„Scheiß Gäste!“ Dieser unfreundliche „Gruß“ prangte seit Wochen an der Wedauer Brücke in Duisburg-Wedau. Die dicken Lettern in den Farben des MSV Duisburg waren weithin zu lesen. Jetzt wurden sie weggeschrubbt.

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Doch von vorn. Wann genau das Graffiti an der Brücke über Sechs-Seen-Wedau auftauchte, ist schwer zu sagen. Fest steht: Im Juni wurde diese Redaktion zum ersten Mal von einem aufmerksamen Duisburger auf den uncharmanten Schriftzug hingewiesen. Wahrscheinlich ist, dass das Wandbild (wie die einen sagen) bzw. die Schmiererei (wie die anderen sagen) bereits vor dem 24. Mai aufgesprüht wurde – also vor bzw. passend zum Niederrheinpokalfinale zwischen dem MSV Duisburg und Rot-Weiss Essen.

MSV Duisburg: Rivalität zu RWE wird seit Jahrzehnten ausgelebt

MSV Duisburg und Rot-Weiss Essen: Die Fanlager beider Vereine stehen sich bereits seit Jahrzehnten in tiefer Abneigung gegenüber. (Archivbild)
MSV Duisburg und Rot-Weiss Essen: Die Fanlager beider Vereine stehen sich bereits seit Jahrzehnten in tiefer Abneigung gegenüber. (Archivbild)© FUNKE Foto Services | Thorsten Tillmann

Die Fanlager beider Vereine stehen sich bereits seit Jahrzehnten in tiefer Abneigung gegenüber. Es liegt also nahe, dass MSV-Fans mit dem Schriftzug, der übrigens nach wie vor eine Hauswand an der Wedauer Straße „ziert“, vor allem die Anhänger von RWE provozieren wollten.

Wochenlang blieb das Graffiti, das mit „Sektion Süd“ unterzeichnet war, an der Brücke stehen – bis diese Redaktion bei Instagram ein Video dazu veröffentlichte, das offenbar in ganz Fußball-Deutschland gesehen wurde. Das jedenfalls lassen die Kommentare vermuten. So schreibt ein Dynamo-Dresden-Anhänger, der Inhalt des Wandbildes sei „eigentlich clever gemacht“: „So kann man jeden anderen Verein dissen.“

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Vielen der Kommentatoren geht der „Gruß“ aber deutlich zu weit. „Man wird nicht großartiger, indem man andere runtermacht. Gastfreundschaft sollte man großschreiben, auch wenn die Gäste aus Oberhausen und Essen kommen“, schreibt ein Nutzer aus Bremen.

Ein anderer ärgert sich: „Was soll der Scheiß? Warum müssen Gegenstände immer so verunstaltet werden? Alles, was beschmiert wird, hat Geld gekostet und ärgert den Eigentümer und das Umfeld.“

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Apropos Ärger: Auch die Stadt Duisburg war offenbar nicht glücklich über das Graffiti. Kurz nach Veröffentlichung unseres Videos war der Schriftzug an der Wedauer Brücke verschwunden.

Ob die Stadt erst durch unseren Instagram-Beitrag von dem „Gruß“ erfahren hat? Dazu hält man sich auf Nachfrage bedeckt: Ein städtischer Mitarbeiter sei „auf den Schriftzug aufmerksam geworden“, heißt es dazu von einem Stadtsprecher. Wo genau der Mitarbeiter „aufmerksam“ wurde, das bleibt ein Geheimnis.

Sicher ist allerdings: Für die Entfernung des zweifelhaften Werks wurde eine Fachfirma beauftragt. Kostenpunkt: rund 4000 Euro.

POLIZEI DUISBURG: ILLEGALE GRAFFITI SIND EINE STRAFTAT

  • Ein illegales Graffiti zu sprühen, ist eine Straftat und wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet. Darauf weist die Polizei Duisburg hin.
  • Laut Kriminalitätsstatistik der Polizei Duisburg wurden 2024 insgesamt fast 300 Fälle von Sachbeschädigung durch Graffiti gemeldet. Davon wurden 38 aufgeklärt.
  • Dass Sprayen kein Kavaliersdelikt ist, sondern juristisch als Sachbeschädigung betrachtet wird, darauf weist auch die DVG hin. Die Verkehrsgesellschaft muss immer wieder Graffitis und Tags entfernen. Für die Beseitigung von Vandalismusschäden – dazu gehört beispielsweise auch das Zerkratzen von Scheiben – müssen die Verkehrsbetriebe pro Jahr zwischen 400 000 und 450 000 Euro ausgeben.
  • Wer ein legales Graffiti-Projekt plant, kann dieses mit der Stadt Duisburg abstimmen. Dafür können in Ausnahmefällen Flächen geschaffen werden. Illegale Graffiti lassen sich durch Schaffung von Freiflächen laut Stadt Duisburg allerdings nicht vermeiden.