An sommerwarmen Wochenenden tummeln sich hunderte Familien im Meidericher Stadtpark. Geradezu überrannt wurde er am Maifeiertag, den ersten richtig heißen Sommertag mitten im Frühling. Hitzig ist auch die aktuelle Diskussion um den offiziellen Grillplatz im Stadtpark: vergrößern oder abschaffen?

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„Der Bedarf ist da“, betont die Meidericher Ratsfrau Kathrin Selzer (Grüne). Sie will das Grillen dort weiterhin erlauben, denn „der Park ist für alle da“ und „nicht jeder besitzt einen Garten, wo gegrillt werden kann und nicht jeder hat einen Balkon“. Für sie ist selbstverständlich, dass gerade große, kinderreiche Familien, die in kleinen Wohnungen leben, die öffentlichen Grillplätze auch als Familie nutzen.

Die große Aufregung über zu viel Müll, weil die bereitgestellten Tonnen und Mülleimer nicht ausreichen, hält die Ratsfrau für übertrieben. „Die Wirtschaftsbetriebe machen einen tollen Job, und danach ist der Park immer sauber“, sagt sie im Bürgerhaus Hagenshof, bei der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung.

Großer Bedarf, viele Rauchwolken, viel Müll – die Grillwiese im Stadtpark vergrößern oder abschaffen?

Die Christdemokraten bewerten die Situation anders. Sie fordern von der Stadt Duisburg, „den Stadtpark in Meiderich in einem sauberen und ordentlichen Zustand zu halten“ und bitten „dringend“ darum, dass Grillverbot außerhalb des erlaubten Grillplatzes „konsequent durchzusetzen“. Denn diesen erlaubten Grillplatz gibt es seit 2013 und „es bewegt sich nichts, außer dass die Anwohner sich beschweren“, sagt Günter Back (CDU) und ergänzt: „Bei allen Bemühungen hat sich nichts verbessert, es gibt nur eine Verschlimmerung.“

Großer Bedarf an öffentlichen Grillplätzen: Hunderte Familien sind am Maifeiertag in den Stadtpark gekommen und haben den Grill angefeuert.
Großer Bedarf an öffentlichen Grillplätzen: Hunderte Familien sind am Maifeiertag in den Stadtpark gekommen und haben den Grill angefeuert.© Oliver Kühn | Oliver Kühn

Mangelnde Einsicht bei den grillfreudigen Familien im Stadtpark, von denen die meisten übrigens Türkisch, Syrisch, Rumänisch, Bulgarisch oder Ukrainisch sprechen, moniert auch der CDU-Ratsherr Ulrich Lüger. Gegen Wildgrillen und umhergeworfenen Abfall „helfen auch nicht ein paar Mülltonnen“.

Ohnehin seien längst viele Parkbesucher „durch alle Gerüche, positive wie negative, vertrieben“. Vor allem die alteingesessen Meidericher, die dort „ein Buch lesen“ oder „die Seele baumeln lassen“ wollen oder einfach mit ihren Kindern und Enkeln spazieren gehen möchten. Nicht nur in Meiderich, umso mehr an den Seen im linksrheinischen Duisburg und im Süden.

Undiszipliniertes Verhalten im Stadtpark? CDU will dann ein Grillverbot

Was ist die Lösung? Die Christdemokraten wollen gegen Wildgriller und Müllsünder zunächst mehr Kontrolleure vom Ordnungsamt in den Park schicken. Wenn sich die Besucherinnen und Besucher aber in Zukunft nicht diszipliniert zeigen, dann soll der Grillplatz, wo das Fleischbrutzeln offiziell erlaubt ist, wieder abgeschafft werden. Das sei so bereits 2013 vereinbart worden, als die Grillwiese eingeführt wurde.

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Zunächst soll jedoch der kommende Sommer abgewartet werden. Zumal auch die Sozialdemokraten diese Schonfrist als „Chance“ für die Grillfreunde begreifen, so Bezirksvertreterin Rita Kaiser, damit sie im Stadtpark zeigen können, „dass sie sich vernünftig verhalten“. Dennoch bleibt nicht alles, wie es ist, betont der Bezirksbürgermeister Peter Hoppe (SPD): „Wir haben mit dem Ordnungsamt gesprochen, und wir haben mit der Polizei gesprochen.“ Beide Ordnungsbehörden schauen demnach bereits häufiger am und im Stadtpark vorbei.

Aktiv geworden sind außerdem die städtischen Wirtschaftsbetriebe. Sie haben nach dem Maifeiertag mehr Mülltonnen und Abfalleimer im Stadtpark aufgestellt. Zuletzt hatten die bestehenden nicht mehr ausgereicht. Doch voll oder überfüllt waren sie seit dem ersten großen Ansturm am 1. Mai nicht mehr.

Die Grillwiese bleibt für viele Duisburger Familien wichtig

Auch nicht jetzt am langen Wochenende um Christi Himmelfahrt. Der Freitagabend ist schön und sonnig, gegen 18 Uhr patrouilliert das Ordnungsamt am Stadtpark. Diesmal sind nicht hunderte Familien gekommen, die mehr als 50 Grills angefeuert haben. Diesmal glüht die Holzkohle nur in einer Handvoll Grills auf der offiziellen Wiese.

