Die Polizei hat jetzt vier Tatverdächtige aus Berlin und Duisburg ermittelt, die mit ihrer Drohmail gegen das Max-Planck-Gymnasium für Aufregung und sogar die Schulschließung gesorgt haben. Das bestätigte die Behörde am Freitagnachmittag. Es drängt sich die Frage auf: Waren die vier Jugendlichen auch für die weiteren Schreiben verantwortlich, die Anfang der Woche einen massiven Unterrichtsausfall nach sich zogen und Duisburg deutschlandweit in die Negativschlagzeilen brachte?
Nach intensiven Nachforschungen einer Ermittlungskommission beim Duisburger Staatsschutz deutete im Laufe des Donnerstags immer mehr daraufhin, dass ein 15 Jahre alter Berliner am Mittwochabend die E-Mail mit brisantem Inhalt an das Meidericher Gymnasium schickte.
Mit Unterstützung des Berliner LKA wurde in der Hauptstadt noch am gleichen Tag ein Durchsuchungsbeschluss vollstreckt. Die Ermittler stellten in einer Privatwohnung ein Mobiltelefon sicher und vernahmen den 15-Jährigen. „Hieraus ergaben sich weitere Ermittlungsansätze, welche die Kriminalbeamten zu einem Jugendlichen (16) aus Duisburg führten“, teilten die Behörden mit.
Beamte der Duisburger Ermittlungskommission suchten den vermeintlichen Mittäter an seiner Arbeitsstätte in Alt-Hamborn auf. Auch sie stellten ein Mobiltelefon sicher. Anschließend brachten sie den Teenager zur Vernehmung ins Polizeipräsidium. Und: In seiner Privatwohnung in Beeck wurde ein weiteres Handy entdeckt.
Durch die Befragungen der ersten beiden Tatverdächtigen ergaben sich wiederum konkrete Hinweise auf zwei weitere Komplizen. Sie sind 16 und 17 Jahre alt. Hier durchsuchten Einsatzkräfte am Freitag die Wohnungen. „Es konnten weitere Tatmittel sichergestellt und die Tatverdächtigen vernommen werden“, heißt es in der aktuellen Mitteilung.
Gewaltdrohung gegen das Duisburger Max-Planck-Gymnasium: Es soll um Prüfung gegangen sein
Wo liegt die Verbindung zwischen den vier Jugendlichen und ihr Motiv? Der Berliner und der 16-Jährige aus Beeck gingen nach Informationen aus Sicherheitskreisen früher gemeinsam zur Schule. Darüber hinaus ist vieles noch unklar. Aber: Es ging ihnen wohl darum, eine für den Tag angesetzte Prüfung zu verhindern.
Ihr Ziel erreichten sie: Am Donnerstagmorgen um 7.15 Uhr entdeckte die Schulleiterin die Mail und informierte dann die Polizei und die zuständige Bezirksregierung Düsseldorf. Um kurz vor 8 Uhr Uhr stand die Entscheidung fest, den Präsenzunterricht am MPG für den Donnerstag auszusetzen, die Schülerinnen und Schüler wurden nach Hause geschickt.
Drohmails gegen Duisburger Schulen: Stecken die vier Verdächtigen dahinter?
Der Vorfall an der Schule setzte eine unheimliche Serie in Duisburg fort: Am Montag machten rechte Gewaltdrohungen gegen sämtliche Duisburger Gesamt- und Sekundarschulen bundesweit Schlagzeilen. Die Bezirksregierung entschied sich nach drei Drohmails – zwei davon an die Gesamtschule Duisburg-Mitte – dazu, den Unterricht an diesem Tag abzusagen. Letztendlich blieben 20 weiterführende Schulen sowie eine Grundschule geschlossen. Über 20.000 Schülerinnen und Schüler waren davon betroffen.
Zwei Mails, am Freitag, 4. April, und Sonntag, 6. April, versendet wurden, hatten ähnlich wie beim Max-Planck-Gymnasium einen rechten Sprachduktus und stammten nach Informationen aus dem NRW-Innenministerium vom gleichen Absender. Dieser Absender meldete sich dann auch noch einmal Montag mit einem Schreiben, in dem er relativierte, er habe niemanden bedrohen wollen und es sei ihm lediglich um Aufmerksamkeit für das Schulsystem gegangen.
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Ob hinter dem Absender die vier Tatverdächtigen stecken oder ob sie zur Kategorie Trittbrettfahrer zu zählen sind, wird nun intensiv geprüft. Bislang sei laut Ermittlern allerdings nicht erkennbar, dass das Quartett auch hinter den ersten Drohmails steckt.
Trotzdem könnte es für sie teuer werden: Die Duisburger Polizei prüft derzeit, den Tatbeteiligten die entstandenen Kosten des Einsatzes in Form von Schadensersatzansprüchen in Rechnung zu stellen.