Im Zoo Duisburg hat es einen Abschied gegeben: Orang-Utan-Weibchen Miri hat den Tierpark am Kaiserberg verlassen. Die Abgabe erfolgte im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) für die bedrohten Menschenaffen, informiert der Zoo. Bereits Anfang Juli ging es für Miri in den Zoo von Dublin.

Täglich (außer Samstag)
Duisburg-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!
Jeden Abend die wichtigsten News und exklusive Storys aus Duisburg – persönlich, mit Angeberwissen, Event- und Gastro-Tipps.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Das Weibchen sei wohlbehalten angekommen und soll perspektivisch für Nachwuchs sorgen, erklärt der Zoo Duisburg, der die Reise in die irische Hauptstadt begleitet hat. Zwei langjährige Wegbegleiterinnen haben den Transport und die Eingewöhnung begleitet. „Die Tierpflegerinnen waren vor Ort, um Miri die Umgewöhnung so leicht wie möglich zu machen“, erklärt der Tierpark. Sie gaben Informationen zu dem Tier aus erster Hand an das zukünftige Pfleger-Team weiter. Die Eingewöhnung verlaufe planmäßig und harmonisch, heißt es.
Zoo Duisburg: Generationen von Besuchern kennen Orang-Utan „Miri“
Generationen von Besuchern des Tierparks am Kaiserberg kennen Miri: Das Weibchen kam 1991 am Kaiserberg zur Welt. Sie wurde damals von Hand aufgezogen. Alte Fotos zeigen sie als Affenjungtier auf dem Arm einer Pflegerin. Der Umzug nach Dublin bedeutet für das Weibchen auch ein Abschied von ihrer Tochter.
2007 ist Miri erstmals Mutter geworden. Manggali ist jetzt einer von drei verbliebenen Orang-Utans im Zoo Duisburg. Im Äquatorium lebt Manggali mit Nila in einem Gehege, auch sie kam 2010 im Zoo Duisburg zur Welt und war für Miri wie eine Adoptivtochter. Im Freiland trennen sich die Wege von Mutter und Kind nach rund acht Jahren.

Separiert von den beiden Weibchen lebt das ebenfalls von Hand aufgezogene Männchen Bayu. Mit der Trennung versuche der Zoo Duisburg, das natürliche Verhalten der bedrohten Menschenaffen zu fördern: „In der freien Wildbahn leben Orang-Utan Männchen nach Erreichen der Geschlechtsreife als Einzelgänger und treffen die Weibchen nur, wenn diese paarungsbereit sind“, erklärt der Tierpark auf einer Texttafel am Gehege.
Die Außenanlage wird im Wechsel von allen Tieren genutzt, über diese kann Bayu das Gehege der Weibchen aufsuchen und umgekehrt, teilt der Zoo Duisburg weiter mit. „Je nach Stimmungslage werden die Tiere zusammengelassen.“ Diese Form der Haltung, bei der die Tiere räumlich nicht immer eng zusammenleben, sondern sich regelmäßig in zeitlich begrenzte Untergruppen aufspalten, wird auch im Säugetiergutachten als möglich beschrieben. Es fasst die Mindestanforderungen zur Haltung von Säugetieren zusammen.
Zoo Duisburg: Gehege für Orang-Utans ist zu klein
Orang-Utans haben im Zoo Duisburg eine lange Tradition. Von 1962 bis 2011 lebten Sumatra-Orang-Utans am Kaiserberg, mit mehr als 20 Nachzuchten. 2011 wurde die Haltung auf die seit 1970 in Duisburg gehaltenen Borneo-Orang-Utans (21 Nachzuchten) reduziert, um den Tieren mehr Platz zu bieten. Dieser reicht jedoch heute nicht mehr aus, um die im Säugetiergutachten beschriebenen Mindestanforderungen im Hinblick auf die Größe der Innengehege zu erfüllen. Die Bedingungen im veralteten Äquatorium werden deshalb auch von Tierschützern kritisiert.
Auch interessant
Das im Jahr 1962 eröffnete Affenhaus soll im Zuge der Umsetzung des Masterplans und zum Wohle der Primaten erneuert werden. Neben der Vergrößerung der Anlagen sollen naturnahe Gehege entstehen. Auch eine Vergesellschaftung von Tieren soll erfolgen. So können Orang-Utans laut Säugetiergutachten beispielsweise mit Gibbons, Bartaffen oder Zwergottern gehalten werden.
Zoo Duisburg: Mehr Themen aus dem Tierpark
- Personal-Knall und großer Frust: Tiefe Einblicke in den zerrissenen Zoo Duisburg
- Zoo Duisburg: Zehn Tiere sterben – brisanter Brief wirft Fragen auf
- Millionen für den Zoo Duisburg: Das sind noch geheime Projekte
- Zoo Duisburg hat Affen lange versteckt: Hier leben die Tiere jetzt
- Zoo Duisburg: Was passiert, wenn eine Giraffe im Zoo stirbt?
Im zukünftigen Äquatorium sollen mehrere Schwerpunktarten leben, der Masterplan nennt hier explizit Gorillas, Bärenstummelaffen oder auch Roloway-Meerkatzen. Orang-Utans, als Menschenaffen mit viel Strahlkraft, werden zwar nicht genannt, der Tierpark möchte aber laut Informationen dieser Redaktion an der Haltung der Tiere festhalten.
Einen konkreten Zeitplan für die Modernisierung des Affenhauses nennt der Tierpark am Kaiserberg bislang nicht. Die unterschiedlichen Maßnahmen im Masterplan mit einem Investitionsvolumen in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrags werden sukzessiv umgesetzt. Aktuell entsteht beispielsweise eine neue Seelöwen-Anlage, auch die im Äquatorium beheimateten Zwergflusspferde werden ein neues Tierhaus bekommen.
>> HALTUNGSBEDINGUNGEN IM ZOO
- Im Säugetiergutachten heißt es unter anderem: Ein Innengehege für bis zu vier erwachsene Orang-Utans sollte mindestens 160 Quadratmeter haben. Für jedes weitere Tier sind 25 Quadratmeter mehr nötig.
- Das Gehege soll überwiegend eine Höhe von mindestens sechs Metern aufweisen. Im Außengehege kommen 120 Quadratmeter hinzu.
- Orang-Utans leben in den Bäumen tropischer Regenwälder und benötigen daher Gehege, die vielfältig strukturiert sind, mit Kletterstrukturen, Schwingvorrichtungen und Sitzgelegenheiten in verschiedenen Höhen.






