Freiheit, Vielfalt, Akzeptanz: Für diese Werte sind am Wochenende etwa 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Christopher Street Day (CSD) in der Duisburger Innenstadt auf die Straße gegangen. Dort haben sie lautstark für die Rechte von Menschen protestiert, die der LGBTQIA+-Bewegung angehören – weil sie zum Beispiel lesbisch oder schwul sind, eine andere Geschlechtsidentität haben oder sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen.

Immer wieder werden diese Menschen in Deutschland zur Zielscheibe von Hassverbrechen. So wurden im Jahr 2024 laut dem Bundeskriminalamt 1765 Straftaten erfasst, die sich gegen die sexuelle Orientierung der Opfer richteten – ein Anstieg um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zudem ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Das Bundesinnenministerium spricht mit Blick auf die Entwicklung queerfeindlicher Straftaten in den letzten Jahren von einem „besorgniserregenden Anstieg“. In Duisburg warf am Samstag ein 42-Jähriger eine Bierflasche auf die bunte Demo.

CSD-Teilnehmer in Duisburg über zunehmenden Hass gegen queere Menschen

Beim CSD berichten einige der queeren Teilnehmer davon, dass sie im Alltag bereits verbale oder körperliche Übergriffe miterlebt haben. Ryker Kleinwegen identifiziert sich als non-binär, möchte sich also nicht eindeutig dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zuordnen. In den letzten Jahren hat Ryker eine steigende Gewaltbereitschaft gegenüber Angehörigen der LGBTQIA+-Bewegung wahrgenommen: „Die Leute zeigen ihren Hass offener. Früher ist es oft bei Beleidigungen geblieben, heute kommt es schneller zu Gewalttaten.“

Queere Menschen haben beim CSD auch mehr Schutz vor Gewalt gefordert.
Queere Menschen haben beim CSD auch mehr Schutz vor Gewalt gefordert. © FUNKE Foto Services | Olaf Fuhrmann

Die Ursache für diese Entwicklung sieht Ryker im politischen Rechtsruck. Vor allem durch populistische Brandstifter werde der Hass gegen queere Menschen befeuert. „Dazu gehört auch, dass es bei den letzten CSDs in Duisburg eine Gegendemo gab, bei der auch Neonazis dabei waren“, findet Ryker. Im Umfeld des diesjährigen CSD fand allerdings keine solche Demonstration statt.

Angriff in der Straßenbahn

Rykers Begleitperson möchte nicht namentlich in der Zeitung erwähnt werden. Sie hat in der Vergangenheit bereits einen körperlichen Angriff auf eine queere Person miterlebt. „In der Bahn hatte jemand einen Pullover mit Regenbogen-Motiv an“, erzählt sie. Der Regenbogen gilt als zentrales Symbol der LGBTQIA+-Bewegung. „Die Person wurde zuerst queerfeindlich beleidigt und anschließend zusammengeschlagen. Solche Situationen machen einem schon Angst.“

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Um queere Menschen besser vor solchen Übergriffen zu schützen, wünscht sich Ryker eine bessere Aufklärung über die Anliegen der LGBTQIA+-Bewegung. Eine weitere Forderung: „Wir brauchen insgesamt mehr queere Sichtbarkeit und besseren Schutz durch die Polizei.“ Nur auf diese Weise könne man dem zunehmenden Hass Einhalt gebieten.

Der bekannte Stadtwerketurm erstrahlte am Samstag in Regenbogenfarben.
Der bekannte Stadtwerketurm erstrahlte am Samstag in Regenbogenfarben. © Tric