So positive Schlagzeilen haben der MSV und Duisburg lange nicht mehr gemacht. Zuletzt berichteten Medien deutschlandweit nicht nur über den direkten Wiederaufstieg der Zebras in die dritte Liga, sondern auch über die Euphorie in der Stadt. Kein Wunder, dass auch Oberbürgermeister Sören Link Freude an einer Aufstiegsfeier im und vor dem Rathaus und an Medienberichten darüber hat. Allerdings sperrt seine Verwaltung Journalistinnen und Journalisten am Sonntag aus: Medienvertreter dürfen nicht dabei sein, wenn der OB im Rathaus die Mannschaft empfängt und sich auf dem Rathausbalkon zeigt. Der Deutsche Journalisten Verband (DJV) erhebt schwere Zensurvorwürfe, die Stadt verweist zum Rathaus-Verbot – auf den Brückentag.

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Die Party steigt am Sonntag ab 12 Uhr auf dem Burgplatz. Auf einer vor dem Rathaus aufgebauten Bühne gibt es Livemusik und Interviews mit MSV-Vertretern, Spielern und Sören Link. Die Moderation übernimmt Stadionsprecher Stefan Leiwen. Die Leitung der Veranstaltung vor dem Rathaus liegt bei Duisburg Kontor, der städtischen Veranstaltungstochter.
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Diese legt sich mit Blick auf die Werbeeffekte ins Zeug, hat zum Beispiel Gastronomie verpflichtet. Kontor setzt seine Mitarbeiter ein, um die Feier sogar live im Internet zu streamen, verrät Sprecher Alexander Klomparend. Interessierte können also weltweit auf den „Duisburg ist echt“-Seiten bei Facebook, Instagram und Youtube zuschauen, voraussichtlich auch auf den MSV-Kanälen in den Sozialen Medien. Aber bevor das Bühnenprogramm beginnt, empfängt OB Link das Team, Vertreter des MSV und Ehrengäste. Gegen 13.30 Uhr präsentiert sich die Mannschaft dann den Fans auf dem Rathausbalkon. Erst danach geht’s auf der Bühne vor dem Rathaus los.
Empfang des MSV Duisburg im Rathaus: „Der Zugang für Medien ist nicht möglich“
Doch die Stadt als Hausherrin und Duisburg Kontor teilten in ihrer Einladung mit: „Der Zugang für Medien zum Empfang im Rathaus ist nicht möglich. Fotos und O-Töne mit dem MSV und seinen Spielern sowie Oberbürgermeister Sören Link sind gegen ca. 14 Uhr ebenfalls vor dem Rathaus möglich. Fotografen erhalten die Möglichkeit an Fotos von der Mannschaft vor dem Duisburger Rathaus zu machen.“

Das ist nicht nur bitter für Fotografen, die das begehrte Klassiker-Motiv – die feiernden Spieler auf dem Rathaus-Balkon vor den Fans im Bildhintergrund – aufnehmen und an Redaktionen in ganz Deutschland verkaufen möchten. Auch Reporter können durch das „Betretungsverbot“ die Atmosphäre beim Empfang und auf dem Balkon nicht einfangen, nicht über das berichten, was die Beteiligten sich auch abseits des Protokolls zu sagen haben.
Deutscher Journalistenverband: „Schlicht eine Unverschämtheit“
Der DJV reagiert als Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten mit einem offenen Brief an den Oberbürgermeister. Auch der Empfang im Rathaus gehöre zur Aufgabe journalistischer Berichterstattung, schreibt der Vorsitzende des Duisburger DJV-Ortsvereins, Thomas Münten. Er kritisiert die Stadt scharf: „Die Medien dort auszuschließen und auf eine vom Presseamt der Stadt ‚zensierte‘ Fotoauswahl zu verweisen, ist schlicht eine Unverschämtheit. Nicht Sie entscheiden, mit welchen Bildern welches Medium von diesem öffentlichen Termin berichtet, sondern immer noch die Medien selbst.“
Das Amt für Kommunikation attackiert Münten gar mit einem Vergleich zur Einschränkung der Pressefreiheit in der DDR: „Der Teil Deutschlands, in dem es anders lief, gehört zum Glück schon lange der Vergangenheit an – auch wenn ihr Presseamt das wohl nicht bemerkt hat.“
Amtsleiterin Kopka: Für Medienbetreuung fehlt nach dem Brückentag Personal
Der DJV-Vorsitzende sieht die Pressefreiheit gefährdet: „Schade, dass man augenscheinlich die Behördenleitung einer deutschen Großstadt daran erinnern muss.“ Er fordert den Oberbürgermeister auf, „die unbegründeten Restriktionen gegen Pressevertreter aufzuheben und ihre Entscheidung sofort zurückzunehmen“.
