kirche: Einer der drei Floors der Platzhirsch-Aftershowparty ist die Kulturkirche Liebfrauen, hier bei einem „Wildwechsel“-Konzert im September 2024.© FUNKE Foto Services | Kerstin Bögeholz

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Es ist also angerichtet, gerade noch so, muss man sagen. Was nicht heißen soll, dass die Zukunft jetzt auf alle Zeiten rosig ist, für den Platzhirsch. Aber das Orga-Team, die Unterstützer, die Duisburger haben es sich jetzt verdient, zumindest zwei Tage lang mal richtig den Hirschen rauszulassen.