„Wir brauchen diese Grillzone“, sagt Familie Al-Bahah aus Duisburg-Meiderich. Zuhause haben sie keinen Garten, in dem sie grillen können. Umso lieber brutzeln sie im Stadtpark.
„Wir brauchen diese Grillzone“, sagt Familie Al-Bahah aus Duisburg-Meiderich. Zuhause haben sie keinen Garten, in dem sie grillen können. Umso lieber brutzeln sie im Stadtpark.© FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Der Meidericher Moayyad Al-Bahah hat schon Hackfleischspieße, aufgespießte Tomaten und Zwiebeln für seine Familie auf dem Grill. Einige Verwandten sind dafür über den Feiertag extra aus Hessen gekommen. Mit seinen kleinen Kindern besucht er die Grillzone gerne, „und wir brauchen diese Grillzone“. Auf dem Balkon seiner Mietwohnung darf er nämlich nicht grillen, und der Stadtpark sei für solche Familienausflüge ideal.

Eine wirkliche Alternative zu einem öffentlichen Grillplatz weiß Moayyad Al-Bahah nicht, deshalb möchte er ihn gerne erhalten. Damit auch andere den Park genauso genießen können wie Familie Al-Bahah hat sie extra eine frische Rolle Müllbeutel mitgebracht und schüttet heiße Asche sorgsam in die Aschetonne.

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Gerne brutzelt auch Zhansuke Alikhan leckere Würstchen im Stadtpark. In ihrer Heimat Kasachstan habe Grillen einen hohen Stellenwert, doch einen Grillabend verbringt die junge Frau ungern allein. Deshalb es hat sich jetzt die Wahlneuenkämperin mit einer befreundeten kasachischen Familie auf der Picknickdecke gemütlich gemacht. Sie genießt mit ihrem Kumpel Sagynysh Sharaptov, seiner Ehefrau und seinen beiden Kindern ihre ersten Bratwürstchen des Abends.

Zhansuke Alikhan (links) aus Neuenkamp ist gerne zum gemeinsamen Grillen im Stadtpark. Genauso wie Sagynysh Sharaptov und seine Familie. Alle meiden jedoch möglichst warme Wochenenden, an denen die Grillwiese überfüllt ist.
Zhansuke Alikhan (links) aus Neuenkamp ist gerne zum gemeinsamen Grillen im Stadtpark. Genauso wie Sagynysh Sharaptov und seine Familie. Alle meiden jedoch möglichst warme Wochenenden, an denen die Grillwiese überfüllt ist.© FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Großes Problem für Eltern mit kleinen Kindern: Zu wenige Toiletten für all die Parkbesucher

Ganz bewusst am frühen Freitagabend und nicht samstags oder sonntags. „Wir kommen nicht mehr am Wochenende“, sagt Zhansuke Alikhan auf Englisch, „da ist es uns oft zu voll.“ Gerade den Ansturm am Maifeiertag haben sie und die Familie Sharaptov in schlechter Erinnerung: „Der Grillplatz war total überfüllt“, überall waren dichte Rauchwolken, sogar auf dem Spielplatz.

Das Klohäuschen mit Toilette und Pissoir reicht bei schönen Wetter für die Parkbesucher meist nicht aus.
Das Klohäuschen mit Toilette und Pissoir reicht bei schönen Wetter für die Parkbesucher meist nicht aus. © FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Schlimm fand sie aber auch die Situation an den Toiletten, „besonders für kleine Mädchen“. Denn sie teilen sich die einzige öffentliche Toilette hinterm Biergarten mit Männern, Jungs, Frauen, Behinderten und Eltern, die einen Wickeltisch brauchen. Das Pissoir daneben mit eigener Tür können Frauen und Mädchen nicht benutzen.

Ohnehin können kleine Kinder nicht lange einhalten; vielen ist bereits die wenigen hundert Meter zum Klohäuschen zu weit, selbst wenn keine Menschenschlange davor steht. Für viele Eltern mit kleinen Kindern sind die Büsche die einzige Rettung, damit den Jungen und Mädchen kein Malheur passiert. Tatsächlich: Selbst am Freitag, als wenig los war im Stadtpark, waren Toilette und Pissoir regelmäßig besetzt, obwohl relativ wenig los war. „Wir brauchen hier dringend mehr Toiletten, näher am Grillbereich“, findet Sagynysh Sharaptov. Mit dieser Meinung ist er längst nicht allein.

Einig sind sich am Freitag alle Parkbenutzer, die sich auf der Grillwiese mit Decken, Stühlen, Tischen, Kühlboxen, Getränken oder sogar mit Wasserpfeifen zusammensetzen, dass genug Nachfrage besteht, um den Grillbereich zu erweitern. Sie kommen gerne und regelmäßig mit Verwandten und Freunden. Einige würden sogar eine Gebühr bezahlen, dass sie dort ihr Fleisch auf den Rost legen dürfen. Denn sie finden den Stadtpark super und wollen nicht anderswo nach Duisburg hinfahren müssen – auch nicht in Nachbarstädte wie Oberhausen oder Ratingen.

Verbündete haben diese Grillfreunde im Bezirk dabei in der rot-grünen Mehrheit. „Wir müssen das Grillen weiter erlauben“, betont Ratsfrau Kathrin Selzer aus Ratingsee mit Blick auf den offenkundig hohen Bedarf.

>> Bürgerversammlung im Biergarten

  • Oberbürgermeister Sören Link und Duisburgs SPD-Chef Mahmut Özdemir laden am Freitagabend, 13. Juni, zur Bürgerversammlung in den Biergarten im Stadtpark ein. Dort soll es unter anderem um den Grillplatz, Müll und ums Wildgrillen gehen. Los geht es um 19 Uhr, schon ab 17 Uhr gibt es Live-Musik.
  • Den SPD-Antrag, dass die Grillwiese an den Parkplatz unter der A59 verlegt wird, haben die Sozialdemokraten zurückgezogen. Sie wollen erst einmal den diesjährigen Sommer abwarten und die Situation weiter beobachten.