Die Medien dort auszuschließen und auf eine vom Presseamt der Stadt ‚zensierte‘ Fotoauswahl zu verweisen, ist schlicht eine Unverschämtheit
Thomas Münten, Vorsitzender des DJV Duisburg
Gegenüber der Redaktion bezieht Anja Kopka Stellung, die Leiterin des Kommunikationsamtes und Sprecherin des Oberbürgermeisters: „Gerne hätten wir allen Medienvertretern ermöglicht, den Empfang der Mannschaft im Rathaus und das anschließende Heraustreten auf den Balkon zu begleiten.“
Dies sei jedoch wegen eines Personalengpasses nicht möglich: „Für das Brückentagswochenende des 1. Mais wurde bereits Anfang des Jahres Urlaub für die gesamte Verwaltung angeordnet, so auch für die Mitarbeitenden des Presseamts und der Repräsentation“, erklärt Kopka. Man habe „mit Mühe zwei Mitarbeiter gefunden“, die für die Aufstiegsfeier „ihren Urlaub früher beenden und bei den Feierlichkeiten arbeiten“.
Statt Journalisten fotografiert ein Mitarbeiter der Stadt
Dennoch gelinge es der Verwaltung nicht, „alle relevanten Orte“ im Rathaus „mit Personal abzudecken, so dass wir uns dafür entscheiden mussten, die Akkreditierung, den Fotograben vor dem Rathaus und die Mixed Zone für Medienvertreter und Spieler mit Personal zu besetzen“. Stellt sich die Frage, warum Journalistinnen und Journalisten nach der Akkreditierung und vor dem Bühnenprogramm bei geschlossenen Amtsstuben gewissermaßen in Manndeckung genommen werden müssen. Anja Kopka argumentiert mit dem zu erwartenden Medieninteresse, weshalb mit einer größeren Anzahl an Kamerateams, Fotografen und Reportern zu rechnen sei. Deren Begleitung sei personalaufwendig.
Wir haben mit Mühe zwei Mitarbeiter gefunden, die dafür ihren Urlaub früher beenden und bei den Feierlichkeiten arbeiten
Anja Kopka, Amtsleiterin und OB-Sprecherin
Die Amtsleiterin verweist zudem darauf, dass die Stadt den Redaktionen Fotos aus dem Rathaus und vom Balkon schnell zur Verfügung stellen werde. Die Aufnahmen macht ein bei der Stadt angestellter Fotograf. Das schmerzt insbesondere freie Fotografen. „Sie beschränken die Verdienstmöglichkeiten freier Fotografen, die von solchen Terminen berichten und ihren Lebensunterhalt damit verdienen müssen“, wirft Thomas Münten vom DJV der Behörde vor.
Vehement weist Anja Kopka im Namen „aller hier arbeitenden Personen“ Münters Vorwurf zurück, das Amt für Kommunikation schränke die Pressefreiheit ein: „Hier arbeiten Kolleginnen und Kollegen – Menschen –, die Ihre Vorwürfe der Zensur und insbesondere ihre Analogien zu den Praktiken von totalitären Unrechtsstaaten persönlich trifft.“
Amtsleiterin: Fotos vom Balkon „erfahrungsgemäß meist suboptimal“
Zum Motiv versucht die OB-Sprecherin zu beschwichtigen: Die Fotos vom Balkon fielen „erfahrungsgemäß meist suboptimal“ aus, „da die Mannschaft auf dem sehr kleinen Balkon (3,10 mal 1,20 Meter) nur von hinten zu fotografieren ist und wir den Moment nicht durch gestellte Gruppenfotos beeinflussen möchten.“ Gruppenfotos werde es später auf der Bühne geben.
Zuletzt feierte der MSV einen Aufstieg 2017 im und am Rathaus. Am Sonntag, 21. Mai, durften Reporter und Fotografen zuhören, was Oberbürgermeister Link den Spielern zu sagen und zu überreichen hatte. Der Bericht unserer Redaktion war bebildert mit einem Foto, für das unser Fotograf die Spieler auf dem Balkon abgelichtet hatte, zu ihren Füßen tausende Fans. Über die Qualität dieses Motivs sind unserer Redaktion übrigens keine Leserbeschwerden in Erinnerung.







