Der Zoo Duisburg spricht von einem „Meilenstein für den Artenschutz“ und einer „Sensation“: In Argentinien werden aktuell mehrere Riesenotter ausgewildert. Die ersten vier Tiere haben die Vorbereitungsanlagen verlassen und streifen nun durch die Flussgebiete. Einen der Grundsteine für die Aktion legte Alondra: ein in Duisburg am Kaiserberg geborenes Riesenotter-Weibchen.

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Sie ist der erste im Zoo geborene Riesenotter, der jemals für ein Auswilderungsprojekt bereitgestellt worden ist. Als das Paar Maldito und Amana im Juli 2011 Nachwuchs bekommt, ahnt noch niemand, welchen Weg das Schicksal für das junge Weibchen vorgesehen hat, das den Namen Alondra erhält. 2014 geht es für sie zunächst in den Zoo von Budapest, dort wird sie letztlich für das Auswilderungsprojekt ausgewählt.
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Tier aus dem Zoo Duisburg legt Grundstein für Auswilderungsprojekt
2019 folgt der Transport nach Argentinien. In Südamerika wird sie mit ihrem ebenfalls im Zoo geborenen Partner Coco, einem Riesenotter aus Dänemark, zusammengeführt. Gemeinsam leben sie in einem 800 Quadratmeter großen abgetrennten Gehege mit Land- und Wasserzugängen. Der Kontakt zu Menschen ist gering.

Dann kommt es für das Auswilderungsprojekt zunächst zu einem Rückschlag: Alondra hat zwei Totgeburten. 2021 dann die erlösende Nachricht: Das Paar sorgt für Nachwuchs und zieht drei Jungtiere auf. Es ist der erste Otter-Nachwuchs im Nord-Osten Argentiniens seit Jahrzehnten. Jene „Wölfe der Flüsse“ (Lobos del Rio), wie sie dort genannt werden, verschwanden Mitte des 20. Jahrhunderts aus der argentinischen Wildnis.
Alondra ist mittlerweile verstorben, doch ihre drei Jungtiere sollen im Laufe des Jahres in Argentinien ausgewildert werden. Mit dem Projekt werde „Naturgeschichte“ geschrieben, erklärt der Tierpark am Kaiserberg. Fernab der Zivilisation und tief im Nationalpark befinden sich derzeit fünf Vorbereitungsgehege. Sie sind direkt am Fluss gelegen und dienen als Startpunkt für die Auswilderungen.
Auswilderung von Zootieren: „Pionierarbeit für Artenschutz“
Das Besondere ist: Neun für das Projekt ausgewählte Riesenotter kamen in Tierparks zur Welt. Sie stammen aus europäischen und amerikanischen Zoologischen Gärten und haben vor Ort in Argentinien mittlerweile elf Jungtiere aufgezogen. In Gruppen sollen die Tiere ausgewildert werden. Dabei hat die erste Auswilderung von im Zoo geborenen Elterntieren mit ihrem vor Ort in Argentinien geborenen Nachwuchs vor wenigen Tagen stattgefunden.
Mit der Auswilderung der Zootiere werde „Pionierarbeit für den Artenschutz geleistet“, erklärt ein Zoo-Sprecher. Die in Tierparks geborenen Raubtiere werden mit Sendern ausgestattet und auf ihrer Reise engmaschig beobachtet. Gelingt eine Ansiedlung, könnten weitere Zootiere folgen, erklärt ein Sprecher des Zoos.

Riesenotter gehören zur Familie der Marder und sind die größten Otter der Welt. Die tagaktiven Raubtiere erreichen eine Länge von bis zu 1,80 Meter, ein Gewicht von über 20 Kilogramm und leben in Familiengruppen. Auf ihrem Speiseplan stehen insbesondere Fische, Muscheln und Krebstiere.
Projekt in Argentinien: Auch Aras und Jaguare werden ausgewildert
Voraussetzung für das Auswilderungsprojekt waren Schutzmaßnahmen vor Ort, erklärt der Tierpark. Zu diesen gehörte auch der Aufbau des Nationalparks. Die Maßnahmen unterstützt der Zoo Duisburg mit seinen zweckgebundenen Artenschutzgeldern – dem „Artenschutz-Euro“, den Besucher des Tierparks freiwillig mit dem Eintritt bezahlen.
„Für Naturschutzmaßnahmen braucht man immer Geduld, finanzielle Mittel und auch Zeit, bis sie ihre Kraft entfalten. Deswegen ist Artenschutz auch ein Marathon und kein Sprint. Es sind viele Hürden zu nehmen, bis Tierarten wieder ausgewildert werden können“, sagt Oliver Mojecki, zoologischer Leiter im Zoo Duisburg. Von den ersten Vorbereitungen bis zur Auswilderung sind nun acht Jahre vergangen.
Der neue Lebensraum der Tiere ist der Gran Parque Iberá. Der Nationalpark liegt im Nordosten Argentiniens. Die Feuchtgebiete liegen im Zentrum einer großen subtropischen Ebene mit Wäldern, offenen Grasländern und Dornbuschsavannen. Dort führt das Artenschutzprojekt „Rewilding Argentina“ die Wiederansiedlung von zehn einheimischen Arten durch. Neben Riesenotter zählen dazu auch Jaguare und Grünflügelaras.






