Die Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) hat 2024 etwa 48,8 Millionen Fahrgäste befördert – 3,3 Millionen mehr als 2023. Trotzdem gingen die Einnahmen durch den Verkauf von Fahrkarten um 1,6 Millionen auf 45,2 Millionen Euro zurück. Das ist einer der Gründe, warum das Defizit der DVG im Geschäftsjahr 2024 deutlich gewachsen ist.
In ihrer Jahresbilanz weisen die kommunalen Verkehrsbetriebe einen Jahresfehlbetrag in Höhe von 75,2 Millionen Euro aus. Das Minus ist somit 10,7 Millionen Euro größer als 2023 (64,5 Mio. €; 2022: 61,0 Mio. €, 2021: 60,1 Mio. €).
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Duisburg: DVG investiert wieder mehr Geld in Flotte und Infrastruktur
Ein Grund für den hohen Verlust sind wachsende Aufwendungen und Investitionen. Die Aufwendungen sind seit 2017 (123 Mio. €) kontinuierlich gestiegen. Der neue Höchstwert: 166 Millionen Euro im Vorjahr (siehe Grafik).
Einen immer größeren Anteil machen Investitionen aus. Seit ihrem Investitionstiefpunkt 2019 (7,7 Mio. €) steckt die DVG Jahr für Jahr mehr Geld in den Ausbau (siehe Grafik). „Neben der Ausweitung des Angebots investieren wir wie geplant auch konsequent weiter in die Modernisierung der Flotte und der Infrastruktur. Unsere Investitionen sind deshalb noch einmal um 5,6 Millionen Euro auf 37 Millionen Euro angestiegen“, sagt Vorstandschef Marcus Wittig.
Deutschlandticket: DVG hat mehr Fahrgäste, aber weniger Einnahmen
Finanzielle Auswirkungen hat für die kommunalen Verkehrsbetriebe auch das Deutschlandticket: Die Zahl der Passagiere ist zwar im dritten Jahr in Folge gestiegen, die Einnahmen durch Fahrkartenverkäufe sind dennoch gesunken.
Dazu erklärt das Unternehmen: „Weil zwar die Zahl der Abo-Tickets durch das Angebot des Deutschlandtickets angestiegen ist, gleichzeitig aber die Verkaufszahlen sonstiger Tickets gesunken sind, gingen die Verkehrseinnahmen um 1,6 Millionen Euro auf 45,2 Millionen Euro zurück.“ Im Umkehrschluss heißt das: Für die Mehrheit der Fahrgäste ist die ÖPNV-Nutzung durch das Deutschlandticket preiswerter und einfacher geworden.
Busse und Bahnen fahren 13,8 Millionen Kilometer
Der dringend notwendige Ausbau des Streckennetzes schlägt ebenfalls zu Buche: Die DVG hat ihre Verkehrsleitung 2024 um rund 500.000 Kilometer auf insgesamt 13,8 Millionen gefahrene Kilometer erhöht. „Wichtiger Baustein für einen Ausbau und die Optimierung des Angebots war im vergangenen Jahr die Umsetzung des neuen Bezirkskonzepts für Meiderich/Beeck“, erklärt die DVG. 2025 folgen neue Bezirkskonzepte für Mitte und den Stadtsüden. „DVG und Stadt haben damit auf die veränderten Bedarfe und die Wünsche der Fahrgäste reagiert“, teilt die Verkehrsgesellschaft mit.
Zur Wahrheit gehört aber auch: Noch 2022 (14,2 Mio. gefahrene km) und 2021 (14,3 Mio. gefahrenen km) fuhren Busse und Bahnen der DVG mehr Kilometer als 2024. Das Netz der DVG war über Jahrzehnte ausgedünnt worden, der Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert das Angebot als „unterirdisch“ und „Großstadt-unwürdig“.
DVG-Chef: „Weiterer Ausbau des Angebots zwingend erforderlich“
Der chronische Fahrzeugmangel auf den Straßenbahn-Linien 901 und 903 ist durch die Lieferung von inzwischen 29 der 56 neuen Niederflurbahnen NF4 (betriebsinterne Bezeichnung: GT8ND) zwar etwas entschärft. Auf der einzigen Stadtbahn-Linie U79 aber fehlen weiter Fahrzeuge, und wegen massiver Lieferschwierigkeiten müssen DVG und Rheinbahn noch länger auf die neuen Hochflurbahnen vom Typ GT6ND warten (wir berichteten).
Die Projekte zur „vollständigen Erneuerung der Schienenfahrzeugflotte“ seien „extrem aufwändig, planungs- und kostenintensiv, aber sie zahlen sich aus“, sagt Andreas Gutschek, Vorstand Infrastruktur und Digitalisierung bei der DVG.
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Die jährlichen Verluste der DVG kann die Konzernmutter Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (DVV) mit Gewinnen der Stadtwerke ausgleichen. DVV- und DVG-Chef Wittig sagt: „Ein weiterer Ausbau des Angebots sowie zukünftige Investitionen in die Modernisierung der Infrastruktur sind trotzdem zwingend erforderlich.“ Daher brauche es „auch weiterhin eine starke Unterstützung von Bund und Land, um die Verkehrswende in den Kommunen umzusetzen“.
Gemeint sind Fördergelder für die klimafreundliche Erneuerung der Fuhrparks. Als „entscheidenden Meilenstein“ bezeichnet die DVG dabei die Beschaffung und Inbetriebnahme von elf Wasserstoffbussen im Vorjahr. Bis Ende 2025 sollen zwar noch 14 Gelenkbusse vom Typ Solaris Urbino 18 folgen. Mehr Wasserstoffbusse will die DVG aber nicht bestellen, obwohl sie laut Ratsbeschluss 100 ordern sollte. Die DVG bewertet die Anschaffung als zu teuer, weil Bund und Land Förderprogramme eingestellt hatten. Nun will das Unternehmen ab 2026 zunächst Dieselbusse mit HVO-fähiger Motorentechnologie kaufen (wir berichteten).
>> Investition in die Ausbildung der Fahrererinnen und Fahrer
Die DVG hat auch in die Ausbildung ihrer Fahrerinnen und Fahrer investiert. 2024 ging der Schienenfahrzeug-Simulator am Betriebshof Grunewald in Betrieb. In geschützter Atmosphäre kann das Personal etwa außergewöhnliche Wettersituationen wie Starkregen und Schnee trainieren (wir berichteten).
>> Fahrgastzahlen: Veränderte Berechnungsgrundlage
Bei den Fahrgastzahlen handelt es sich noch immer um Hochrechnungen. Wie die kommunalen Betriebe im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) rechnen, gibt dieser vor. 2020 und 2022 änderte der Verbund die Berechnungsgrundlage, weil man in der Corona-Krise feststellte, dass die Absatzzahlen der Zeitkarten (Tages-, Wochen- und Monatstickets) nicht zu den Fahrgastzahlen in Bussen und Bahnen passten.
Kundinnen und Kunden hatten „das Ticket weiter behalten, es wurde jedoch deutlich weniger genutzt. Aus diesem Grund hat der VRR ab März 2020 die Fahrtenhäufigkeiten bei den Zeitkarten gesenkt und im Januar 2022 noch einmal nachgeschärft“, erklärte VRR-Sprecherin Sabine Tkatzik Ende 2024 unserer Redaktion.