Es sollte ein weiterer Höhepunkt der Saison werden. Auf das Derby gegen Rot-Weiss Essen und das Finale im Niederrheinpokal hatten sich die Fans vom MSV Duisburg seit Wochen gefreut. Doch dann kam alles anders – und plötzlich wurde Fußball zur Nebensache.

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Es war in der ersten Halbzeit, als es still wurde in der MSV-Arena. Zunächst wussten die meisten nicht so recht, was geschehen war. Aber als die aktive Duisburger Fan-Szene den Support komplett einstellte und sogar die Fahnen einrollte, war klar: Es muss etwas passiert sein.

Beim Spiel MSV Duisburg gegen Rot-Weiss Essen gab es einen medizinischen Notfall. Ein Fan war kollabiert. Als er auf einer Trage aus dem Stadion transportiert wurde, bedankten sich die Fans bei den Sanitätern mit Applaus.
Beim Spiel MSV Duisburg gegen Rot-Weiss Essen gab es einen medizinischen Notfall. Ein Fan war kollabiert. Als er auf einer Trage aus dem Stadion transportiert wurde, bedankten sich die Fans bei den Sanitätern mit Applaus.© FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Notfall in Block 13: MSV-Ultras blieben bis zum Abpfiff stumm 

Nach und nach bekamen es dann alle mit: In Block 13, direkt neben der Familienkurve, versuchten Helfer, einen Fan wiederzubeleben. Die Minuten verstrichen, zogen sich wie Kaugummi. Unten lief das Spiel weiter, doch die Blicke der Fans wanderten immer wieder Richtung Block 13: „Mein Gott, hoffentlich kann dem geholfen werden!“ Auf der Tribüne gingen die Reanimationsversuche unvermittelt weiter, abgeschirmt wurden die Helfer durch blaue und weiße Laken.

Medizinischer Notfall im MSV-Block 
Auf der Tribüne versuchten Helfer, den kollabierten Fan wiederzubeleben. © WAZ | Katharina Piorrek

Unten auf dem Spielfeld fiel das 1:0 für den MSV, doch es gab nur kurzen Jubel. Als der kollabierte Fan dann nach einer gefühlten Ewigkeit auf einer Trage zum Ausgang gebracht wurde, erhoben sich die Fans von ihren Plätzen. Das ganze Stadion applaudierte.

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Danach blieb es noch lange ruhig in der Schauinsland-Reisen-Arena. Die Heimfans nahmen den Support vereinzelt wieder auf, nachdem Stadionsprecher Stefan Leiwen in der Halbzeit verkündet hatte, der Fan werde nun in einer Klinik weiterbehandelt. Die MSV-Ultras hingegen blieben bis zum Abpfiff des Spiels stumm. 

Am Tag nach dem Spiel gibt es traurige Gewissheit: Der Fan aus Block 13 ist verstorben. Der ungefähr 60 Jahre alte Mann war wenige Minuten nach dem Anpfiff zusammengebrochen. Laut Feuerwehr begannen Polizisten mit der Reanimation des Mannes, bis Sanitäter im Block waren. Diese setzten die Wiederbelebung fort. Doch der Duisburger starb in der Nacht zu Sonntag im Krankenhaus.

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Sportliche Niederlage rückt in den Hintergrund

27.000 Fans sahen das Niederrheinpokalfinale MSV Duisburg gegen RWE.
27.000 Fans sahen das Niederrheinpokalfinale MSV Duisburg gegen RWE.© FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Für die Fans, die den Notfall aus nächster Nähe beobachteten, ist die Nachricht ein Schock. Im Netz und in MSV-Gruppen dreht sich alles um das eine Thema. Dass der MSV durch die Niederlage in der kommenden Saison nicht im DFB-Pokal vertreten ist, rückt dabei bei vielen in den Hintergrund. „Ich hatte im Grunde zehn Minuten nach Spielbeginn keinen Bock mehr auf das Spiel. Eine Niederlage war mir selten so egal wie gestern“, fasst ein MSV-Fan gegenüber dieser Redaktion zusammen. Er war ebenfalls im Stadion dabei, möchte aber anonym bleiben.

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Auch MSV-Fan Dirk Wirtz, der selbst in Block 13 saß, ist tief betroffen. „Das ist einfach der Supergau für jeden. Man stelle sich vor, der Lebenspartner, der beste Freund oder Freundin geht zum Verein seines Herzens und kommt nicht wieder. Als die Rettungssanitäter ein paar Reihen über mir reanimiert haben, war das Spiel nur noch Nebensache.“ Dass die MSV-Fans den Support eingestellt hätten, sei eine „maximal emphatische Reaktion“ und auch richtig gewesen.

Fanmarsch Richtung Stadion: Straßen in Weiß-Blau

Beim Fanmarsch, der von der Innenstadt zur MSV-Arena führte, waren rund 3000 Zebras dabei.
Beim Fanmarsch, der von der Innenstadt zur MSV-Arena führte, waren rund 3000 Zebras dabei. © FUNKE Foto Services | Frank Oppitz

Vor dem Spiel hatten die MSV-Fans noch eindrücklich gezeigt, wie sehr sie ihren Herzensverein lieben: Beim Fanmarsch, der von der Innenstadt zur MSV-Arena führte, waren rund 3000 Zebras dabei. Auf dem Weg schlossen sich immer weitere Fans an, um gemeinsam ein Zeichen für den MSV zu setzen und die Straßen in Blau-Weiß zu tauchen.

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Die Polizei spricht für das Niederrheinpokalfinale von einem „ruhigen Einsatzverlauf“. Die Einsatztaktik und die rigorose Trennung der beiden Fanlager habe gut funktioniert, bilanziert ein Sprecher am Samstagabend. Beim Fanmarsch ist es vereinzelt zum Abbrennen von Pyrotechnik gekommen, intensive Beweissicherungsmaßnahmen sollen zur Ermittlung der Täter führen.

Wie die Polizei weiter mitteilt, wird in zwei Fällen wegen des Vorwurfs der Körperverletzung ermittelt. So soll es bei der Anreise zum Stadion zu einer Auseinandersetzung in einem DVG-Bus gekommen sein, zudem berichten die Beamten von einem Becherwurf auf einen Ordner im Stadion.

Riesige MSV-Choreo zu Beginn des Spiels

Vor Beginn der Partie hatten die MSV-Fans mit einer riesigen Choreo gezeigt, wie heiß sie auf das Derby waren: Über die ganze Nordkurve zog sich eine gigantische Blockfahne, auf der der Duisburger Kult-Kommissar Horst Schimanski und das alte Wedaustadion zu sehen waren.

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Auch in den ersten Minuten des Spiels feierten die Fans ihre Mannschaft frenetisch – schließlich hatten sie sich wochenlang auf das Derby gegen RWE gefreut. Es sollte ein weiterer Höhepunkt einer erfolgreichen Saison werden. Doch dann kam alles anders. Und der Fußball wurde zur Nebensache.